Eine italienische Schönheit: die Vespa von Piaggio

20160914 74_2.jpg„Die Vespa ist in Italien das, was der T-Ford in den zwanziger Jahren für die USA war: Sie motorisiert die Massen“, schreibt ein gewisser Georges Mikes in seinem Werk Italien für Anfänger. So war es: Im Unterschied zum Cinquecento, der eine Weile brauchte, um sich durchzusetzen, hat den Italienern der Motorroller auf Anhieb gefallen. Er veränderte ihr Leben. Nun kamen sie unter der Woche schneller zur Arbeit und konnten mit der Freundin am Sonntag rausfahren ins Grüne. Es reichte ein Plaid, eine Reisedecke einzupacken (auch so eine Ikone, ein typisches Produkt des Italiens jener Zeit), und los ging´s.

Die erste Vespa stammt aus dem Jahre 1946. Die Firma Piaggio aus PONTEDERA, einer Kleinstadt in der Toskana, hatte ursprünglich Flugzeuge hergestellt und musste nach Kriegsende, um das Werk am Leben zu erhalten, ein neues Produkt erfinden. In dieser Situation vielen den Verantwortlichen die kleinen Roller ein, wie sie die Fallschirmjäger auf ihren Flughäfen benutzt hatten. Und man kam auf die Idee, die in den Lagern verbliebenen Antriebsmotoren auf ungewöhnlich aussehende, an ein Insekt erinnernde Fahrgestelle (daher der Name Vespa, also Wespe. Ein Jahr später kam noch die Ape hinzu, die „Arbeits“-Biene.) zu montieren und so ein preisgünstiges Fahrzeug auf den Markt zu bringen. Der Erfolg übertraf die kühnsten Erwartungen. Der Architekt Vittorio Gregotti schrieb dazu: „Das italienische Design schaffte es aus dem Stand, mit einem brillanten ästhetischen Entwurf die Mängel einer Produktion vergessen zu lassen, die noch gezeichnet war von einem kaum planbaren Kaufverhalten und Rückständen in der technischen und organisatorischen Entwicklung, die immer wieder mit viel Improvisationskunst ausgeglichen werden mussten.“ Mit anderen Worten: Fantasie ist hilfreich, Risikobereitschaft auch, und schon damals verstanden die Italiener aus der Not eine Tugend zu machen.

Die Vespa besaß die Vorteile des Motorrads (maßvoller Spritverbrauch, Platzersparnis, Spaß am Fahrtwind), aber nicht dessen Schattenseiten (sie war leicht, relativ leise, Frauen konnten im Rock darauf fahren und man war gegen Schlamm geschützt). Die millionste Vespa wurde 1956 verkauft und kostete nur ein Drittel des Fiat Seicento. Hauptdarsteller in neunzig Filmen, von Ministerpräsident De Gaspari adoptiert („Meiner Regierung kommt das Verdienst zu, dem italienischen Volk den Motoroller geschenkt zu haben“), von Papst Pius XII. gewürdigt („Der Motorroller hat den Lebensstandard jener sozialen Schichten angehoben, die sich keine teuren Fahrzeuge leisten können“), beweist die Vespa vor allem eins: Wenn die Italiener sich auf einfache Dinge verlegen, sind sie unschlagbar.

Noch einmal zu Georges Miles. Ihm zufolge ist die Bedeutung des Vespa (a) sexuell (b) sozial und (c) politisch. Der erste Punkt ist hier besonders interessant:

Schauen Sie sich doch diese dunkelhaarigen italienischen Mädchen an, die auf ihren Vespas Bein zeigen und umherflitzen. Sie erfüllen die Aufgabe, Autofahrer vom Straßenverkehr abzulenken. Nicht, dass italienische Autofahrer dem Verkehr früher allzu viel Beachtung geschenkt hätten, aber heute eben noch weniger. Auch diese modernen Vespalinnen hüten ein ewiges Feuer, und auf ihren Altären werden vielerlei Opfer (auch Menschenopfer) dargebracht.

Aus: Überleben in Italien … ohne verheiratet, überfahren oder verhaftet zu werden von Beppe Severgnini

Die Firma Piaggo hat in Pontedera, wo immer noch produziert wird, ein wunderbares Museum eingerichtet, in dem sie liebevoll die Vespa präsentiert. Wir verbrachten Stunden dort und haben die Entwicklung des Modells verfolgt. „Schau, da hat das Ablagefach noch kein Schloss. Die Lampe ist am Radkasten befestigt, später oben am Lenker.“ Peter hat es der Hubschrauber angetan, der im Film auch als Unterseeboot tauchen konnte. Susanne verliebte sich in den Piaggio 400, wohl in Erinnnerung an ihren eigenen Cinquecento.

4 Gedanken zu “Eine italienische Schönheit: die Vespa von Piaggio

  1. Mensch, den Traum will ich mir auch mal noch erfüllen – einmal Vespa fahren (oder besitzen? Dann aber eine Öko-Strom-Vespa ^^). Ich würd die Orange nehmen 🙂 Oder doch lieber so eine schöne rote Ape? Wer braucht schon eine Handtasche, wenn man sein Hab und Gut auch schön sortiert auf der Ladefläche transportieren kann ;`)? Vielen Dank für tollen Bilder!

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