Wenn bei Capri die rote Sonne im Meer versinkt

Ein paar Tage beherrschen die grauen Wolken noch den Himmel, nur ab und zu zaubern ein paar Sonnenstrahlen silberne Streifen auf das Meer. Aber es bleibt mit 150 wunderbar warm und trocken.  Wir fahren der aussichtsreichen Steilküste hoch über dem Wasser entlang, erklimmen den ein oder anderen Hügel zu Fuß und wagen kurze Abstecher ins Hinterland des CILENTO. Doch angesichts des vielen Schnees auf den Bergen und den kühlen Nachttemperaturen zieht es uns abends immer wieder ans Meer.

In VELIA tauchen wir wieder in die griechische und römische Geschichte ein. Um 540 v. Chr. gründeten Griechen die von ihnen ELIA genannte Stadt. Sie waren Flüchtlinge ihrer Zeit. Von den Persern aus ihrer Heimat vertrieben landeten sie zuerst auf Korsika. Hier vertrieben sie die Etrusker und Karthager, bis sie schließlich in der Magna Graecia in Italien landeten.  Später übernahmen natürlich die Römer die Herrschaft über die Stadt mit ihren 40 000 Einwohnern, die hier verdiente Kriegsveteranen ansiedelten. Heute streifen wir durch die römischen Reste der Villen und Thermen, über eine breite antike Straße erreichen wir das monumentale PORTA ROSA, auf dem Hügel wacht neben dem Theater ein mittelalterliches Kastell über die Stadt. Die Wärter sperren uns die kleinen Ausstellungsräume auf, in denen auch eine Büste des jungen Cäesars zu sehen ist. Zwischen den alten Steinen blühen gelb die Mimosen und blau der Rosmarin, Bienen sammeln laut brummend Nektar.

Am nächsten Tag scheint die Sonne von einem strahlend blauen Himmel, kaum eine Wolke zeigt sich am Himmel. Wir kommen nicht weit und bleiben an einem kleinen Park bei OGLISASTRO MARINA hängen. Mangels Fernsehers verfolgen wir die Biathlon-Weltmeisterschaft am Liveticker und freuen uns über den knappen und überraschenden Sieg von Benedikt Doll.

Schon wieder steht eine imposante Sehenswürdigkeit auf dem Programm, die imposanten Ruinen von PAESTUM mit den drei gut erhalten Tempeln. Susanne war schon vor einigen Jahren hier und turnte mit Anna Lena  am Abend auf den Ruinen herum; damals gab es noch keinen Zaun um das große Gelände und der Eintritt frei. Wir sind bereit kurz nach acht Uhr die ersten Besucher und können noch ungestört von den sonntäglichen Ausflüglern durch die Ausgrabungsstätte spazieren. Immer wieder staunen wir über die Anmut dieser antiken Ruinen, wie kläglich stehen dagegen die Überreste der verlassenen Häuser und geschlossenen Fabriken aus unserer Zeit in der Gegend. Die lebensfrohe Stadt SYBARIS, von der heute ja nichts mehr zu sehen ist, da sie unter metertiefen Schlammmassen begraben liegt, gründete POSEIDONIA im 7. Jh. v. Chr. Natürlich nahmen die Römer die Siedlung ein und nannten sie PAESTUM. Überschwemmungen, Malaria und Sarazenen machten den Einwohner das Leben schwer. So verließen sie die Stadt, flohen ins Gebirge und gründeten das nahe gelegene CAPACCIO. Die einst prächtige Stadt wurde von sumpfigen Dickicht eingehüllt und vergessen. Erst 1745 wurde sie beim Bau einer Straße wieder entdeckt.

Nach dem Bummel durch die antiken Steine fahren wir ein paar Höhenmeter hinauf zum SANTUARIO MARIANO DIOCESANO DELLA MADONNA DEL GRANATO. Weit reicht hier der Blick über die fruchtbare Ebene. Am Horizont erheben sich die Berge der Halbinsel AMALFIATA, links daneben lässt sich CAPRI im Dunst gerade noch erahnen. Am nächsten Tag machen wir einen kleinen Abstecher ins Landesinnere. Da schon wieder eine Straße wegen einem Erdrutsch gesperrt ist, machen wir einen großen Bogen um die GROTTE DI CASTELCIVITA zu erreichen, die dann aber noch im Winterschlaf liegt und geschlossen ist. Wir kurven weiter durch große Olivenhaine über die Hügel der malerischen Landschaft. Schließlich kommen wir nach MATINELLE, das für seinen Büffelkäse bekannt ist. In der CASEIFICIO LA BUFALAT bietet uns die freundliche Verkäuferin erst einmal eine Kostprobe ihres wunderbar schmeckten Mozzarella an. Begeistert kaufen wir ein. Dann entdecken wir zufällig auch noch eine Gasfüllstation. Preisgünstig ist unsere fast leere Flasche wieder aufgefüllt, Susanne kann wieder ausgiebig kochen.  Zufrieden mit unsern Erledigungen fahren wir zum weiten Strand bei der Ortschaft LAURA und genießen die frühlingshafte Wärme. Das Wasser hat gerade noch 130. Wie auf Bestellung versinkt die rote Sonne stimmungsvoll  im Meer, doch das nahe CAPRI lässt sich nicht blicken. Da verzichten wir eben auch etwas beleidigt auf den Gesang.

2 Gedanken zu “Wenn bei Capri die rote Sonne im Meer versinkt

  1. 15. Februar 2017: Vielen Dank für Euren Bericht und vor allem auch für die immer wieder sehr schönen Fotos!! Mit der auf dem Foto zu sehenden Biene seid Ihr ja offenbar auch schon dem Frühling auf der Spur!
    Es macht mir viel Freude, Euch auf Eurer Fahrt auf diese Weise ein wenig begleiten zu können. Weiterhin alles Gute!
    Reinhart

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