Wieder quer über den Stiefel

Wie auf einer Perlenschnur aufgereiht liegen einige fast kreisrunde Kraterseen in dem nicht mehr aktiven vulkanischen Gebiet nördlich von ROM. Die erste Rast legen wir am LAGO DI BRACCIANO ein und genießen nach dem Trubel die paradiesische Ruhe an dem weiten schwarzen Strand. Der See diente zwischen 1937 und 1940 den Wasserflugzeugen der britischen Fluglinie Imperial Airways als Zwischenstopp auf dem Weg von Großbritannien in die afrikanischen Kolonien.

Dann ist wieder etwas Kultur angesagt. SUTRI haben wir auf dem Weg nach Süden schon einige Mal durchfahren, heute nehmen wir uns etwas Zeit und besuchen die Sehenswürdigkeiten der alten Siedlung. Schon entlang der Straße sind die Höhlen der 64 Etruskergräber in der Tuffwand zu sehen. Eine Besonderheit ist das römische Amphitheater, welches vollständig aus dem anstehenden Tuffstein geschlagen wurde. 9 000 Personen hatten hier Platz und konnten gebannt zusehen, wie aus zehn Öffnungen die wilden Tiere auf die Kämpfer und Verurteilten gehetzt wurden.

Den LAGO DI VICO soll nach einer Sage der griechische Held Herakles geschaffen haben, der sich anscheinend auch gerne in Italien aufhielt und schon einige Male unseren Weg kreutzte. Zum Beweis seiner göttlichen Kraft schlug er mit seiner Keule in den Boden, woraufhin eine riesige Fontäne das Loch überschwemmte. Um später den Wasserspiegel zwanzig Meter abzusenken, bauten die Etrusker, es könnten auch die Römer gewesen sein, einen Tunnel. So schufen sie wieder Platz für Ackerbau und  Viehzucht.

Der LAGO DI BOLSENA ist der größte der Seen mit einer Tiefe von bis zu 150 Metern. Rein rechnerische braucht er 120 Jahre, um sein Wasser vollständig auszutauschen. Dennoch ist das Wasser glasklar, aber jetzt leider viel zu kalt für ein Bad. Alle diese Seen sind Zeugen der ehemals vulkanischen Tätigkeit, die etwa vor 600 000 Jahren begann und vor 100 000 Jahren endete. Nach dem Einsturz der in vier Kilometern Tiefe liegenden leeren Magmakammern füllten sich die Krater mit Grund- und Regenwasser. Am LAGO DI BOLSENA bleiben wir ein paar Tage hängen und genießen den aufkommenden Frühling, die ersten Amseln geben ihr Konzert, die Weiden zeigen das erste zarte Grün und die Blüten der Mimosen leuchten gelb in der Sonne. Allerdings sinkt die Temperatur nachts fast auf den Gefrierpunkt.

Als wir den LAGO DI BOLSENA verlassen, ziehen Nebelschwaden über das Wasser und hüllen uns schnell ein. Über der Burg von BOLSENA stehen wir schon wieder in der Sonne, unter uns verbirgt eine leuchtend weiße Wolkendecke den See. Auf bekannten Wegen erreichen wir ORVIETO, die alte Stadt der Etrusker, welche malerisch im Morgendunst auf dem Lavastumpf eines ehemaligen Vulkans liegt. Wir schlendern durch die engen und finsteren Gassen zum schwarzweiß gestreiften Dom. Eine Schar asiatischer Nonnen bricht gerade zur Besichtigung des Gotteshauses auf, eine bewacht derweilen, vertieft in ihr Smartphone, die Koffer. Die Führerin gebietet der plappernden Mädchenschar mit dem Zeigefinger auf den Lippen Stille vor dem Betreten des Doms.

Am Ufer des LAGO DI CORBARA, einem vom TIBER gespeisten Stausee, halten wir Siesta und verfolgen unsere Biathletinnen beim Sprintwettbewerb in Südkorea. Zu Füßen von TODI finden wir bei dem Meisterwerk der Renaissance, dem TEMPIO DI SANTA DELLA CONSOLAZIONE, einen mit Zypressen bestandenen Parkplatz. Spontan beschließen wir zu bleiben und drehen eine Runde durch die „ideale“ Stadt. Dies hat zumindest ein Professor der University of Kentucky Anfang der 1990er Jahre per Computer festgestellt und sie demzufolge zur nachhaltigsten Stadt der Welt erklärt. Das verschlafene TODI wurde über Nacht in aller Welt bekannt und die Immobilienpreise und die Mieten explodierten zum Leidwesen der Einwohner. Mittlerweile ist wieder Ruhe eingekehrt, nur die Schüler lärmen freudig auf den weiten Plätzen.

Die kleine Ortschaft TORGIANO beherbergt in alten Gemäuern ein Wein- und ein Ölmuseum. Beide gefallen uns ausgesprochen gut, zeigen sie doch eine breite Palette von Exponaten rund um diese beiden Köstlichkeiten. Im Eintrittspreis inbegriffen ist eine Weinprobe, die wir selbstverständlich nutzen. Die nette Dame, mit der wir schnell ins Gespräch kommen, serviert uns einen roten und einen weißen Wein. Um zuhause genussreich in Erinnerungen schwelgen zu können, füllen wir sogleich unsere Vorräte auf.

Über die neue Schnellstraße kommen wir zügig nach SIGILLO am Fuße des MONTE CUCCO. Ende September letzten Jahres waren wir für ein paar Tage hier, seitdem ist fast ein halbes Jahr vergangen. Für die Nacht sind Sturmböen bis zu 70 km/h angesagt, so suchen wir uns vorsorglich ein windgeschütztes Fleckchen, bleiben aber erst einmal am Landeplatz der Gleitschirmflieger stehen. Die Wolken stützen sich mittlerweile auf den umliegenden Hügeln auf, ab und an regnet es heftig.

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