Auf die Sonne folgen Wolken und Regen

Der ETNA lässt uns nicht los. Am Morgen überrascht uns, entgegen der Wettervorhersage, ein blauer Himmel. Heute nähern wir uns dem Vulkan von Osten und fahren auf breiten und fast schneefreien Straßen in Richtung ETNA-NORD. Eine Schneefräse macht zwar den Weg frei, doch ein paar Kilometer weiter ist dann Schluss, Eis und Schnee bedecken die Straße. Wir drehen lieber um und bleiben über Mittag in dieser unwirklichen Landschaft. Über den schwarzen Lavaströmen glänzen die weißen Flanken des Vulkans in der Sonne. Doch mehr und mehr ziehen die Wolken von Norden herein und schnell wird es in dieser Höhe kalt. Unter den immer tiefer sinkenden Wolken leuchtet das blaue Wasser, die braunen Fluten des FIUME ALCANTÁRA reichen weit hinaus ins Meer.

Schon wieder ist uns Petrus holt. Da für die nächsten Tage die Wetterprognosen eher durchwachsen sind, wagen wir uns heute noch einmal auf den MONGIBELLO, doch zuvor steht eine kleine Wanderung auf dem Programm. 400 kleine Vulkane umgeben den großen ETNA, einer davon ist der MONTE GORNA. Von dessen kreisrunden Kegel reicht der Blick weit über die Rebfelder und Lavaströme des Vulkans. Da sich heute die Wolken im Zaum halten, fahren wir bei wenig Wind noch einmal hinauf nach ETNA-SUD. Aus der Höhe von 1900 Meter erscheint der Berg der Berge zwar nicht mehr so mächtig und imposant wie aus weiterer Entfernung, wenn er sich über die weiten Flussebenen erhebt. Doch nun es die Sicht über die mächtigen Lavafelder, die uns begeistert. Weit unter uns liegt CATANIA. Im Jahre 1669 floss der Lavastrom bei einem gewaltigen Ausbruch bis zum Meer, 20 000 Menschen kamen dabei uns Leben. Das normannische Kastell der Stadt, welches ursprünglich am Meer lag, ist seitdem 500 Meter davon entfernt. Wir mögen uns gar nicht vorstellen, welche Katastrophe ein solcher Ausbruch heute verursachen würde.

Die Nacht verbringen wir in ACI TREZZA an der RIVIERA DEI CICLOPI, der Zyklopenküste. 70 m hohe Klippentürme ragen aus dem blauen Meer. Wer brachte die Felsen hierher? War es der ETNA oder der Zyklop Polyphem? Odysseus und seine Kumpane kamen in die Gewalt dieses Ungetüms. Mit einem Pfahl stießen sie in das eine Auge aus und konnten fliehen. Nachdem der griechische Held wohl behalten auf seinem Schiff ankam, verhöhnte er Polyphem aus vermeintlich sicherer Entfernung. Doch der nun blinde Zyklop schleuderte mit seinen gigantischen Kräften riesige Felstrümmer auf die Fliehenden und verfehlte sie nur knapp.

Während zu Hause ein Hochdruckgebiet Sonne und Kälte bringt, schaufelt bei uns der Südwind feuchte Luft heran und sorgt für Wärme, Sturm, grauen Himmel und immer mehr Regen. Nur für kurze Augenblicke blitzt die Sonne durch die dicken Wolken und lässt das braune, grüne und blaue Wasser leuchten. Der ETNA versteckt sich hinter tief hängenden schwarzen Wolken, oben schneit es bestimmt ausgiebig. Ein Glück, dass wir das sonnige Wetter der letzten Tage noch einmal für eine Auffahrt nutzten. Jetzt sind die Straßen vermutlich wieder tief verschneit und selbst mit Schneeketten in den nächsten Tagen nicht zu befahren. Wir genießen die grauen Tagen am unruhigen und tosenden Meer bei FIUMEFREDDO, lesen und verfolgen Daumen drückend den Liveticker für Biathlon und Handball. Auch ohne Fernsehen ist es spannend, mit unseren Sportlern zu fiebern.

6 Gedanken zu “Auf die Sonne folgen Wolken und Regen

  1. 22.01.2017 (19:00)

    Danke für Euren neuen Bericht aus dem offenbar doch noch etwas wärmeren europäischen Süden! Die Fotos mit dem Kontrast zwischen schneebedeckter Landschaft und dem blauen, aber offenbar stürmischen Mittelmeer isind wieder wunderbar – es macht Freude, sie anzusehen!
    Ich wünsche Euch noch einen schönen, hoffentlich gemütlich warmen Abend in Eurem „Dicken“!
    Weiterhin alles Gute!
    Herzlichst
    Reinhart mit Gisi

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    • Hallo Manni, dann wird es aber Zeit für einen Besuch 😉 Schnee liegt auf dem Etna gut ein halbes Jahr, ist er doch immerhin ca. 3350 Meter hoch, es gibt sogar zwei Lifte. Glück hatten wir jedoch, dass lange Zeit wenige Wolken da waren. Jetzt schneit es aktuell wieder am Berg der Berge. Bin gespannt wie er aussieht, nachdem sich das Tief und die Wolkenverzogen haben.

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  2. Schöne Bilder:
    schneebedeckte Berge, aufgewühltes Mittelmeer, Lavagestein, sprudelnde Bäche,
    Wolkenformationen….. Bald am Wendepunkt der Reise?
    Auf weitere Berichte freuen sich
    Ute und Horst

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