Frühlingsblumen

Nach dem prächtigen Sonnenuntergang mit dem fantastischen Panorama verabschieden sich die Pyrenäen. Früh morgens zieht ein Gewitter mit Blitz und Donner über uns hinweg, aus den tief hängenden Wolken regnet es unaufhörlich und das Thermometer hat Mühe über die Frostgrenze zu klettern. Auch die Aussichten für die nächsten Tage versprechen wenig Änderung. So spulen wir Kilometer für Kilometer herunter, das Pyrenäenpanorama sehen wir nur auf den Werbefotos der Städte und Dörfer. Aber wie sagte einmal eine Frau zu Reinhart und mir, nachdem wir das dritte Mal an der Zugspitze wegen des Wetters gescheiter waren: „Der Berg mag Euch, Ihr müsst halt noch einmal wiederkommen.“ So nehmen auch wir uns vor, zu wärmeren Zeiten die Pyrenäen noch einmal zu erkunden.

Außergewöhnlich ist die GROTTE DU MAS D’AZIL: diese können wir sogar mit unserem Dicken befahren. Wir machen das sogar dreimal, weil es ein so außergewöhnliches Spektakel ist. Bei der Durchfahrt ziehen wir ob der niederen Decke unwillkürlich die Köpfe ein. Für einen Stadtrundgang in FOIX sind wir zu müde und außerdem regnet es immer noch, wir umrunden die Felsspitze mit der imposanten Burg auf der Straße. In LAVELANET parken wir neben einem Rugbyfeld. Kaum angekommen, beginnt die Dorfjugend mit dem Training. So haben auch wir noch unser abendliches Vergnügen.

Das Wetter hält sich an die Vorhersage. Zögerlich lösen sich die dicken Wolken auf, erste blaue Flecken am Himmel lassen sich erahnen. So wagen wir uns auf den über 1 000 Meter hoch gelegenen Pass, um das Wahrzeichen der Katharer, die Burgruine MONTSÉGUR auf dem Felsen POG zu besuchen. Schon von weitem sehen wir die Festung auf dem hoch aufragenden Sporn. Am „sicheren Berg“, wie der Name übersetzt heißt, suchten 500 Menschen Schutz vor den Soldaten des französischen Königs und des Papstes. Nach monatelanger Belagerung ist die Burg im März 1244 gefallen. Die Unterlegenen hatten die Wahl: Wer seinem Glauben entsagte, kam mit dem Leben davon, wer nicht, kam auf den Scheiterhaufen. Immerhin 200 Katharer brannten am Fuß des Berges in den Flammen der katholischen Kirche und die Franzosen hatten etwas Land mehr.

Dann führt die Straße in Serpentinen steil hinunter ins Tal. Wir biegen beim Dorf FOUGAX-ET-BARRINEUF in den GEORGES DE LA FRAU ab. Peter spaziert die enge Schlucht hinauf. Das emsige Flüsschen HERS schafft mit dem feuchten Klima ein eigenes Biotop, die Bäume sind dicht mit Moos bewachsen und die Frühlingsblumen grüßen leuchtend vom Wegesrand. Die Sonne und die Wärme genießend bleiben wir in der Ortschaft am Taleingang, Susanne verfüttert unser altes Brot an ein einsames Pferd.

Freudig wachen wir unter einem strahlend blauen Himmel auf. Schon der zweite sonnige und warme Tag am Stück, der muss natürlich ausgenutzt werden. Zuerst jedoch begeben wir uns auf die Suche nach einem frischen Baguette. Nur muss uns da in Frankreich nicht bange sein. Jede noch so kleine Ortschaft hat mindestens eine Bäckerei. Und tatsächlich kommen uns am Ortsrand bereits Franzosen mit mindestens drei Stangen der Köstlichkeiten entgegen.

Unweit unseres Übernachtungsplatzes sprudelt die FONTAINE DE FONTESTORBES, die ein besonderes Schauspiel bietet. Im Sommer und Herbst versiegt die Quelle für eine halbe Stunde, bevor sie dann wieder unvermindert plätschert. (Wir müssen unwillkürlich an den riesigen Springbrunnen in Ludwigs Schloss Linderhof denken, der auch Verschnaufpausen einlegt.) Um diese Kuriosität ranken sich natürlich viele Legenden und Sagen. Eine dieser Geschichten schreibt diesen Pausen den Feen zu, die das Wasser erst aus einer anderen Grotte holen müssen. Doch heute sprudelt das Wasser danke des vielen Regens und der Schneeschmelze ohne Unterlass.

Weil es so schön war, umrunden wir nochmals den POG DE MONTSÉGUR. Und die Stimmung ist bei wolkenlosem Himmel wieder eine ganz andere als gestern. Peter erklimmt einen kleinen Hügel mit herrlichem Buchenwald. Die Haselnusssträucher blühen, die Blumen treiben mächtig ihre Blätter aus dem Boden und die ersten Blüten öffnen sich schon vorsichtig, allen voran natürlich die Gänseblümchen. Was gibt es viel schöneres, als im warmen Moos zu liegen, die Strahlen der Sonne zu spüren, den Wind in den Ästen rauschen zu hören und den Vogeln zu zuhören? Und dann war das hoffentlich auch der letzte Schneeball auf unserer Reise.

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