Eine Insel mit zwei Bergen

In den nächsten Tagen ist das Wetter recht launisch, hält sich wenig an den sonnigen Vorhersagen und schafft wieder grandiose Stimmungen in der Luft und auf dem Wasser; es gibt wieder Wolken zu fotografieren. Das Schauspiel beginnt schon am Morgen, als die ersten Wolken zartrosa angestrahlt über den LIPARISCHEN INSELN stehen. Die nächsten beiden Tage stehen wir fünfzig Meter über dem Meer am Aussichtsbalkon des CAPO DI MILAZZO. Am ersten Tag sitzen wir bei sommerlichen Temperaturen und völliger Windstille den ganzen Nachmittag auf der Mauer und schauen dem Wolkentheater gebannt zu. Über LIPARI steigen die ersten thermischen Wolken auf und ziehen wie eine riesige Rauchfahne über die Inseln hinweg. Immer weiter und höher breiten sich die Ungetüme aus und spiegeln sich in dem wellenlosen Meer. Nachts entlädt sich ein Gewitter mit Blitz und Donner genau über uns. Am frühen Morgen sehen wir zum ersten Mal den leuchtend weißen Kegel des MONGIBELLO, wie der majestätische ETNA von den Sizilianern genannt wird, zwischen den Wolkenschichten. Dann legt der kalte Nordwind mächtig zu und schafft immer mehr graue Wolken heran. Wir stecken uns unter die warmen Decken und lesen den ganzen Tag.

Am nächsten Tag kommen wir gerade einmal bis TINDARI, einer ehemals griechisch-römischen Siedlung mit immerhin schon 5000 Einwohnern. Heute leben im Schatten der neuzeitlichen Pilgerstätte SANTUARIO DELLA MADONNA NERA DI TINDARI gerade einmal 70 Menschen. Vorbei an einer Reihe geschlossener Souvenirläden spazieren wir hinauf zur PIAZZA BELVEDERE. Unter uns liegt das im Sommer bei den Badenden beliebte MARE SECCO, das trockene Meer, mit seinen ausladenden Sanddünen.

Immer der kurvenreiche Küstenstraße folgend erreichen wir CAPO D’ORLANDO. Am Ende der langgestreckten Ortschaft finden wir ein ruhiges und sogar unbeleuchtetes Fleckchen direkt am Strand. Durch die Wolkenlücken lässt die Sonne das etwas ruhigere Meer immer wieder einmal blaugrün aufleuchten. Am Horizont schweben die Vulkane der LIPARISCHEN INSELN über dem Wasser. Der Doppelgipfel von SALINE erinnert uns an LUMMERLAND: „Eine Insel mit zwei Bergen und dem tiefen weiten Meer, … jeder sollte einmal reisen in das schöne Lummerland“. Dann werden wir doch zum Abschluss unserer sizilianischen Runde die Insel besuchen.

Auch Steine haben mir es schon immer angetan. Der Strand mit seinen rund geschliffenen Kieseln ist eine wahre Fundstelle. Nachdem zu Hause alle möglichen Regale mit Findlingen von den vielen Reisen überfüllt sind und meine Allerliebste die Nase rümpft, wenn ich auch nur den klitzekleinsten Stein mitbringe, beschränke ich mich mittlerweile aufs Fotografieren und lasse die Steine da, wo sie die Natur hingesetzt hat.

Schon nach ein paar Kilometern finden wir in SANT’AGATA DI MILITELLO direkt am Meer einen ruhigen Platz, diesmal jedoch gut beleuchtet. Für einen Ausflug in die Berge der NEBRODI kommt heute der Roller wieder einmal zum Einsatz. Kurvenreicht führt die Straße flott hinauf in die Berge, hoch über die tiefe Schlucht des FIUME ROSMARINO. Die Ortschaften kleben wie Vogelnester an den steilen Hängen oder auf den Hügeln. In ALCARA LI FUSI ist heute Markt. Am Ortsausgang stehen zwei Brunnen mit vielen sprudelten Rohren nebeneinander, einer schlicht, vielleicht ein altes Waschhaus, die FONTANA ABATE prächtig. Dann gleicht die Straße eher einer Achterbahn. Weite Strecken sind abgerutscht und nur notdürftig ausgebessert; gut, dass wir unseren Dicken hier nicht quälen müssen. Hinter der PORTELLA GAZZANA schlängelt sich die Straße durch die nunmehr hügelige Landschaft auf über 1200 m hinauf. Hier stehen mächtige Eichen, auf den runden Bergen liegt bereits ein Hauch von Schnee. Vorbei an possierlichen Eseln und durch eine Herde Schafe führt die Straße um den mächtigen Dolomitklotz der ROCHE DEL CASTRO herum, dem letzten Ausläufer des Apennin, dem wir nun schon seit ein paar Wochen folgen. Nach LONGI ist die Straße aus unerfindlichen Gründen für den Transit gesperrt. Da Autos entgegen kommen, ignorieren wir die Sperre einfach und umfahren die Betonklötze, die Straße ist im besten Zustand. Über FRAZZANÒ und SAN MARCO D’ALUNZIO erreichen wir auf engen und steilen Wegen etwas durchgefroren wieder unseren Dicken. Gut, dass uns die Sonne heute bis zum Untergang erhalten bleibt.

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