Himmel, Höhle und Tempelritter

BATALHA ist das größte Kloster Portugals und dessen Existenz beruht wieder einmal auf einem Gelöbnis. Diesmal war der Anlass nicht wie in Mafra ein königlicher Nachkomme, sondern ein historischer Sieg über Kastilien am 14. August 1385, der die Unabhängigkeit Portugals sicherte. In der Schlacht von Albjubarrota triumphierten die deutlich an Männern und Material unterlegenen Portugiesen, da König João I. den Bau ebendieses Klosters versprach. Alleine eine Bäckerin soll mit ihrer Teigschaufel fünf Spanier erschlagen und dann in ihrem Backofen entsorgt haben. Der gewaltige Klosterbau ist UNESCO Weltkulturerbe und ein Glanzstück der portugiesischen Manuelinik, insbesonder die unvollendete Capelas Inperfeitas.

Unweit dieses heiligen Ortes geht es in die Unterwelt. Erst 1971 entdeckten zwei Schäfer die GRUTAS DA MOEDA. Wir genießen eine exklusive Führung nur für uns beide (manche unserer geneigten Leser behaupten ja, wir würden langsam menschenscheu) in die 45 m tiefe Höhle.

Von der Höhle wieder in den Himmel, zumindest dem der Pilger, nach FÁTIMA. Der größte Kirchenplatz der Welt ist heute fast leer. Nur wenige Pilger rutschen auf den Knien hinunter zur Erscheinungskapelle. Im Nordosten thront die neobarocke Basilika, im Südwesten begrenzt ein schlichter Rundbau und viertgrößte Kirche der Welt, die Igreja da Santissima Trinidade, den 200 000 Menschen fassenden Platz „Altar der Welt“. Wie klein muss sich der Mensch in dieser monumentalen Architektur fühlen. Oder soll sie die Größe Gottes zeigen? Der Mythos dieses bedeutenden Pilgerortes beruht auf dem Wunder von Fátima am 13. Mai 1917. Nachdem 1910 die Monarchie endete, verlor auch die katholische Kirche an Macht. Als dann die Liberalen die Regierungsgewalt innehatten, verstaatlichten sie Kirchengüter, verboten den Religionsunterricht und führten neben der zivilen Ehe gleich die Scheidung mit ein. So kam das Wunder gerade recht: drei Hirtenkinder, die Erscheinung der Mutter Gottes und drei Prophezeiungen (die letzte betraf das Papstattentat in 1981). Nach dem Ende der antiklerikalen Republik in 1926 und zwei Jahre später unter der Diktatur Salazar erstarkte die Kirche wieder, der wöchentliche Kirchgang war „Staatsbürgerpflicht“. Wir drehen eine Runde unter dem vielfach durch Lautsprecher verstärkten Gesang eines Priesters und verlassen diesen Platz der Macht und Geschäftigkeit, den eigentlichen Sinn solcher Orte nicht begreifend.

Das nächste Ziel ist wieder recht weltlich: OURÈM, einer der mächtigsten Burganlagen Portugals. Den Hügel nutzten schon Römer und Mauren, heute stehen noch die imposanten Ruinen aus dem 12. Jahrhundert. Nachdem die Ortsdurchfahrt nur 2 m breit ist und Peter keine feuchten Hände braucht und zudem Susanne nicht schocken will, bleibt der große Aussichtsparkplatz ungenutzt. Doch beim imposanten AQUEDUTO DE PEGÔES, das über 180 Bögen zweistöckig das Wasser nach Tomar transportierte, finden wir ein wieder ein ruhiges Plätzchen. Heute macht der Vollmond die Nacht fast zum Tag.

Unweit wartet ein weiteres UNESCO Weltkulturerbe: das CASTELO DOS TEMPLÁRIOS E CONVENTO DE CRISTO über dem Ort TOMAR. 1159 schenkte der König den Rittern des Templerordens die Stadt, die bereits ab dem folgenden Jahr mit dem Bau der monumentalen Burg und des Klosters begannen. Über die Jahrhunderte entstand eine Vielzahl unterschiedlichster Kreuzgänge, alle möglichen Stilrichtungen sind vertreten. Und DAS manuelinische Fenster Portugals mit überbordenden Ornamenten ist natürlich auch hier. Wir sind ob der Vielfalt und Pracht einfach beeindruckt und erschlagen. Am TEJO gegenüber dem CASTELO DE ALMOUROL finden wir eine kulturelle Ruhepause, um die vielen Eindrücke der letzten beiden Tage verarbeiten zu können.

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