Zuhause beim Stauferkaiser Friedrich II.

Am frühen Morgen fahren wir nach BARLETTA. Unsere erste Station ist wieder einmal der Lidl. Hier gibt es schon Weihnachtssachen; Lebkuchen, leider keine aus Nürnberg, und Marzipan wandern in den Einkaufswagen für die zunehmend langen Nächte. In der Altstadt parken wir auf gelben Parkplätzen, die für irgendjemanden reserviert sind. Andere scheinen es uns gleich zu tun, die Polizia Locale interessiert es nicht. Das riesige Kastell errichteten Normannen bereits im 10. Jahrhundert, wobei spätere Herrscher es weiter ausbauten. Auch die Geschichte der Kathedrale ist wechselvoll und reicht bis zu den Griechen zurück, diente doch ein Neptuntempel dem Gotteshaus als Fundament. Als Beutestück eines Kreuzritters kam Italiens größte Gussfigur, der KOLOSS, aus Konstantinopel nach BARLETTA. Dass er gerade hier „landete“ verdankt er jedoch dem Schiffbruch des angeheuerten venezianischen Spediteurs. Nach einiger Zeit am Strand erbarmte man sich seiner und stellte ihn in der Stadt vor der ältesten Kirche auf. Immerhin soll er einen Kaiser darstellen.

Dann schauen wir uns das Original des Gebäudes auf der italienischen Cent-Münze an: das imposante und geheimnisvolle CASTEL DEL MONTE. Der Stauferkaiser Friedrich II. ließ es sich im den Jahren 1240 bis 1250 auf dem weit sichtbaren Hügel errichten. Der Kaiser konnte den feudalen Sitz zehn Jahre als Jagdschloss nutzen, seine Enkel wurden hier bis zu ihrem Lebensende eingesperrt. Das einmalige Bauwerk beeindruckt uns durch seine schlichte und außergewöhnliche Form: acht achteckige Türme umschließen einen achteckigen Innenhof. Es gibt kein vergleichbares Bauwerk, was natürlich über die Jahre zu vielen mehr oder weniger wissenschaftlichen Spekulationen Anlass gab. Schade, dass von der Einrichtung nichts mehr zu sehen ist. So ein Bad inmitten der ehrwürdigen Mauern hätte uns durchaus gefallen.

Ein feuerroter Himmel weckt uns gegen sieben Uhr. Die Nacht verbrachten wir auf immerhin 600 m NN inmitten einer Hochfläche neben zwei Trulli. Dies sind für Apulien typische Rundhäuser, die aus Stein und ohne Mörtel gebaut wurden und als Wohnung, Viehstall oder Vorratsspeicher dienten.

Wir kehren zurück an die Adriaküste und tingeln durch die größeren und kleinen Orte wie TRANI und MOLFETTA, wo wir direkt am Hafen die Nacht verbringen. Zu Beginn unserer Reise waren wir etwas skeptisch  und erwarteten im tiefen Süden Italiens verlassene und arme Orte, vor allem jetzt außerhalb der Saison. Nun sind wir richtig überrascht. In den Orten gibt es viele kleine Geschäfte für alle möglichen Dinge des Lebens, im Hafen verkaufen die Fischer ihren Fang über die Planken direkt an ihre Kunden, auf den Straßen und Promandaten pulsiert das Leben und die Städte und Dörfer haben sich schmuck heraus geputzt.

Am nächsten Morgen besuchen wir die Markthallen in MOLFETTA. Gemüse und Obst türmen sich auf den Verkaufstischen auf. Zwar würde vieles von dem Angebot nicht auf einem Supermarkttisch landen, da es bestimmt irgendeiner Norm nicht entsprechen würde, aber alles schmeckt, ist von den umliegenden Feldern und preiswert: ein Kilo Tomaten kostet zwischen 80 Cent und 1,20 €. In der Fischhalle wettereifern die Verkäufer lautstark um die Gunst der Käufer. Wir kaufen zwei Doraden, die bereits mittags auf den Grill wandern.

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