Dolomiten und Calanchi

Noch einmal fahren wir nach APULIEN und besuchen GRAVINA IN PUGLIA. Wir parken am Rande der Schlucht gegenüber der Altstadt. Eine imposante Brücke führt in die verwinkelte Altstadt. Die einst prächtigen Städte im Landesinneren wirken verlassen und ärmlich, so als wären sie von der Welt vergessen. Auf den Straßen und Plätzen treffen wir nur wenige Menschen, viele Häuser verfallen. Doch die Kirchen sind wie in vielen Orten frisch restauriert und erstrahlen im frischen Glanz, waren doch die letzten beiden Päpste zu Besuch hier. Ungewöhnlich ist der Kirchenschmuck: Skelete und ein pinkelnder Jüngling einen Fisch reitend.

Als Ergebnis der alten Besitzverhältnisse überziehen riesige Weizenfelder die runden Hügel, nur ab und zu lockert ein kleiner Olivenhain das Bild auf. Doch die Sonne meint es gut mit uns und verzaubert mit ihrem schrägen Herbstlicht die eintönige Landschaft in stimmungsvolle Motive.

Dann sind wir wieder in der BASILIKATA. Inmitten der weichen und runden Landschaft erheben sich unvermittelt wie Zähne die Felsen der LUKANISCHEN DOLOMITEN. Mit den Südtiroler Dolomiten haben sie den Namen und die bizarren Formen gemein, nicht jedoch den Dolomit, da sie aus Sandstein sind (wie unser Nürnberger Burgberg). Zwischen den Felstürmen zwängen sich zwei malerische Dörfer: PIETRAPERTOSA und CASTELMEZZANO. Man könnte meinen die Lukaner, wie sich die Bewohner der Basilikata nach dem alten Namen ihres Landes nennen, bauen dort ihre Dörfer, wo es am schwierigsten ist.

Obwohl viele Häuser in CASTELMEZZANO frisch renoviert sind und die Ortschaft recht lebendig wirkt, sind manche Gebäude unbewohnt und modern vor sich hin. Die nun nutzlosen Türen haben viel Patina angelegt und faszinieren durch ihre vielfältigen Farbtöne. Die Falten und Runzeln des Alters haben ihren eigenen Charme.

In der Nacht regnet und donnert es heftig, ein Blitz schlägt mit lautem Getöse unmittelbar neben uns ein. Eigentlich wollte ich durch die bizarren CALANCHI wandern. Diese Landschaft entstand durch die Erosion, nachdem alle Bäume gefällt waren. So frisst jeder Regen eine tiefere Rinne in die Landschaft. Nachdem die Wege nach dem langen Regen wahrscheinlich rutschig und matschig sind und zudem der Wind in Orkanstärke bläst, bleibe ich lieber in unserem Dicken.

Bei tiefschwarzem Himmel verlassen wir ALIONA, doch bald schiebt sich ein blauer Fleck mit Sonne über den Himmel. Wir besuchen die Geisterstadt CRACO, die nach mehreren Erdrutschen in 1975 endgültig verlassen wurde. Unwirklich stehen die altehrwürdigen Ruinen der alten Stadt auf dem Hügel. In der Ferne leuchten die weißen Häuser von PISTICCI unter einem Regenbogen. Auch Teile diese Stadt wurde von einem Erdrutsch in 1688 begraben, wobei hunderte von Menschen starben. Wir wagen uns nicht in das enge Straßengewirr vor und fahren weiter dem Meer entgegen, das hellblau am Horizont leuchtet.

Auf dem Weg dorthin besuchen wir noch das griechische METAPONTO, indem der Philosoph Pythagoras lebte. Hirten bewunderten einstmals die Reste der antiken Steine und nannten sie TAVOLE PANTINE, die „Kaiserlichen Tische“. Es ist aber nicht die Siegestafel Kaiser Karl des Großen, der hier die Sarazenen besiegte, sondern ein Hera-Tempel. Wir stehen beeindruckt vor den Überresten und fragen uns: Wenn diese Ruine schon so eine Erhabenheit ausstrahlt, wie eindrucksvoll mag die Stadt mit ihren 6000 Einwohnern früher gewesen sein?

Nach den Tagen im Landesinnern ist uns wieder nach Wärme und Meer. Bei SAN BASILIO finden wir an einem langen und tiefen Strand ein stilles Fleckchen. Die Sonne verabschiedet sich stimmungsvollen und der Mond erleuchtet romantisch das Meer. Nach einem Bad gelüstet uns aber beide nicht.

3 Gedanken zu “Dolomiten und Calanchi

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