Ein erster Abstecher nach Bosnien und Herzegowina

So nah an der Grenze, machen wir einen ersten kurzen Abstecher nach BOSNIEN UND HERZEGOWINA, mittlerweile schon das sechste Land unserer noch kurzen Reise. Ganz ungewöhnlich für uns sind die gesicherten und besetzten Grenzen: Polizeikontrolle bei der Ausreise aus KROATIEN, Polizei- und Zollkontrolle bei der Einreise nach BOSNIEN UND HERZEGOWINA. Zudem gibt es eine eigene Währung: die Konvertible Mark. Den ersten Stopp legen wir in RIPAČ ein. Eine Gedenktafel vor einer Moschee für vierzig moslemische Opfer des Krieges in den 90er Jahren macht uns betroffen. Die Nachwirkungen dieses Krieges sind noch überall zu sehen: viele Gräber aus dieser Zeit, Ruinen und wieder bewohnte Häuser mit den Einschusslöchern der Granaten, Minenwarnschilder neben der Straße.

Bei DUBOSKO biegen wir von der Hauptstraße ab und fahren auf immer holprig werdender Straße der UNA entlang in das gleichnamige Naturschutzgebiet. Der Fluss liegt träge in seinem Bett, aufgestaut durch die Barriere der Wasserfälle STRBAČKI BUK. Wieder zurück am Eingang des Parks, erlaubt uns der gut deutsch sprechende Parkwärter, gleich hier zu übernachten. Das Angebot nehmen wir freudig an und vertrödeln hier bei schönstem Sonnenschein gemütlich den restlichen Tag.

Am Morgen ist die herrlich blaue UNA unter einem grauen Himmel ganz grün. Wir holpern die Straße zurück und bleiben noch eine Weile in BOSNIEN UND HERZEGOWINA und an der UNA. Plötzlich geht die gute zweispurige Straße unvermittelt in einen löchrigen Feldweg über, das kann ja heiter werden. Doch ein paar Kilometer weiter bei MARTIN BROD bekommt unser Dicker wieder festen zweispurigen Boden unter seine Räder. Bis auf wenige verstreute Häuser gibt es hier nur Landschaft, fast endlos zieht sich die Straße bis zum Horizont. In einem weiten Talkessel liegt DRVAR. Hier versteckte sich der Partisanenführer TITO vor den Deutschen. Diese wollten ihn mit der Militäroperation „Rösselsprung“ gefangen nehmen oder töten. Am 25. Mai 1944 landeten Fallschirmjäger. Zusammen mit einem Gebirgskorps konnte zwar die Stadt eingenommen werden, doch TITO entwischte und die Russen flogen ihn ins sichere italienische Bari aus.

Die Landschaft wird jetzt offener, einzelne große Schafherden ziehen über die braunen Weiden. An der Grenze macht mich eine freundliche und gut deutsch sprechende bosnische Polizistin, sie war zwischen 1993 und 1998 in Berlin, aufmerksam, dass in KROATIEN das barfußfahren verboten ist. Kurz hinter GRAČAC finden wir an einem Stausee einen ruhigen Platz für die Nacht.


Heute schiebt der warme Südwind die Wolken schnell über den Himmel. Auf der Fahrt zurück an die Küste, wird die Landschaft wird immer karger. Nur noch wenige Büsche und kleine Bäume wachsen zwischen den schroffen Steinen. Viele davon sind zudem in der Sommerhitze verdorrt oder einem Feuer zum Opfer gefallen. Die engen Schluchten oder weiten Täler dagegen sind grüne Oasen, in der ZRMANJA können wir sogar in erfrischend kaltem Wasser baden. Gegen Mittag erreichen wir das kleine Feriendorf ROVANJSKA an einen weißen felsigen Strand. Das glasklare Wasser lädt zum ersten Bad im Meer ein. Dann steuern wir auf die INSEL PAG zu, deren Kargheit unwirklich und zugleich faszinierend wirkt. Gleich hinter der Bogenbrücke, die das Festland mit der sechzig Kilometer langen Insel verbindet, biegen wir zur Burgruine MOST FORTICA ab und verstecken uns hinter dem Burgfelsen vor dem immer stärker werdenden Südwind. Langsam zieht von Westen eine Gewitterfront heran. Blitze zucken und die Donner grollen lange in den hohen Bergen des Festlandes. Ein kurzer Regenschauer, ein wunderschöner Regenbogen und die Sonne scheint wieder.

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