Warten auf einen sonnigen Rombummel

Alle Wege führen bekanntlich nach ROM, auch unserer bringt uns über die ALBANER BERGE in die Nähe der ewigen Stadt. Doch erst einmal besuchen wir NEMI am gleichnamigen kreisrunden Kratersee. Dies vor allem wegen der allseits bekannten Walderdbeertörtchen und der Metzgerei mit der hervorragenden Porchetta (ein mit Innereien und Gewürzen gefülltes Spanferkel) und den unzähligen unterschiedlichen Würsten, die verführerisch riechend von der Decke hängen. Am LAGO ALBANO mit Blick auf CASTEL GANDOLFO, der ehemalige Sommerresidenz des Papstes, legen wir eine letzte Rast ein, bevor wir uns in die Großstadt wagen.

Das Tief Thomas, das nun ganz Europa eingenommen hat, ist nun auch bei uns angekommen und bringt neben Regen und Sturm Saharasand, der unseren Dicken eine braune Kruste verleiht. Der Wind hat über Nacht zugelegt und der Himmel zeigt sich einförmig grau. Nachdem wir gerne Sonne bei unserem Bummel durch ROM hätten, legen wir eine Warteschleife ein und besuchen die geheimnisvolle Unterwelt aus frühchristlicher Zeit. Von den mehr als 60 unterirdischen Grabstätten der alten Stadt sind die CALIXTUS-KATAKOMBEN einer der größten. Unter dem 15 ha großen Park befinden sich rund 500 000 Gräber, verteilt auf fünf Ebenen, die Gänge haben eine Länge von zwanzig Kilometern. Ab dem 2. Jahrhundert bestatten die Christen hier ihre Toten bis zum 5. Jahrhundert. Märtyrer, Päpste, Reiche und Arme fanden hier ihre letzte Ruhestätte. So wurden sie schnell zu Stätten der Heiligenverehrung, in denen auch Gottesdienste stattfanden, geheime Verstecke waren sie nie. Da wir eine der ersten Besucher an diesem regnerischen Tages sind, bekommen wir eine exklusive Führung durch die Unterwelt, dazu noch in Deutsch.

Ein paar Schritte sind es bis zu den FOSSE ARDEATINE mit dem Mahnmal für die 355 mehrheitlich politischen Gefangenen, die im März 1944 als „Sühnemaßnahme“ für das Attentat einer italienischen Widerstandsgruppe in den Höhlen erschossen wurden. Bei dem Anschlag kamen 33 Angehörige eines Südtiroler Ordnungspolizeiregiments und zwei Italiener ums Leben. Als „Repressalquote“ legten die deutschen Besatzer zehn Geiseln auf einen getöten Soldaten fest. Aus den nach der Erschießung gesprengten Höhlen barg man die Toten und bestattete sie in einem Mausoleum. So wurden die meist einfachen Leute zu Nationalhelden gemacht, die sie im Leben bestimmt nicht sein wollten. Die beteiligten Täter wurden zwar fast alle verurteilt, die meisten waren 1952 jedoch schon wieder in Freiheit. Ein SS-Hauptsturmführer wurde in die „Organisation Gehlen“, dem späteren Bundesnachrichtendienst, übernommen. Eine Gruppe junger italienischer Polizisten besucht die Gedenkstätte und das kleine Museum des italienischen Widerstands. Wieder zurück in ihren Bussen vertiefen sich alle Ordnungshüter sofort in ihre Smartphones.

Über die Schnellstraße schiebt uns der lebhafte Verkehr hinaus in das alte OSTIA ANTICA, der Hafenstadt des antiken Roms an der Mündung des TIBER. Aus der Blütezeit der Stadt im 2. Jahrhundert stammen die meisten der erhaltenen Gebäude, zu dieser Zeit lebten hier etwa 50 000 Einwohner. Mit dem Niedergang ROMS, in der zeitweise nur noch 15 000 Menschen lebten, verlor der Hafen ebenfalls an Bedeutung und der Ort versank in Malariasümpfen. In den Resten der Thermen und Häuser sind einige Mosaike erhalten, über manche wächst schon wieder das Gras. Überall stehen kunstvoll gearbeitete Säulen und Skulpturen.

Nachdem Petrus uns immer noch nicht holt ist, zu Hause scheint die Sonne, warten wir einen weiteren grauen und regnerischen Tag an der Promenade von LIDO DI OSTIA auf die Sonne und unseren Rombummel. Die Uferfront ist gesichtslos und eintönig, so wie die gesamte  Mittelmeerküste von LA SPEZIA bis NETTUNO. Schnell und billig gebaut entstanden die Häuser wohl in den 60er Jahren. Morgen geht es nach ROM.

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