Der Liebesgöttin und den Männern zum Gefallen

Die nächsten Tage bleiben wir am GOLFO DI BONAGIO hängen. Es ist windstill, das Mittelmeer plätschert mit kleinsten Wellen gegen die felsige Küste, die Sonne scheint bei wunderbaren 200 und wir können sogar noch im angenehm warmen Wasser baden, am 4. Advent. Naja, die Italiener, eingehüllt in Daunenjacken, halten uns schon ein wenig für verrückt. Ab und an spricht uns ein Sizilianer an, viele waren ein paar Jahre als „Gastarbeiter“ in Deutschland, einer erkennt unser Autokennzeichen und berichtet von seiner Arbeit in Treuchtlingen bei den Marmorwerken. Wie klein die Welt doch ist. Vor unserer Haustür erhebt sich der MONTE ERECI, hinter uns schützt uns an den ersten Tagen der MONTE CÒFANO vor dem heftigen Nordwind. Am Wochenende gesellen sich noch vier italienische Wohnmobile zu uns. So stehen wir seit langer Zeit wieder einmal nicht alleine in dieser wunderbaren Landschaft.

Am ersten Tag machen wir einen kleinen Ausflug nach TRAPANI, dessen Altstadt auf einer weit ins Meer ragenden Landzunge liegt. Wir quälen uns durch den vielen Verkehr und folgen wieder einmal den Anweisungen unserer maps.me, die uns auf den kürzesten Weg durch furchtbar enge Gassen navigiert. Da fahren wir gleich bis zum Hafen weiter. Hier sind die Parkplätze zudem leer und kostenlos und viele Verkäufer bieten ihre Ware an: Obst, Gemüse und eine bunte Vielfalt an Fischen. Wir schlendern vergnügt durch den Markt, kaufen Käse, einen grünen 2 kg schweren Blumenkohl, an dem wir noch Tage essen, und noch so manches Obst und Gemüse.

Die Auffahrt nach ERICE finden wir nach dem zweiten Versuch, die erste Straße war zugelassen bis 2 Tonnen und fünf Meter Länge. Da ist unser Dicker doch etwas zu groß dafür. Am Parkplatz der Seilbahn will uns ein Parkwächter wild fuchtelnd von der Auffahrt  abhalten. Doch dann ist die Straße hinauf auf den 750 m hohen MONTE ERICE breit und ein Genuss zum Fahren. Immer weiter reicht der Blick über die weiten Salinen von TRAPANI, die ISOLE EGADI, den MONTE CÒFALA und den Naturpark LO ZINGARO. Durch die grauen und verwaisten Gassen spazieren wir hinauf zum CASTELLO VENERE am höchsten Punkt des mittelalterlichen Dorfs. Im Altertum war der MONT ERYX Sitz der phönikischen mittelmeerischen Muttergottheit. Die Elymerer verehrten diese Gottheit, später die Karthager ihre Astarte, die Griechen Aphrodite, die Römer Venus, alle Göttinnen der Liebe. Über die Zeiten hinweg leuchteten die Augen der Männerwelt, wenn sie den Namen Eryx hörten, wurde doch hier in all den Jahren der Liebeskult im wahrsten Sinn des Wortes praktiziert. Die Priesterinnen unterstützen die Verehrung der Sinnesfreuden mit vollem körperlichem Einsatz. Heute ist vom Tempel nichts mehr zu sehen, doch der Ort ist beliebt für Hochzeiten und Flitterwochen. Warum wohl?

Zurück finden wir eine belebte Gasse mit allerlei Geschäften und Souvenirläden. In einer Pasticeria verkauft eine alte gebückte Signora mit einem Lächeln ihre selbstgemachten zuckersüßen Dolce. Ein Weihnachtsmarkt, mit weißem modernem Christbaum, öffnet gerade seine Buden. Wir gehen noch an der CHIESA MADRE mit ihrem wehrhaften Campanile vorbei, bevor wir auf der anderen Seite des Berges wieder zurück zu unserem Platz am Meer fahren.

Nach den windstillen Tagen mit fast spiegelglattem Meer zieht der Scirocco heran und stürmt mit 60 km/h über das Wasser. Wir verziehen nun lieber hinter die niedrigen Ferienhäuser, so wird unser Dicker nur ab und zu von den Böen etwas geschüttelt.

Am Morgen ist der Himmel grau von Dunst und Sand aus der Sahara, die Sonne hat einen schweren Stand. Nach vielen schönen Tagen in dieser Ecke Siziliens zieht es uns nun doch ein Stück weiter. Wir fahren noch einmal durch das Verkehrsgewühl von TRAPANI um zu den SALINEN zu kommen, die auf einer Länge von etwa 30 Kilometern zwischen TRAPANI und MARSALA liegen. Schon seit mehr als 2000 Jahren wird hier Salz geerntet. Von den ehemals 53 Salinen arbeiten heute, nach einem Niedergang Mitte des letzten Jahrhunderts, wieder 27 Salinen. Diese produzieren mit staatlicher Unterstützung auf 800 Hektar Fläche 90 000 Tonnen Salz pro Jahr. Wir wandern durch die Salzgärten, in denen ein paar Reiher und Flamingos im seichten Wasser stehen. Direkt am Ufer der großen LAGUNA DELLO STAGNONE finden wir einen Übernachtungsplatz. Im laminaren Wind des Sciroccos flitzen Surfer und Kiter über die flache Lagune. Am späten Nachmittag, es ist immer noch 200 warm, schafft es die Sonne, den Dunst zu vertreiben. In der Nacht ist es wieder windstill und ein paar Tropfen fallen auf unseren Dicken.

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