Dem Rio Douro entlang

Der Himmel hüllt sich in eine gleichförmige graue Decke, die wie Spritzbeton aussieht und immer weiter herabsinkt. Kaum verlassen wir die SERRA DA ESTRELA und kommen in die Ebene, umhüllt uns auch noch dicker Nebel und heftiger Regen begleitet uns bis nach AVEIRO. Natürlich kommen wir bei VW in der Mittagspause an. Doch gleich danach kümmert sich eine nette Dame um uns, schnell ist auch ein Mechaniker zur Hand, der uns die verschlissenen Bremsen zeigt und die notwendige Reparatur erklärt. „Selbstverständlich, die Teile für die Bremsen müssten auf Lager sein, das kann heute noch erledigt werden.“ Und kaum drei Stunden später (in Frankreich warteten wir wegen dem kaputten Schloss eine Woche) fahren wir, wieder einmal freudig überrascht von der Freundlichkeit der Portugiesen, durch den abendlichen Berufsverkehr nach PRAIA DA MIRA, nun schon zum dritten Mal. Um die vielen Eindrücke verarbeiten und die weitere Route planen zu können, bleiben wir zwei Tage bei aprilhaftem Wetter an dem breiten und langen Strand. Am Wochenende gesellen sich noch einige portugiesische Wohnmobile zu uns und die Promenade ist für hiesige Verhältnisse dicht bevölkert. In der folgenden Nacht fliehen wir wieder einmal vor dem heftigen Sturm in den Windschatten der Häuser, unser Dicker ist über und über voller Sand und Salz und gleicht einem Wiener Schnitzel. Im Regen wird er aber wieder richtig sauber.

Anderntags durchqueren wir nochmals das geschäftige AVEIRO. Die Gasflasche bekommt eine neue Füllung, damit Susanne dem Peter wieder leckere Sachen kochen kann. Hinter dem NATO Flughafen von OVAR finden wir einen vermeintlich ruhigen Platz an der PRAIA DE SÃO PEDRO DE MACEDA. Doch zum einen frischt der Nordwind wieder auf Orkanstärke auf, so dass sogar Peter auf den Strandspaziergang verzichtet, zum anderen ist auf dem Parkplatz die ganze Nacht hindurch ein Kommen und Gehen, obwohl weit und breit keine Ortschaft ist. Wir wissen ja um die einschlägigen Plätzchen und deren Aktivitäten, die unschwer an den Hinterlassenschaften zu erkennen sind und zugegebener Maßen meist recht romantische Fleckchen sind, doch heute können wir keine Pärchen entdecken. Mysteriös ist das, aber wir schlafen dennoch wie die Murmeltiere.

Am Morgen strahlt der blaue Himmel über uns und der Wind hat sich auch schlafen gelegt. Wir verlassen etwas wehmütig unsere letzte Praia am portugiesischen Atlantik und fahren nach Osten. Das kleine MUSEU DO PAPEL TERRAS DE SANTA MARIA steht heute auf dem Programm, nachdem es bei unserem ersten Besuch im Dezember wegen Renovierung geschlossen hatte. Ein netter Führer leitet uns durch die Geschichte des Papiers und das ansprechend aufgemachte Museum, das in einer ehemaligen Papierfabrik seine Heimat gefunden hat. Gegründet hat die Fabrik 1822 eine alleinstehende Frau mit zwei ledigen Kindern, und das im erzkatholischen Portugal. Anschaulich zeigen die Exponate die Produktion von Papier, Peter darf sogar einen Bogen Büttenpapier schöpfen, der auch fast ganz gut gelingt. Jetzt haben wir Hunger. An einer Bahnüberführung stehend, sehen wir dann tatsächlich einen Schrankenwärter, der die Schranken eigenhändig mit einer Kurbel schließt, und natürlich wieder öffnet.

Durch dicht besiedeltes Gebiet streben wir dem RIO DOURO zu. An dem Strandbad der PRAIA LOMBA ist es um diese Zeit einsam und leer, kein Meeres- und Windrauschen wiegt uns in den Schlaf, kein vorbeifahrendes Auto stört die Nachtruhe, sogar die allgegenwärtige Beleuchtung ist kaputt. Nach einer Sternennacht ist es, wie so oft, am Morgen grau. Die Wolken hängen wieder tief und manchmal braucht unser Dicker die Nebellichter, um in dem Waschküchenwetter gesehen zu werden. Hoch über dem RIO DOURO führt die Straße durch steile und wohl mühsam aufgeschichtete Wein- und Oliventerassen. Das Unwetter vor einigen Tagen hat auch hier seine Spuren hinterlassen. Die von den steilen Hängen herabstürzenden Bäche sind vermurt, ganze Hänge abgerutscht, die Straße streckenweise nur einspurig befahrbar.

Erst kurz vor PESO DA RÉGUA tun sich die ersten blauen Flecken am Himmel auf. Hier beginnt in dem nun enger werdenden Tal des RIO DOURO die Portweinregion. Der Wein wird aber nicht mehr wie früher mit den kleinen Booten in die Kellereien nach Porto geschafft, heute sehen wir riesige Tanklastzüge auf den Straßen. In PINHÃO, direkt beim Zusammenfluss von RIO PINHÃO und RIO DOURO, finden wir direkt am Flussufer einen Platz mit Blick auf die Weinberge für den restlichen Tag und die Nacht. Sehenswert ist der kleine Bahnhof. Schöne Azulejobilder erzählen die Geschichte des Portweins und der Region. Eisenbahnliebhaber, dein Herz würde höher schlagen. Jetzt fehlt nur noch eine stilvolle Dampflok, die Margitta und Horst schon einmal während einer Schiffstour gesichtet hatten. Wenn uns die Sonne wohl gesonnen bleibt, fahren wir in den nächsten Tagen „hinter die Berge“, wie TRÁS-OS-MONTES übersetzt heißt. Hier warten noch einige Wanderungen auf den Peter.

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