Ganz weit weg

Na, das mit der Wagenburg war dann letztendlich doch etwa überheblich. Kurz vor Mitternacht weckte uns blaues Licht und ein Klopfen an der Tür, die Polizei. Wir sind hier in einem Naturschutzgebiet und das Übernachten leider nicht möglich. Ein Formular musste ausgefüllt werden, während Peter sich mit einem der Männer sehr nett unterhielt. Wie schön Portugal ist, was ja auch stimmt, und wir nun schon sechs Wochen unterwegs sind. Gut, wir können bleiben, vielleicht roch er auch den Rotwein, und wenn noch eine Kontrolle käme, kein Problem, wir sollten nur das Formular vorzeigen. Die Polizei, dein Freund und Helfer, im wahrsten Sinne des Wortes.

Am frühen Morgen lacht schon wieder die Sonne vom Himmel. Wir besichtigen noch die PRAIA DA CORDOAMA, mit Flugmöglichkeit, doch es weht der falsche Wind, und fahren dann zum CABO DE SAO VICENTE. Hier, am südwestlichsten Punkt Europas und natürlich auch der Iberischen Halbinsel, sind wir am Weitesten von zu Hause entfernt, genau 2094 km Luftlinie. Die „Letzte Bratwurst vor Amerika“ macht gerade Winterpause am Dutzendteich in Nürnberg.

Natürlich muss noch die Festung in SAGRES besichtigt werden. Sie beherbergte im 15. Jh. die Seefahrerschule Heinrichs des Seefahrers, auch Martin Behaim aus Nürnberg kam angereist. Wenige Gebäude stehen noch, erhalten geblieben ist eine riesige Windrose mit 42 Segmenten. Der Prinz von Sagres, eines der vielen Titel des Königs, unternahm selbst nur eine Seereise, förderte aber Entdeckungen und organisierte Kreuzzüge. Ceuta in Marokko war die erste Kolonie und Portugal somit auch die erste Kolonialmacht der Neuzeit, sie sollte auch die letzte bleiben. Der Widerstand gegen die unsinnigen Kolonialkriege der Diktatur in Angola, Guinea-Bissau und Mosambik führten schließlich zur Nelkenrevolution.

Sowohl die Wohnmobildichte als auch die Bebauung nehmen weiter zu. Etwas erschrocken darüber „flüchten“ wir auf den 900 m hohen Berg FOIA. Eine schauerlich schmale Straße führt uns auf den Gipfel, wo wir ob des Panoramas nur staunen können. Nach einem farbenfrohen Sonnenuntergang leuchten der schmale zunehmende Mond, der aussieht wie ein abgeschnittener Fingernagel, von einem klaren Himmel und die Lichter der dicht bebauten Küste in weiter Ferne. Am Morgen erwachen wir eingehüllt in dichten Nebel und in der Nacht veranstaltete der heftige Wind in unserem Dicken ein regelrechtes Pfeifkonzert. Vor lauter Hui-Hui machen wir fast kein Auge zu. Doch der darauf folgende Tag verwöhnt uns wieder mit einem farbenfrohen Sonnenaufgang, blauen Himmel und warmen Temperaturen.

Eine Wolke großer Vögel schwebt weit über uns, es müssen hunderte sein. Möwen oder Stare, die sonst in großen Schwärmen fliegen, sind es nicht. Da sehen wir auf fast jedem Strommasten Störche sitzen. Unglaublich, wie viele es sind. Die armen Frösche.

In ALTE überrascht uns die FONTE GRANDE mit einem einsamen Parkplatz und einem Flussbad. Leider ist das Wasser ausgelassen. Der freundliche, Zeitung lesende, Polizist erlaubt uns, trotz Campingverbots, zu bleiben. Weil es einfach hier so schön ist. Peter schnürt die Wanderschuhe und läuft hinauf zum ROCHA SOIDOS. Einzelne voreilige Zistrosen sind noch zerknittert, eine Hummel labt sich am Rosmarin und die Mandelbäume öffnen zaghaft die ersten Blüten. Fast über die ganze Region Algarve reicht der Blick. Und das gemütliche Dörfchen leuchtet strahlend weiß vor dem tiefblauen Himmel.

 

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