2. Tag: vom Säuling zum Schlagsteinsattel

Eine strahlende Sonne weckt uns. Über Nacht hat der Föhn den Himmel leer gefegt, der sich nun im strahlenden Blau präsentiert. Über einen steilen, stellenweise mit Ketten gesicherten, Weg erreichen wir das SÄULINGHAUS, eine Hütte des Touristenvereins „Die Naturfreunde“. Die Übernachtungsgäste sind gerade beim Frühstück, so bekommen wir zumindest einen heißen Pulverkaffee. Das Wasser hier ist knapp und wird aus einer 300 Meter tiefer gelegenen Quelle hoch gepumpt. Jede Flasche Bier muss erst mit dem Auto auf 1 400 m gebracht werden, bevor sie die letzten Höhenmeter in einem Materiallift zur Hütte schwebt. Zur Bewirtschaftung gehört schon viel Enthusiasmus.

Der Weg führt uns rund um den SÄULING, am Fuße der zerklüfteten steilen Wände entlang. Riesige Fichten spenden Schatten, immer wieder fällt der Blick auf die TANNHEIMER BERGE und ins Alpenvorland, ALPSEE und FORGGENSEE liegen tief unter uns. Im ständigen Auf und Ab umrunden wir auf schmalen Steigen den PILGERSCHROFEN. Nach der Weggabelung zum SÄULING ist der Weg kaum noch zu erkennen, er ist wohl wenig begangen. Den ganzen Tag hinweg begegnet uns kein einziger Wanderer mehr.

Der ZUNDERKOPF ist heute unser einziger Gipfel. Von hier aus gesehen macht der SÄULING eine ganz andere Figur als aus dem Flachland, die markante Grasflanke  fehlt. Wenn wir die steilen Gipfelfelsen sehen, können wir kaum glauben, gestern Abend dort oben standen zu haben.

Voller Vorfreude auf eine deftige Mahlzeit erreichen wir die KOFELALPE, ein Hütte des Alpenvereins. Der Tisch ist schon gedeckt, der Suppentopf dampft und die Rühreier duften verführerisch, leider nur für die Sennerin und nicht für uns Gäste. Etwas enttäuscht suchen wir unter einer riesigen Tanne den Schatten und nagen an unseren Müsliriegeln. Der Blick auf die mächtige ZUGSPITZE, ihr zu Füßen der PLANSEE, stimmt uns schon wieder etwas versöhnlicher; ein schönes Fleckchen Erde ist das hier. Dann stehen wir mit den Kühen am Brunnen an, um unsere Flaschen mit frischem Quellwasser zu füllen.

Die Sennerin hat uns den weiteren Weg zum KREUZKOPF, unserem nächsten Aussichtsberg, gezeigt. Doch erst geht es einmal steil hinunter zur BÄCHHÜTTE und von da ebenso so steil hinauf zum SCHLAGSTEINSATTEL. Hier schlagen wir unser kleines Zelt auf, legen uns in die warme Wiese unter einen immer noch strahlend blauen Himmel und diskutieren und philosophieren über Gott und die Welt. Unverhofft fallen erste Regentropfen. Schnell ziehen schwarze Wolken aus Westen heran, schon blitzt und donnert es. Kaum sind wir im Zelt, prasselt heftiger Regen auf uns, Windböen zerren an unserer Behausung. Wenn jetzt nur nicht das Überzelt wegfliegt. Doch das kleine Zelt hält den Unbillen des Wetters tapfer stand. Nach einer gefühlten kleinen Ewigkeit legt sich der Sturm, ab und zu fallen noch ein paar Regentropfen und wir in den Schlaf. Die nächsten Tage über sprechen uns Wanderer und Hüttenwirte immer wieder auf dieses Unwetter an.

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