Schnee am Torre

Die nächsten Tage, und natürlich auch dieser Bericht, sind wieder angefüllt mit vielen unterschiedlichen Eindrücken und vielen Bildern. Diese Vielseitigkeit überrascht uns immer wieder aufs Neue und macht uns das Land sehr sympathisch. Und immer wieder treffen wir nette und zuvorkommende Menschen, die auch noch Verständnis für unsere fehlenden Sprachkenntnisse haben: „Portugiesisch ist ja so schwer.“ Aber nun zu unseren Erlebnissen und Bildern (es sind wieder sehr viele).

Nach einer Nacht mit heftigen Regen und gelegentlichen Hagelschauern, diese begleitet von Blitz und Donner, vertrauen wir dem Wetterbericht. Er verspricht ab dem Montag Sonne pur in den Bergen der SERRA DA ESTRELA. Also machen wir uns auf den Weg und fahren auf regennasser und der durch die tief stehenden Sonne gleißenden Straße nach Osten. Das zweite Frühstück gibt´s in COIMBRA. Doch unter dem mittlerweile wieder grauen Himmel büßt selbst diese schmucke Stadt deutlich an Charme ein. Wieder führt uns der Weg durch das schöne Tal des RIO MONDEGO. Fast wähnen wir uns an der heimischen Altmühl. Viel Plastik in den Bäumen und Büschen an den Ufern lässt uns auf mächtiges Hochwasser in den letzten Tagen schließen. Dann biegen wir zum RIO ALVA ab. Hier hat jeder Ort sein Flussschwimmbad. Was wäre es hier im Sommer schön. In SÃO SEBASTIÃO DA FEIRA können wir direkt am Fluss stehen, auch hier hat das Wasser die halbe Promenade mitgenommen. Kalt war es in der Nacht. Als wir bei tief hängen Wolken losfahren hat es gerade einmal 1 Grad. Dann sehen wir schon die ersten Schneeberge, doch die Sonne bleibt einstweilen nur zweiter Sieger am Himmel. Nachdem wir beide ausgesprochene Brotesser sind, ist das Brotmuseum in SEIA natürlich Pflicht. Das kleine Museum ist recht liebevoll gemacht und verkauft zudem Roggenbrot mit röscher Kruste. Kaum haben wir unseren Panoramaplatz (auf einem privaten Grundstück, das Campen wäre kein Problem) gefunden, werden aus den Nürnberger Bratwürsten saure Zipfel. Und am Abend verabschiedet sich die Sonne wieder einmal mit einer grandiosen Lichterschau.

Das Warten hat sich gelohnt. In der Nacht ist es recht kalt geworden, am Morgen überzieht Raureif die Wiesen um uns herum. Doch der Himmel ist blau und keine Wolke zeigt sich am Firmament. Über SEIA streben wir zum Torre, dem höchsten Berg Portugals, zumindest auf dem Festland. Nach dem höchst gelegenen Dorf Portugals, SABUGUEIRO, ignorieren wir kurzerhand das Verbotsschild und fahren kurvenreich auf schneefreier und trockener Straße weiter. Dann müssen wir doch stoppen, der Schneeräumdienst ist noch bei der Arbeit. Nach kurzer Zeit geht es im Konvoi weiter. Die letzten Meter zum Gipfel müssen wir zu Fuß im harschigen Schnee zurücklegen, hier ist noch schweres Gerät bei der Arbeit, den verblasenen Schnee weg zu schaffen. Bizarr sind die Schneegebilde: lange Fahnen hängen an Verkehrsschildern, Drähten, Steinen und dem Gipfelkreuz. Viele Portugiesen sind heute unterwegs, um diese Pracht und den Schnee im einzigen Skigebiet des Landes zu genießen. Die Angst vor der nächtlichen Kälte lässt uns diesen aussichtsreichen Ort jedoch verlassen. Ebenso kurvenreich fahren wir hinunter nach MANTEIGAS. Hier finden wir über dem Ort an der zum CASCADA POҪO DO INFERNO führenden Straße an einem kleinen Bach ein romantisches Fleckchen für die Nacht. Wenn es Sommer wäre, könnten wir uns in einem kleinen Becken erfrischen. So wickeln wir uns warm ein und trotzen den Minusgraden. Irgendwann müssen wir im Sommer entlang der portugiesisch-spanischen Grenze fahren, um diese Landschaft mit den kleinen Ortschaften und den vielen Badegumpen genießen zu können.

Nun hat uns der Frühling wieder. Schnell verlassen wir unseren lauschigen aber schattigen Platz und fahren der Sonne und dem Tal des RIO ZÈZERE entgegen. Auch hier hat jede Ortschaft eine Praia Fluvial, ein Strandbad. Das in VALHELAS hat uns besonders gut gefallen und unseren Wunsch nach einen Portugalurlaub im Spätsommer verstärkt. Irgendwann kommen wir wieder.

BELMONTE ist die Geburtsstadt von Pedro Àlves Cabral, dem Entdecker Brasiliens. Wir drehen eine Burgrunde mit Blick auf den allgegenwärtigen und alles überragenden Torre. Und natürlich waren die Römer wieder vor uns da. Der aus Rom verbannte Bischof Cornelius hat es sich in dem stattlichen TORRE DE CENTUM CELAS wie es scheint gut gehen lassen. Es gibt bestimmt schlimmere Orte.

Das warme und sonnige Wetter will genutzt sein. Den nächsten Stopp legen wir in GUARDA ein, der auf 1075 m höchst gelegenen Stadt Portugals. Ist erst einmal den Ring der an Hässlichkeit schwer zu überbietenden Neubauten überwunden, hat der alte Ort rund um die alles beherrschende Kathedrale Sé da Guarda durchaus Charme zu bieten. Ein Kuriosum ist der „Cú da Garda“, der „Arsch von Guarda“. Ein entblößtes Hinterteil wendet sich von der Ostseite der Kirche dem nicht sonderlich geliebten Spanien zu. (Susanne meint, der Hintern sei nicht besonders fotogen. Da gab es doch noch ein anderes Bild?) Dann haben wir wieder einmal ausgesprochenes Glück mit unserer Platzsuche. Zu einer kleinen Hügelkette führt eine komfortable Straße hinauf. Hier stehen wir mit Rundblick inmitten von runden Granitblöcken und Kiefern, natürlich thront über allem der schneebedeckte Torre.

Ein Gedanke zu “Schnee am Torre

  1. Die fotografisch festgehaltenen Gegensätze von Eisskulpturen bis hin zu frühlingshaftem blauen Himmel, Sonne und Blüten sind sensationell! Liebe Grüße aus dem derzeit verschneiten Deutschland. Die Blumen im Garten trotzdem dem Schnee zwar, lassen aber die Köpfe ziemlich hängen unter der schweren Last 😦

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