Die ältesten Städte der Welt

In den nächsten Tagen besuchen wir die ältesten Städte der Welt. Die Küste und die vielen Schluchten im Hinterland schätzten schon die Menschen in der Steinzeit als Lebensraum. Seit über siebentausend Jahren ist diese Ecke Apuliens und der Basilikata besiedelt. Die Städte durchlebten die höchst wechselvolle Geschichte Süditaliens. Auf die Griechen folgten die Römer, dann herrschten Langobarden und Byzantiener, bevor die Sarazenen die Orte plünderten und verwüsteten. Danach fielen die Normannen ein und errichteten Kastelle und Kirchen. Denen wiederum folgten staufische und anjouische Herrscher. Als deren Macht zerfiel stritten sich verschiedene Adelsfamilien um Einfluss und Macht.

Unsere erste Station ist TARANTO, dessen Stadtgründung durch spartanische Kolonisten im 8 Jh. v. Chr. die ältesten erhaltenen Schriftstücke bezeugen. Von der einst griechischen Ära mit 30 000 Einwohnern zeugen nur noch zwei dorische Säulen, die etwas unplatziert und verloren zwischen den Häusern stehen. Der Verfall der Altstadt schreckt uns und fast fluchtartig verlassen wir die Stadt und dessen industrielles Umfeld mit Schwerindustrie und chemischen Werken.

Im Landesinnern, umgeben von Olivenhainen, thront auf einem Hügel MASSAFRA. Die Häuser und die wehrhafte Burg säumen die GRAVINE SAN MARCO, einer wasserlosen Schlucht.

Dann verlassen wir das lieb gewonnene APULIEN und erreichen die BASILIKATA. Schnell sind wir in MATERA. Vorbei an riesigen Tuffsteinbrüchen erreichen wir über ein Stück Piste die Höhlenkirche MADONNA DELLE VERGINI. Von hier haben wir in den nächsten drei Tagen aus unserem rollenden Luxushotel einen fantastischen Blick auf die eigenartige Stadt.

Seit Urzeiten leben Menschen hier in den Höhlen an den Hängen der GRAVINA DI MATERA, haben diese vergrößert und schließlich zu Häusern ausgebaut. Wir besichtigen den SASSO CAVEOSO mit der ursprünglichen Einrichtung und sind uns schnell einig, dass wir hier nicht leben möchten. Mit sechs Kindern, Maultier, Schwein und Hühnern wohnten die Familien in den feuchten Höhlen. Das Wasser wurde in Zisternen gesammelt, als Klo diente ein Nachttopf. Wo dieser entsorgt wird, lässt sich nur erahnen. Hoffentlich nicht im Wasserspeicher des Nachbarn. In den 50er Jahren wurden die Menschen, auch wegen der katastrophalen hygienischen Bedingung, umgesiedelt, manche unter Zwang. Erst in letzter Zeit hat man die Einzigartigkeit der Siedlung wieder entdeckt. Die SASSI, wie die Höhlenwohnungen heißen, sind seit 1993 UNESCO Welterbe, in 2019 ist MATERA Kulturhauptstadt Europas. Nun fließen die Gelder und nach und nach werden die Häuser restauriert, in denen wieder Menschen einziehen. Nun aber mit etwas mehr Komfort.

Entlang der GRAVINA DI MATERA wandeln wir auf steinzeitlichen Spuren. Hier, am Rande der größten Schlucht Süditaliens, reiht sich Höhle an Höhle. Tief unter uns plätschert der Bach und das herbstliche Kleid der Bäume leuchtet im schrägen Licht der Sonne. Steinzeitliche Jäger, mittelalterliche Mönche und neuzeitliche Schäfer, die bis in unsere Zeit hier Käse herstellten, lebten in diesen einfachen Behausungen. Die Kirche CHRISTO LA SELVA erhielt 1721 eine neue Fassade, der Innenraum ist jedoch wesentlich älter. Am Ende der Wanderung faszinieren das VILLAGGIO SARACENO mit sechzig Höhlenwohnungen und die filigrane Kirche SAN LUCA ALLA SELVA mit byzantinischem Grundriss, sie ist vermutlich über 500 Jahre alt. Es macht viel Spaß die Treppen zu den Höhlen hinunter zu steigen und über die Dorfstraße zu schlendern. Wir packen unser Vesper aus und fühlen uns viele Jahre zurück versetzt.

2 Gedanken zu “Die ältesten Städte der Welt

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