Kulturtour

Über Spanien geht die Sonne in den schönsten Farben auf und lässt den Nebel erst gar nicht aufkommen. Über den Schotterweg fahren wir ein Stück zur neu ausgebauten Straße zurück. Sie führt uns schnell nach Norden, doch unvermittelt endet sie im Nirgendwo in zwei staubigen Pisten, die rechte führt nach Spanien. Schon wieder so eine unsinnige Investition. Unser Dicker quält sich das streckenweise gepflasterte Weglein weiter, da wir zu bequem waren, zurück zu fahren.

In beschaulichen SERPA springt sofort das zierliche, über den Dächern schwebende, Aquädukt ins Auge. Doch seit hundert Jahren müssen keine Ochsen mehr das Wasser über den Ziehbrunnen in den Palast schaffen. Auf einem kleinen Hügel thront die Burg, auf maurischen Grundmauern errichtet. Über dem Eingangstor klemmt seit dem Spanischen Erbfolgekrieg, beim Abzug sprengten die Spanier die Burg, beängstigend ein riesiges Mauerteil, und Susanne steht gerade darunter.

Weiter nach Norden hin ist die Landschaft recht eintönig. Weite zart grüne Kornfelder erstrecken sich über die flachen Hügel, nichts gibt dem Blick Halt. Dann wieder endlose, gleichaltrige und somit gleichförmige Olivenbäume, die aufgereiht wie die Soldaten in Reih und Glied stehen. Um dies, angeblich, alles bewässern zu können und somit zum Wohle der hiesigen ländlichen Bevölkerung, entstand der ALBUFEIRA DE ALQUEVA, mit 250 qkm Europas größter Stausee. Der Grenzfluss Guadiana kann bis zu 152 m aufgestaut werden, dabei entstehen auf 80 km Länge 1 100 km Uferlinien. Schon zu Zeiten der Diktatur begann die Planung, doch erst 1995 konnte das „größte Bauwerk, das je in Portugal entstand“ umgesetzt werden, unter großen Bedenken der Weltbank und mit hunderten Millionen Euro Zuschuss der EU. Doch schnell war klar, dass die Agrarprodukte ohne weitere Subventionen, die Bewässerung kostete seht viel Geld, nicht am Markt verkauft werden können. Nun sollte der Tourismus helfen, unter dem Motto: „Ein Meer der mehr als 1000 Möglichkeiten“. Am Staudamm entstand eine „Marina“, an der wir nun übernachten. Sie besteht aus zwei klapprigen Pontons, die Infrastruktur eines Hafens fehlt gänzlich und Boote sehen wir auch keine. Aber wir genießen die Ruhe und das Vogelgezwitscher auf dem unbeleuchteten Parkplatz; die Kabel zu den Lampen sind abgeschnitten.

Die Landschaft wird wieder gefälliger. Alte und knorrige Korkeichen, blumendurchflutete Olivenhaine und noch blattlose Rebfelder wechseln sich unter einem blau strahlenden Himmel ab. Dazwischen schmiegen sich weiß leuchtende Dörfer an die Hänge, meist von einer trutzigen Burg bewacht, wie etwa PORTEL. Und überall haben die Römer ihre Spuren hinterlassen. Die von einem römischen Statthalter erbaute Villa nutzten ab dem 6. Jh. die Benediktiner und benannten sie nach einem spanischen Heiligen: São Cucufate. Und über die römische Brücke führt auch heute noch eine Straße, man könnte sogar meinen, mit dem ursprünglichen Pflaster.

Wie so oft nach einer sternenklaren Nacht hat sich zum Morgen hin der Himmel mit grauen Wolken überzogen. Schon leuchten die gelben Blumen nicht mehr so schön zwischen den Oliven. Dann können wir uns heute ja dem Sightseeing widmen: uralte Steinhaufen, ein UNESCO-Welterbe und eine viereckige Burg zum Übernachten warten auf uns. Aber der Reihe nach. Zuerst holpern wir auf staubigen Straßen zwischen weitausladenden Korkeichen zu den Monumenten steinzeitlicher Kultstätten. Ante grande do zambujeiro ist eine 7000 Jahre alte Grabstätte. Sechs ovale, 2 mal 6 Meter große und ganz schön dicke Steine bilden einen 6 m großen Ring, am Zugang stehen kleinere Steinplatten. Wie schafften es die Menschen damals, diese Steine ohne Rad und Flaschenzug zu bewegen? Leider muss aus unerfindlichen Gründen ein Wellblechdach nach tausenden von Jahren diese einmalige Stätte schützen. In cromeleque dos almendres sind aus derselben Zeit 90 Graniteier und -finger in Hufeisenform aufgestellt. Der Zweck dieser Kultstätte ist unklar. Doch manche Steine weisen Symbole auf, die der Fruchtbarkeit auf die Sprünge helfen sollen.

Nur einige Kilometer entfernt liegt ÈVORA, dessen gesamtes Stadtensemble die Anerkennung der UNESCO fand. Das Knochenhaus ist zur Freude von Susanne geschlossen, würde es uns doch mit folgenden Worten begrüßen: „Wir Knochen, die wir hier versammelt, auf die euren warten wir.“ Der römische Tempel überstand die Erdbeben nur, weil die Säulen zugemauert wurden und der so entstandene Raum als Schlachthaus diente. Doch diese profane Nutzung ist mittlerweile aufgegeben.

Wir fahren noch einige Kilometer nach Osten, können dem aufziehenden Tief nicht entfliehen, und kommen unterhalb der Burgmauern von ÈVORAMONTE bei einem kleinen Kirchlein zum Stehen. Die ursprünglich maurische Burg zerstörte ein Erdbeben. Ein Dom Jaime baute die Burg wieder auf um einen Rückzugsort zu haben, nachdem er in einem Anfall von Eifersucht seine erste Frau getötet hatte. Vor wem er sich wohl versteckte?

Und am Abend erreicht uns dann tatsächlich das Tief, es beginnt zu regnen und die nächsten Tage sollen ähnlich werden.

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