Calatafimi, unvergleichliches Symbol der vereinten Nation

Noch einmal PALERMO. Vom 917 m hohen TIMPONE DI CARONIA schweift der Blick über Ebene LA CONCA D’ORO und die ausufernde Stadt. Gegenüber thront auf dem MONTE CAPUTO ein Kastell mit mächtigen Mauern, das wohl früher das Hinterland beschützt hat.

6340 qm Mosaik aus Millionen von gläsernen Mosaiksteinen erzählen die biblische Geschichte im Dom von MONREALE, dem „Königsberg“. Maria verriet dem Normannenkönig Wilhelm II. („Wilhelm der Gute“) das Versteck des Schatzes seines Vaters Wilhelm I. („Wilhelm der Böse“), mit der Bitte, dies für einen gottesfürchtigen Zweck auszugeben. So ließ der Gute ab 1174 zu Gottes, und wohl auch seiner Ehre, den Dom mit der prachtvollen Innenausstattung errichten. Baumeister aus dem Orient sollen dieses einmalige Kunstwerk geschaffen haben. Auf goldenem Hintergrund lehren die Szenen dem einfachen Volk, das nicht lesen konnte, die Bibelfurcht. In der Apsis thront Jesus als Weltenherrscher, umrahmt von den Worten: „Ich bin das Licht der Welt.“

Schon etwas verzweifelt suchen wir den Eingang zum Kreuzgang. Ein Italiener spricht uns auf Deutsch an und fragt wohin wir wollen. „Ja, der Kreuzgang liegt gleich hier. Das deutsche Wort kennen keine zwei Sizilianer. Der Eingang ist hier. Könnt Ihr mir einen Café ausgeben? Meine Kinder und Enkel sind alles Deutsche, ich bin der einzige Sizilianer in der Familie.“ Er bringt uns zum wirklich versteckten Eingang, kein Schild weist auf die Sehenswürdigkeit hin. So verlaufen sich auch nur einige Touristen in den schönen und beschaulich stillen Kreuzgang des ehemaligen Benediktinerklosters. Wenn die Kirche und das Kloster schon so prächtig sind, wie mögen dann erst die Könige gewohnt haben? Wir umrunden ein paar Mal staunend den Kreuzgang, fast jedes der 228 unterschiedlichen Kapitelle der Doppelsäulen bewundernd.

Weiter geht es zur nächsten Sehenswürdigkeit. In der hügeligen Landschaft liegen die Reste von SEGESTA, einer Gründung der Elymer, die der Sage nach Flüchtlinge aus Troja waren. Im Altertum setzte die Stadt immer mal wieder auf das falsche Pferd, so wurde sie ein paar Mal zerstört und die Einwohner versklavt. Als die Römer die Herrschaft übernahmen, besannen sie sich auf ihre trojanische Abstammung und verhalfen SEGESTA zu einem neuen Aufschwung. Sehenswert sind der griechische Tempel, der gut erhalten ist aber nie zu Ende gebaut wurde (die Transportzapfen an den Steinen sind noch zu sehen) und das Theater unterhalb des MONTE BARBARO. Susanne tut es Goethe gleich, der hier am 20. April 1787 weilte und schrieb: „Die Mühseligkeit, in den unscheinbaren Trümmern eines Theaters herumzusteigen, benahm uns die Lust, die Trümmer der Stadt zu besuchen.“ So erklimme ich alleine das Theater mit der fantastischen Aussicht.

Ein paar Kilometer weiter ist eine für das vereinigte Italien, wie wir es heute kennen, „unvergleichbare“ Stätte. Ein Hügel unweit des kleinen Städtchens CALATAFIMI war am 15. Mai 1860 Schauplatz des ersten Gefechts zwischen Guiseppe Garibaldi mit seinen tausend Freiwilligen, auch als Zug der Tausend („Mille“) bezeichnet, gegen viel besser ausgerüstet bourbonische Truppen. Zuerst waren die Truppen des spanischen Königs von Neapel wohl überlegen. Ein General wollte schon aufgeben, da sage Garibaldi zu ihm: „Nein, Nino, hier machen wir Italien oder wir sterben.“ Da es in den folgenden Jahren den Sizilianern unter dem vereinten Italien auch nicht besser erging, entlud sich die Staatsfeindschaft in offener Gewalt. Um Recht und Ordnung zu schaffen schickte die Regierung aus Turin, der damaligen Hauptstadt, 140 000 Soldaten zur Wiederherstellung von Recht und Ordnung. Kaum sind wir an dem Denkmal angekommen, sperrt uns ein freundlicher Mann die Türe auf und erklärt uns wort- und gestenreich die Geschichte und Ausstellungsstücke des Monuments. Wir wünschen uns wieder einmal, Italienisch sprechen zu können.

Ein Gedanke zu “Calatafimi, unvergleichliches Symbol der vereinten Nation

  1. Hallo ihr 2,
    whow!!!! Die Reise, die Eindrücke, die Bilder – ich beneide euch wirklich ganz arg!! Während hier alles grau in grau ist, dort blauer Himmel und Sonne und eine phantastische Landschaft.
    Genießt die ruhige Adventszeit aus vollem Herzen – hier ist die Zeit alles andere als besinnlich und „stad“.
    viele Grüße
    Jürgen

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