Lebendige Städte und blaues Meer

Bei grauem Himmel verlassen wir unseren kuscheligen Platz, leider ohne ein weiteres Bad genommen zu haben, und machen uns auf den Weg ins Hinterland. Wieder führt der Weg durch Olivenhaine mit uralten und verwachsenen Bäumen, jeder wäre es wert bestaunt und fotografiert zu werden. Dann taucht zwischen den grünen Oliven die weiße Stadt OSTUNI auf. Sie thront weithin sichtbar auf einem Hügel, umgeben von wehrhaften mächtigen Mauern. Da es noch früh am Morgen ist, sind die Gassen menschenleer, die Türen der meisten Geschäfte noch verschlossen. Vor dem Dom unter der barocken Brücke finden wir eine offene Bar und genießen Caffè Latte und Cappuccino. Arbeiter sind mit ihrer Ape (kein anderes Auto würde hier durch passen) in den engen Gassen unterwegs und wollen fotografiert werden.

Wir fahren wieder zurück ans Meer und finden am TORRE POZELLE ein fast ruhiges Plätzchen für den restlichen Tag (immer wieder, bis weit in die Nacht hinein, kommen Autos vorbei, obwohl weit und breit keine Ortschaft ist). Der Wind treibt die braunen Wellen immer noch vor sich her, hoch spritz die Gischt auf, aus den löchrigen Felsen sprudelt das Wasser wie am Strokkur in Island. Am Morgen leuchtet der Himmel im hellsten Blau, die Sonne lässt sich aber immer noch nicht blicken.

Wir ziehen unter grauen Himmel und begleitet von Regenschauern weiter. In BRINDISI drehen wir eine Stadtrunde und meinen, auch bei Sonne würde die Stadt nicht lieblicher aussehen. Wir nehmen die Schnellstraße und düsen weiter nach Süden. Da es an der Küste nicht schöner wird, viele verwahrloste und verlassene Dörfer ziehen vorbei, biegen wir wieder ins Landesinnere nach LECCE ab. Am großen Tor zum Friedhof finden wir einen kostenlosen und zuerst ruhigen Parkplatz. Doch kaum ist der Eingang zur letzten Ruhstätte nach der Mittagspause geöffnet, drängen eine Menge Autos an der engen Straße an uns vorbei. Susanne meint dies sei eine Abkürzung; am nächsten Tag sehen wir die Menschenmengen im Friedhof die Gräber ihrer Liebsten mit Blumen verzieren. Klar, Allerheiligen steht bevor und keiner will sich vor den (Grab-) Nachbarn eine Blöße geben.

Der Friedhof ist einmalig. Staunend spazieren wir durch die stimmungsvolle weitläufige Anlage. Unvorstellbar große und prächtige Mausoleen beherbergen die Familien Lecces. Für die etwas ärmeren Bürger befinden sich in den großen kirchenähnlichen Gebäuden kleine Grabkammern für die Urne. Auf haushohen Leitern balancieren die Angehörigen, um die Blumen auf der fünften Etage in die Vasen zu stecken.

LECCE, 1211 v. Chr. gegründet und vielmals zerstört, ist die Barockstadt schlechthin. Eine Unzahl von Kirchen zeugen von früheren Reichtum, die Straßen sind gesäumt von prunkvollen, üppig verzierten Palästen. Wir bummeln am Abend durch die Stadt und genießen das geschäftige Treiben. Jetzt beginnt das Leben in den Gassen, in kleinen Buchläden wird diskutiert, die Wirte der Weinlokale stellen Tische und Stühle auf die Gassen, auf den Plätzen flaniert Jung und Alt und wollen gesehen werden. Wieder einmal überrascht uns Apulien, der immer gescholtene arme Süden Italiens, mit seiner Vitalität und Pracht.

Dann hangeln wir uns wieder von Bucht zu Bucht und landen schließlich in ROCA an der Promenade. Gegenüber unserem gut beleuchteten Übernachtungsplatz bewacht ein mittelalterlicher Turm die Küste, auf der davor liegenden Halbinsel wird eine uralte Siedlung ausgegraben. Wieder wünschen wir uns für einige Zeit zurück. Mittlerweile ist der Himmel strahlend blau, das Meer hat seine leuchtende Farbe wieder und am Horizont sind die Berge ALBANIENS im Dunst zu sehen, keine 90 km entfernt. Dieses Land wäre bestimmt auch eine Reise wert.

Die Küste wechselt nun laufend ihre Gestalt. Felsbögen, Klippen und flache Karstlandschaft wechseln sich ab. In den kleinen engen Buchten leuchtet meist ein kleiner Streifen Sandstrand. Nachdem Italiener baden, das ist kaum zu glauben aber wahr, müssen wir natürlich auch in die glasklaren Fluten stürzen. Das Wasser ist gar nicht so kalt, es hat trotz des Sturmes noch geschätzte 19 Grad.

Wieder fühlen wir uns eher im Frühling als im späten Herbst. Die Landschaft leuchtet im frischen Grün und viele Blumen strecken ihre Köpfe in die warme Sonne. Leider werden die Tage dennoch immer kürzer und die Winterzeit lässt nun schon um kurz vor fünf Uhr die Sonne untergehen, aber unser E-Book versorgt uns ja auch in der Fremde mit immer neuen Lesestoff.

3 Gedanken zu “Lebendige Städte und blaues Meer

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