Hinter den Bergen

Die Nacht war wieder richtig kalt, wir stehen immerhin auf 800 m Höhe. Aber auch heute verwöhnt uns wieder die Sonne, die von einem grau schleirigen Himmel scheint. Das Hoch hat sich mit dem Dunst der Inversion richtig festgebissen und Petrus ist uns wieder wohl gesonnen. Mit Sonne und Wärme macht das Reisen doch viel mehr Freude, auch wenn wir fast nie über das Wetter klagen.

Nun sind wir hinter den Bergen, mitten in der Region TRÀS-OS-MONTES, wie sie auf Portugiesisch heißt. Die Gegend ist hügelig und spärlich bewachsen, nur noch ab und zu sind Basaltdörfer in die Landschaft gestreut. Hügelauf- und hügelab führen die kleinen, jedoch meist guten Straßen, der EU sei Dank.

In CHAVES waren die Römer natürlich auch schon, sie schürften in der Nähe nach Gold und nutzten das warme Wasser der Thermen. Der ehemals als Aquae Flaviae berühmte Badeort ist heute ein recht gemütliches Städtchen. Die zwölfbogige PONTE ROMANA, mit den beiden Meilensteinen in der Mitte, führt uns in die geschäftigen Gassen. Ungewöhnlich für uns sind die vielen kleinen Geschäfte für die kleinen Dinge des Alltags mit allem möglichen Krimskrams, wie wir sie noch verschwommen aus unserer Kindheit kennen. Die weltweit agierenden Ladenketten finden den Ort wohl wenig attraktiv, gottseidank, so haben die Straßen ihren Charakter noch erhalten.

Der nächste Tag beginnt grau, die Sonne schafft es am Vormittag nur schemenhaft die Wolken zu durchdringen. Dadurch wird diese alte Landschaft noch ruhiger und die Konturen der Hügelketten laufen ineinander über. So sanft die Landschaft auf den Hochflächen auch scheint, die Bäche haben tiefe Täler gegraben. Die enge Straße führt uns steil hinab zu den glasklaren Wassern und ebenso direkt wieder auf die Hochebenen.

In dem halb verlassenen und alten Dorf PINHEIRO NOVA, beginnt die Wanderung durch den Naturpark MONTENSINHO. Immer einen sandigen Weg folgend geht es gemütlich durch die SERRA DO COELHO. Diesmal sind es rumpfverwitterte granitene Steine, die verstreut über die Hügel liegen, manche haben sogar einen Namen. Ein riesiger Granitblock wird als Kapelle genutzt, welch ein Gegensatz zu den prächtigen Klöstern und Kirchen. Hier ist man seinem Gott bestimmt sehr nahe. Obwohl sie nicht spektakulär ist, hat diese Landschaft mit diesen ehrwürdigen Steinen eine unglaubliche Ausstrahlung. Und mittlerweile hat ein starker Höhenwind die Wolken vertrieben und die Sonne ist wieder Herrscher am blauen Himmel.

Bis MOIMENTA sind es nur ein paar Kilometer. Heute führt die Wanderung in die SERRA DE COROA. Vom Aussichtspunkt, unserem späteren Platz für den Nachmittag und die Nacht, reicht der Blick über die Hügel und hinab ins Tal des RIO TUELA. Aber zuerst schlängelt sich der Weg durch eine schöne Granitlandschaft, im Talgrund wartet der blaugrüne glasklare Fluss, ehe es durch einen Eichen- und Kastanienwald mit mächtigen Stämmen geht. Erhaben spannt sich die PONTE D’ÁS VINHAS über den RIO TUELA. Das klare Wasser würde wieder zum Bad einladen, wäre es nicht so furchtbar eiskalt. Dann führt eine alte gepflasterte Straße zurück zum kleinen Ort MOIMENTA. Verhalten und manchmal mürrisch wird der Gruß von den Bewohnern erwidert, wir sind ja „Hinter den Bergen“ wo auch am meisten geflucht wird.

Ein letztes Mal geht es hinauf in die Berge des Naturparks MONTESINHO. Ausgangspunkt ist der gleichnamige Ort, der ihm den Namen gab. MONTESINHO ist wohl Feriendomizil einiger Betuchten, wie die gut restaurierten doch verschlossen Häuser vermuten lassen. Der wie immer gut markierte Weg führt hinauf zum Felstor PORTO FURADO und bietet immer wieder großartige Blicke auf den Naturpark.

Nachdem wir in den letzten Tagen in den Bergen Frost hatten, wollen wir heute ins Tal; die Bezirkshauptstadt BRAGANҪA ist das Ziel. Unter der gut erhaltenen Burg parken wir heute auf dem offiziellen Wohnmobilparkplatz, natürlich gesellen sich andere Reisende zu uns; die Einsamkeit der Berge ist zu Ende. Peter sah auf seinen Wanderungen keinen einzigen Menschen.

Ein Gedanke zu “Hinter den Bergen

  1. Hallo Susanne, hallo Peter,

    wir schauen uns ab und zu Euren Blog an, vieles davon kennen wir. Aber so schöne Bilder wie Ihr haben wir damals nicht gemacht(1995). Lg Heike & Walter

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s