Schnee am Etna

Das kalte Wetter und nach langer Zeit wieder ein Regentag sowie unser pflegebedürftiger Dicker halten uns in SIRACUSA fest. Im Hafen gegenüber der Halbinsel ORTIGIA stehen wir etwas windgeschützt direkt am Wasser. Nachts sinkt das Thermometer bis auf kalte 0 Grad, doch ab und zu verwöhnt uns ein wärmender Sonnenstrahl.

Nachdem unser Dicker gestern Startprobleme hatte (nette Jungs versorgten uns mit Strom), ist er heute wieder brav angesprungen. Zum Aufwärmen drehen wir eine Runde hinauf zum CASTELLO EURALIO bei BELVEDERE, Archimedes soll von hier mit seinen Spiegeln die römische Flotte in Brand gesteckt haben. Leider ist die Anlage nur an zwei halben Tagen zu besichtigen. Als wir durch die aussichtsreiche Ortschaft hinunter zum Meer fahren, sind wir überrascht, den weißen ETNA zu sehen, der hinunter bis zu seinen flachen Ausläufern mit Schnee bedeckt ist. Auch Kalabrien scheint bis zum Meer hin verschneit zu sein. Von zu Hause berichten sie, dass die Alten auf Sizilien noch keinen so strengen Winter mit so viel Schnee erlebt haben. Gottseidank sind wir im Süden der Insel davon verschont geblieben.

Der Ortsteil NEAPOLIS war das kulturelle Zentrum des alten SYRAKUS, der mächtigsten und größten Stadt der Antike. 500 000 oder sogar 1,5 Millionen Menschen sollen hier einst gelebt haben, heute sind es gerade einmal etwas über 100 000. Natürlich war auch das griechische Theater mit 15 000 Sitzplätzen das größte seiner Zeit. Die den Griechen nachfolgenden Römer, die weniger Schauspielkunst und mehr Spiele mit blutigen Kämpfen wollten, vergrößerten die Bühne. Als auch diese den Ansprüchen nicht mehr genügte, bauten sie ein gewaltiges Amphitheater für die aufwändigen Gladiatorenkämpfe. Unterhalb des griechischen Theaters liegt der riesige Steinbruch LATOMIA DEL PARADISO. Hier schufteten die Kriegsgefangenen aus dem unterlegenen Athen bis sie elend zu Grunde gingen. So ist der Name, ob alt oder neu, ein zynischer Hohn und erinnert an Arbeitslager mit der Überschrift „Arbeit macht frei“. Als Gefängnis diente die Grotte ORECCHIO DI DIONISIO, das „Ohr des Dionysios“ (die Schüler unseres Jahrgangs kennen den Tyrannen bestimmt aus Schillers Gedicht die „Bürgschaft“: Zu Dionys dem Tirannen schlich / Möros, den Dolch im Gewande, …“). 60 Meter lang und bestimmt über 10 Meter hoch ist die aus dem Fels geschlagene Höhle mit der fabelhaften Akustik. Aus unerfindlichen Gründen ist der Rest des Steinbruchs, parkähnlich ausgefüllt mit vielen Bäumen, leider nicht zugänglich.

Die Sonne, wenn sie sich kurz durch die Wolken kämpft, hat frühlingshafte Kraft. Das warme Wetter nutzen wir und fahren zum CAPO MURRO DI PORCO. Trotz der nahen Stadt ist die Küste hier fast ursprünglich. Dies liegt wohl an den scharfkantigen Klippen und den wenigen Bademöglichkeiten. Wir wandern der abwechslungsreichen Küste entlang bis zur PUNTA CASTELLUCCIO, die gegenüber der Halbinsel ORTIGIA liegt. Der immer noch weiße Kegel des ETNA erhebt sich majestätisch über der alten Stadt. Auf der Felszunge stehen ein paar Bunker, die ärmlichen Reste des „Tausendjährigen Reichs“. Die Bucht von SIRACUSA war der östlichste Landepunkt der britischen Armee.

2 Gedanken zu “Schnee am Etna

  1. Wie schön unseren letzten Urlaub mit euren tollen Bildern nochmal zu erleben 🙂 Zu uns haben die freundlichen Bauarbeiter aus Syrakus gesagt, wir könnten nicht in den Steinbruch wegen „lavori“ – wenn man immernoch nicht reinkommt, ist das wohl was Größeres ^^

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    • Das freut uns, wenn es Euch gefällt. Mit den Bauarbeiten ist es halt wie so mancherorts in Sizilien, etwas wird schön gebaut oder renoviert und dann verfällt es langsam wieder; aber das hat ja auch seinen Charme. Jedenfalls ist Sizilien ein wunderschönes Fleckchen Erde. Viele Grüße

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