In Kraotien angekommen

Das Tiefdruckgebiet ist mächtig, überzieht halb Europa und beschert uns einen grauen Himmel mit heftigen Dauerregen. Die Engländer würden sagen, es regnet: „Cats and dogs“. Eine gute Gelegenheit, etwas für die Bildung zu tun. Wir besuchen das Museum von KOBARID, das sich den Schlachten des 1. Weltkriegs an der SOĈA widmet. Der Europarat zeichnete das gut besuchte Museum 1993 als „Europäisches Museum des Jahres“ aus. Viele Bilder zeigen das unvorstellbare Leiden der Soldaten in dem furchtbaren Stellungskrieg zwischen den italienischen und österreich-ungarischen Armeen. Am eindrucksvollsten für uns sind die Tagebuchaufzeichnungen, die bei aller Feindschaft auch von Menschlichkeit zwischen den Gegner berichten. Über 888 Tage und 12 Schlachten hinweg starben unzählige Menschen, die militärischen Erfolge waren letztendlich gering. Und dieses grausame Geschehen liegt nicht einmal 100 Jahre zurück. An Ernest Hemingway, der zeitweise in KOBARID lebte, wird mit einem Bild erinnert. Der spätere Nobelpreisträger meldete sich als 19-jähriger freiwillig als Sanitäter zur italienischen Armee, noch bevor die USA in den Krieg eintrat. In späteren Jahren schrieb er seine Erinnerungen in dem Roman „In einem anderen Land“ nieder.

Der Regen will nicht aufhören. Bei einem kurzen Spaziergang hinauf den Berg KOBALA legt er zwar eine kurze Ruhepause ein, die zwei niederländische Gleitschirmflieger sogar zu einem kurzen Flug nutzen, doch nachts prasselt der Regen schon wieder, begleitet von Blitz und Donner, auf unseren Dicken nieder. Morgens umhüllen Wolken die Berge wie Wattebäusche. Auch in den nächsten Tagen soll es heftig regnen, die Sonne wird sich erst wieder am Mittwoch sehen lassen. Da wir keine Lust haben, drei Tage wartend in grauer Stimmung zu verbringen, fahren wir zügig nach Süden weiter.

Die Straße führt uns weiter der SOČA entlang. Jetzt zähmen sie Stauwerke, so dass der ehemals wild dahin fließende Fluss gemächlich in dem viel zu engen Bett liegt. Die Regenfluten färben ihn zudem meist braun, die türkisfarbene und ungezähmte Schönheit ist dahin. Wir halten kurz im beschaulichen Örtchen KANAL und fahren für die Mittagsrast hinauf zur Kirche SVETA GORA, deren Parkplatz von den sonntäglichen Kirchengängern gut gefüllt ist. Für einen schnellen Café machen wir einen kurzen Abstecher nach ITALIEN in die Grenzstadt GORITZA. Mit etwas eingetrübter Stimmung erreichen wir die Burg GRAD SOCERB. Der Himmel ist zwar nach wie vor grau, doch es regnet zumindest nicht mehr. Uns zu Füßen liegen das slowenischen KOBER und das italienische TRIEST. Schon bald leuchten unter dem dunklen Himmel die ersten Lichter auf. Am nächsten Morgen schälen sich die beiden Städte nur mühsam aus den Wolken- und Regenschleiern.

Wir fahren in vielen Schleifen vom Karst hinunter ans Mittelmeer, streifen noch einmal für ein paar Kilometer ITALIEN, und erreichen einen einsamen, von uninteressierten und gelangweilten slowenischen Polizisten besetzten, Grenzposten. Viel zu schnell haben wir SLOWENIEN verlassen und fahren nach KROATIEN hinein. Jetzt sind wir auch schon im berüchtigten BALKAN.

Über eine Hügelkette kommend, sehen wir die Insel KRK, umkränzt von einem Wolkenschleier, aus dem Meer steigen. Da es weiter regnet und die Küste arg verbaut ist, fahren wir zügig weiter. Immer wieder schieben sich graubraune Fluten der Flüsse in das blaue Meer. OPATIJA und RIJEKA durchqueren wir, bevor wir in dem kleinen Ort BAKAR im strömenden Regen unsere Mittagssiesta halten. Müde und auch etwas gefrustet von der Regenfahrt, bleiben wir an der Burg von DRIVENIK für den Rest des Tages und die Nacht stehen. Spaghetti Bolognese und ein guter Rotwein heben die Stimmung jedoch wieder schlagartig.

2 Gedanken zu “In Kraotien angekommen

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