Klippenstörche und -angler

Das Wetter gibt sich weiterhin recht launenhaft. Oft regnet es bei stürmischem Westwind, so wollen die seltenen Sonnenstunden gut genutzt sein. Was freuen wir uns, als am frühen Morgen die Sonne in ODECEIXE die Landschaft und die weißen Häuser leuchten lässt.

Entlang der bizarren Küste führt ein wunderbarer Wanderweg. Die enge und felsige Bucht von AZENHA DO MAR ist über einen steilen Abhang, dieser auch noch mit einem Seil gesichert, zu erreichen. Verwundert sehen wir die Störche auf den Felsenklippen in ihren Nestern stehen, die Federn bauschen sich im Wind und das Schnabelklappern der Balz ist trotz der starken Brandung gut zu hören. Und dann fliegen sie auch noch elegant im laminaren Seewind, diese Künstler in der Luft. Der sandige Weg, wie schön ist es barfuß zu laufen, führt zur weit ausladenden PRAIA DE ODECEIXE. Silbrig leuchtet das braune Wasser des RIO SEIXE im Gegenlicht, das sich hier mit dem Weißwasser des wilden Atlantiks vermischt. Wir sind jetzt auch im südlichsten Teil Portugals, der ALGARVE, angekommen. Die Algarve, welcher Artikel ist der richtige, ist nicht nur die Küste, die alle von den Ferienprospekten her kennen, sondern eine Region mit bis zu 1000 m hohen Bergen. Die wollen erwandert werden, soweit es das Wetter zulässt.

Das alte ALJEZUR liegt malerisch an einem Hang, überragt noch von den Ruinen einer Burg. Dies war die letzte Bastion der Mauren; am 24. Juni 1249 eroberten sie die Christen. Die Ortschaft hat sich fein heraus gemacht. Wie fast überall in Portugal sind die Straßen und öffentlichen Anlagen sauber und gut gepflegt. Doch in den kleinen Häusern lebt bestimmt noch die Armut.

Sind wir bei klarem Sternenhimmel und mit Froschkonzert eingeschlafen, schüttet es am Morgen, was der Himmel hergibt. Die Frösche sind verstummt. Vor dem Regen oder den wachsamen Augen der einfliegenden Störche? Peter will zumindest den Ausgangsort einer Wanderung erkunden. Als wir jedoch hoch über der PRAIA DO MONTE CLÉRIGA ankommen, vergrößert sich der blaue Streifen am Horizont zusehends. Ist das der berühmte Hoffnungsschimmer? Also hinein in den Anorak, es könnte ja noch regnen, und dem gut markierten Weg zuerst der Küste entlang folgend. Die Aussicht auf die Klippen und engen Buchten ist grandios, die einlaufenden hohen Wellen sind ein Schauspiel für sich. Der Felssporn PONTA DA ATALAIA ragt wie ein Balkon in den Atlantik; der Blick reicht weit nach Süd und Nord. Bienen, Hummeln und Schmetterlinge sind unterwegs, um die ersten Blüten zu finden. Dann verlässt der Weg die Küste um in einen weiten Bogen zum PONTE DA ARRIFANA mit Resten einer Burg zu führen. Unser südwestlichsten Punkt der Reise, das CAPO DE SAO VICENTE, ist im Dunst der Gischt zu erahnen. Und auf vielen der Klippen balzen die Störche und sonnen sich die Kormorane. Peter kann es nicht lassen und verschießt fasziniert von der Kulisse, Storch vor Welle und Weißwasser, die restlichen Filme. Kennen wir doch nur unsere Störche, wie sie in den Wiesen des Altmühltals, auch jetzt wieder, wie wir aus der Heimat erfahren, herumstaksen und auf Kirchtürmen und Schornsteinen in ihren Nestern stehen.

Was tut es gut mit der Sonne aufzuwachen. Das Hochdruckwetter hat sich bereits in der Nacht durch zunehmende Kälte und einsetzenden Ostwind angekündigt. Bei uns zu Hause nennen wir ihn den Böhmischen Wind, ob er hier der Spanische Wind genannt wird? Wir kommen gerade mal ein paar Kilometer weiter, nämlich bis zur weit ausladenden PRAIA DA CARRAPATEIRA. Wir erschrecken ob der zunehmenden Wohnmobildichte am ersten Parkplatz, finden aber entlang der Schotterpiste direkt an den Klippen genug Platz für uns alleine. Der sonstige Wohnmobilist muss wohl ein Herdentier sein, da wir sie an den Parkplätzen für die Übernachtung meist nur im Rudel, kaum einen Meter voneinander entfernt, antreffen. Eine Wagenburg hat schon den Siedlern in Amerika Sicherheit vermittelt, und dennoch überfielen sie die Indianer oder Banditen.

Hier treffen wir keine Störche an, die Nester sind noch leer. Vielleicht auch wegen der vielen schwindelfreien Fischer, die in und über den steilen und bizarren Klippen stehen und ihr Angelglück versuchen. Eine Gruppe zieht im Minutentakt bunt schillernde Fische an den langen Schnüren aus dem wild tosenden Meer, aus den Ritzen im Fels schießen fauchend Wasserfontänen. Manche Petrijünger sind von der hoch aufspritzenden Gischt völlig durchnässt, kein ungefährliches Vergnügen und was für ein Unterschied zu den Wurmbadern am Alten Kanal.

 

Ein Gedanke zu “Klippenstörche und -angler

  1. Bei hier nun ungemütlichen Temperaturen und Regen/Schnee verleiten Eure Bilder doch mehr dazu vom Frühling zu träumen… Ich kann das Meer riechen, die Störche hören … und den blauen Himmel sehen :-). Hoffentlich gelingen die Wanderungen in das Bergland? Viel Spaß und schöne Erlebnisse wünschen wir Euch.

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