Die Erde gibt keine Ruhe

Nun hat es schon wieder heftig gebebt und die Geologen geben noch keine Entwarnung. Wir mussten erfahren, das CASTELUCCIO vom letzten Erdbeben schwer beschädigt wurde. Ende September erst waren wir dort und sahen die damalige Zerstörung. Nun sind noch mehr Häuser betroffen und der provisorisch gesicherte Kirchturm ist wohl nun endgültig zusammen gefallen. Mittlerweile sind insgesamt 100 000 Menschen ohne ein Dach über dem Kopf und der Winter steht vor der Tür. Es ist kaum vorstellbar, wie es denn Menschen nun gehen mag. Hier in Apulien haben wir nichts von dem Erdbeben gespürt, ganz anders in 2009 als L’AQUILA zerstört wurde und wir in 100 km Entfernung in NORMA mitten in der Nacht panische aus dem PKW sprangen, in der Annahme, jemand schaukelt auf der Motorhaube.

Das CAPO D’OTRANTO ist der östlichste Punkt Italiens. Die blau schimmernden Berge Albaniens sind keine 100 km entfernt und im ersten Licht zum Greifen nah. Beim Leuchtturm angekommen, holt uns der stürmische Tramontana fast von den Beinen. Wir fliehen vor dem frischen Nordwind und finden in der kleinen Bucht von PORTO BADISCO einen windgeschützten Platz. Zu uns gesellen sich heute noch sage und schreibe fünf Wohnmobile, das haben wir bis jetzt noch nicht erlebt. Ein kuschelbedürftiger Italiener meint es besonders gut und gesellt sich einen Meter von uns entfernt auf die Wiese. So fahren wir halt noch ein paar Meter vor auf den Strand, keine zehn Meter vom Wasser entfernt. Gottseidank hat es heute keine Welle.

Die Straße schlängelt sich kurvenreich hoch über den Klippen der Küste entlang nach Süden, das tiefe Blau des Meeres unter uns ist einfach fantastisch und fast unwirklich. Wir können uns gar nicht satt sehen. Schon nach ein paar Kilometer halten wir erstaunt und überrascht das erste Mal an. Eine stilvolle maurische Villa aus dem 18. Jh. überragt alle anderen Häuser im noblen SANTA CESAREA TERME. Wir parken an der Promenade, jetzt in der Nebensaison kein Problem, um den Prachtbau zu bestaunen. Hier im Süden Italiens mischen sich die Baustile, welche die vielen Völker hinterlassen haben.

Nur eine kurze Strecke weiter fahren wir hinunter zum TORRE MIGGIANO. Tiefblaues und glasklares Wasser umspült den Turm. Ganz in der Nähe besuchen wir die GROTTE ZINZULUSA. Wir müssen noch ein wenig warten, bis um zehn Uhr die erste Führung startet. Ein kleiner Steg führt zum Eingang der Höhle, die einmal nicht das Meer sondern ein Fluss geschaffen hat. Ein enger Gang führt vorbei an mächtigen Tropfsteinen zu einer riesigen Höhle in der wohl eine Kirche Platz hätte.

Im kleinen Hafen von TRICASE PORTO schwimmen Italiener im blauen glasklaren Wasser, daneben flanieren die Sonntagsausflügler in Daunenjacken. Das müssen wir ihnen gleichtun, den Badenden natürlich. Ein Parkplatz ist schnell gefunden, die Badesachen eingepackt und schon stürzen wir uns die Fluten, obwohl alle zehn Meter ein Schild das Baden verbietet. Aber wie so oft in Italien, nimmt man es mit Verboten nicht allzu genau. Es scheint geradezu ein Ansporn zu sein, über dessen Sinn und Zweck nachzudenken. Scheint das Verbot sinnlos, kann es ganz einfach ignoriert werden. So ist es auch mit so manchen roten Ampeln.

In SANTA MARIA DIE LEUCA erreichen wir die Spitze des Absatzes, der zu dieser Jahreszeit verschlafene Ort ist das südliche Ende Apuliens. Hier treffen sich die ADRIA und das IONISCHE MEER, einen Unterschied erkennen wir jedoch nicht. Ein einsamer Angler versucht sein Glück, die Buden am Strand werden gerade abgebaut und die Bars und Geschäfte sind geschlossen.

Auf der westlichen Seite des Absatzes plätschert das IONISCHE MEER an weite einsame Sandstrände. Wasser und Himmel sind blau, die Sonne schafft angenehme Luft- und Wassertemperaturen und wir finden viele schöne Plätzchen. Nachdem wir die Seite des Absatzes gewechselt haben, verabschiedet sich die Sonne stimmungsvoll im Meer.

GALLIPOLI, „Die schöne Stadt“, wie es auf Griechisch heißt, leuchtet im ersten Licht über dem tiefblauen Meer. Nachdem wir mit der Sonne aufstehen, um die immer kürzer werdenden Tage ausreichend nutzen zu können, sind wir schon früh in der „Perle des Ionischen Meeres“. Wir schlängeln uns, vorbei an so manchen Verbotsschildern, bis zum geschäftigen Hafen durch. Müllmänner nicken uns freundlich zu, wir können hier stehen bleiben. Vorbei an den vielen kleinen Fischerbooten und den Netze flickenden spazieren wir über die Brücke in die Altstadt. Entlang der Uferpromenade umrunden wir die alte Stadt. Auf dem Weg ins Zentrum kommt uns eine Ape mit Obst und Gemüse entgegen. Der Fahrer bleibt an einem offenen Fenster stehen und preist seine frische Ware an. Auch wir kaufen Mandarinen, einen Blumenkohl und Kartoffeln. Aus einem Café duften die Cornettos, denen wir nicht widerstehen können. Gegenüber hat ein kleiner Alimentari bereits geöffnet. Hier kaufen wir Brot und Tomaten. Wenn wir auch weiterhin jede Stadt anschauen und an jeden Strand ins Wasser springen, bleiben wir noch einige Zeit in Apulien. Was uns gut gefallen würde. Wir nehmen Euch auch weiterhin gerne mit.

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