Im Baixo Alentejo

Unser Reisemodus ist derzeit auf „ganz langsam“ eingestellt. Die Sonne hat schon viel Kraft und zeitweise zeigt das Thermometer über 20 Grad. Der frische Nordwind, dem im Westen der Algarve nicht mehr die Berge im Wege stehen, sorgt jedoch für gefühlte 10 Grad. Wir tingeln wieder einmal von Bucht zu Bucht, wandern ein Stück der Steilküste oder einem der traumhaften Strände entlang oder sitzen einfach mit einem Buch vor unserem Dicken.

Die, klingt irgendwie schöner als das, Algarve hat uns in vielerlei Hinsicht überrascht. Nach drei Wochen in dieser abwechslungsreichen Landschaft lenken wir unseren Dicken wieder nach Norden. Uns ist etwas wehmütig ums Herz. Wir wähnen uns auf der Heimfahrt, so empfinden wir es zumindest heute. Doch auf diesem Weg gibt noch viel zu entdecken. Nachdem der Frühling Einzug hält, möchten wir das Landesinnere erkunden, das wir ja auf dem Weg nach Süden im wahrsten Sinne des Wortes links liegen ließen. Doch zuerst legen wir noch einen Zwischenstopp an der PRAIA GRANDE DE ALMOGRAVE ein, die uns, anders als Anfang Januar, nun mit Sonne verwöhnt. Und schon ist es eine ganz andere Landschaft. In den mächtigen Dünen wird es grün und auch die ersten Blumen wagen sich ans Licht.

Dann biegen wir nach Osten ab und fahren tief ins Landesinnere in den unteren Teil des ALENTEJO, das BAIXO ALENTEJO. Hier ist das Armenhaus Portugals. Die Hälfte der älteren Menschen sind Analphabeten, die Grundstücke sind nach etlichen gescheiterten Agrarreformen und ausgebliebener staatlicher Unterstützung der Kooperativen wieder im Besitz der Großgrundbesitzer oder holländischer und spanischer Gesellschaften. So verwundert es uns nicht, im Supermarkt überwiegend spanisches Gemüse kaufen zu müssen. Die Hälfte der Nahrungsmittel muss Portugal trotz des fruchtbaren Landes einführen.

Sind wir noch bei feuerrotem Himmel aufgewacht, hüllt uns nun immer mehr der Nebel ein. Die Sonne tut sich heute schwer, die Wolken aufzulösen. Wir wähnen uns eher im Herbst als im erhofften Frühling. Endlose Kornfelder mit dem ersten zarten Grün und viele Brachflächen ziehen an uns vorbei, schemenhaft stehen einzelne Korkeichen in der sanften Hügellandschaft. Das hier ist wieder ein ganz anderes Portugal, wahrscheinlich auch wegen dem Novemberwetter. In OURIQUE ist Markttag. Peter ersteht eine handgeschmiedete Zange für die Grillkohle, so muss er nicht immer die Suppenlöffel nehmen. Bei einer Ortsrunde in CASTRO VERDE fallen uns die außergewöhnlichen Fassaden auf. Am PULO DO LOBO, dem springenden Wolf, hat sich der RIO GUADIANA, auf den wir hier wieder treffen, über quer stehende Felsen seinen Weg gurgelnd und schäumen durch Felstürme und Strudeltöpfe gebahnt.

MÉRTOLA war einst die mächtigste Burg im Westen der Iberischen Halbinsel. Römische Akropolis, islamischer Alkázar und christliche Burg des Ordens der Jakobsritter lösten sich in den Jahrhunderten ab. Ein gutes Beispiel ist die Stadtkirche: römischer Tempel, frühchristliche Kirche, Moschee. Diese wurde zwar im 16. Jh. mit gotischen Elementen versehen, behielt jedoch bis heute den Grundriss, die Säulen und die nach Mekka ausgerichtete Gebietsnische.

Ein ganz anderes Beispiel der Geschichte ist die MINA DE SAO DOMINGOS. Schon die Römer bauten hier Kupfer und Gold ab. Bis zum Jahre 1965 wühlten sich die Bergarbeiter im Tagebau bis zu 70 m tief, ein Schacht reicht bis fast 400 m unter die Oberfläche. Faszinierend sind die Farben des erzhaltigen Gesteins, riesig sind die Schlackenhalden, die über die Jahrhunderte entstanden, giftig das braune Wasser, welches mittlerweile die Grube wie einen Kratersee füllt, bizarr die Ruinen der Fabrik.

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