Auf den Spuren des Volkshelden Skanderbeg

Der Ort LEZHA steht ganz im Zeichen Skanderbegs. Die heute noch verehrte Integrationsfigur Albaniens wurde als Fürstengeisel von den Osmanen ausgebildet. Doch er desertierte und vereinte in LEZHA am 2. März 1444 die albanischen Fürsten unter seiner Führung gegen die Osmanen, was letztendlich nicht erfolgreich war. Enver Hoxha gab den Auftrag, die Grabstätte zu suchen. Schließlich „fand“ man sie in der Ruine der Kirche des Hl. Nikolaus und eröffnete zum 500. Todestags des Nationalhelden im Jahre 1966 das eigenwillige SKADNERBEG-MEMORIAL.

Wieder zurück am Meer, besichtigen wir ein Kuriosum aus der kommunistischen Zeit, die BUNKER VON TALA. Es sind sechs von insgesamt 650 000 Bunkern (weitere 100 000 waren geplant), die das abgeschottete Land vor ihren Feinden schützen sollte. Die politische Regierung isolierte das Land in den 70er Jahren vollständig und befürchtete tagtäglich einen Überfall kommunistischer und kapitalistischer Staaten.

Da wir nicht wieder wie letzte Nacht stechende Plagegeister um uns haben wollen, fahren wir hinauf zur Wallfahrtskirche von LAÇ, die dem Heiligen Antonius geweiht ist. Jedes Jahr am 13. Juni versammeln sich hier oben Tausende von Gläubigen um eine Gebetsnacht zu halten. Das kommunistische atheistische Regime unterband die Wallfahrt, indem sie die Gedenkstätte einfach zum militärischen Sperrgebiet erklärte.

Wir verlassen den heiligen kirchlichen Ort und besuchen den weltlichen Heiligenschrein des albanischen Traditionsverständnisses, KURJA. Die Stadt mit ihren Enva Hoxha-Wohnblöcken liegt vor einer mächtigen Felswand. Wir nehmen den Roller und fahren durch den Ort hinauf zum Aussichtsbalkon MALI I KRUJES. Die Ebene liegt im Dunst und unter schwarzen Rauchwolken, die von brennenden Reifen aus der Kalk-Kleinproduktion stammen. Wieder zurück in der Stadt schlendern wir durch den arg auf alt getrimmten „alten“ Basar. Der albanische Adler prangt von allerlei Souvenirs, Mutter Theresa steht über Enva Hoxha und Mao lächelt zwischen Lenin und Stalin. Darüber thront die Festung, Skanderbegs Hauptsitz. Hier trotzte er den Angriffen der mächtigen osmanischen Heere. Grund genug, an dieser Stelle dem verehrten Helden ein Museum zu erbauen, das die Tochter Enva Hoxhas entwarf.

Wir schrauben uns über die kurvenreiche Straße hinunter in die weite Ebene. Der Weg zu unserem Tagesziel führt durch arg verbaute Landschaft und zieht sich etwas. Doch Ende des Weges belohnt uns das landschaftlich schöne KAP RODON mit einem romantischen Stellplatz und zwei Sehenswürdigkeiten. Zum einen die romanisch-gotische Kirche SANKT ANTONIUS, gestiftet von der Schwester Skanderbegs und heute ein beliebter Platz für Brautpaare. Zum anderen eine kleine aber wichtige Festung des Helden selbst. Hier erhielt er aus Italien seinen Waffennachschub, aber letztendlich zu wenig Unterstützung, um die Osmanen endgültig zu schlagen. Übrigens hat zur Erhaltung der beiden Denkmäler das deutsche Auswärtige Amt seinen Geldsäckel aufgemacht. Und Envar Hoxha hat auch einige Bunker platzieren können.

Gestern Nacht besuchten uns noch zwei Polizisten. „No problem. Speak your Italien? My son lives in Hannover.“ Sie waren einfach ein wenig neugierig. Dann setzt der Nordwind ein, brachte erst Regen und dann im Laufe des Vormittags einen blitzblanken blauen Himmel. Wir schlängeln uns die hügelige Straße zurück, heute mit klarer Sicht auf die Berge mit ihren schneeweißen Kuppen.

Wie ein Riegel schieben sich die beiden Städte TIRANA und DURRËS in die Ebene. Wir entscheiden uns gegen die Hauptstadt und für die Hafenstadt und sind freudig überrascht. DURRËS ist eine lebendige Stadt. Zwar gibt es abgesehen vom riesigen Amphitheater und einigen Mauerresten keine alten Bauten, doch das Neue hat durchaus seinen Charme. Wir schleichen durch den morgendlichen Verkehr und drehen eine kleine Stadtrunde.

Inmitten weiter Felder liegt ein fast völlig erhaltenes Mauerviereck, die imposanten Reste der FESTUNG BASHTOVA. Sie sollte die Anlege- und Werftplätze an der Mündung des SHKUMBIN der Venezianer decken.

Die weitere Fahrt führt uns durch allerlei Gemüsefelder: Tomaten, Zucchini, riesige Krautköpfe, Paprika, Gelbe Rüben und noch manch andere nicht identifizierte Sorte warten auf die Ernte. Einige von Eseln oder Pferden gezogene Karren, hoch beladen, kommen uns entgegen. Dann klettern wir hinauf auf den höchsten Punkt der Hügelkette, zum KLOSTER ARDENICA. Schon in der Antike stand hier vermutlich ein Artemistempel, der dem Ort den Namen gab. 1967 rettete ein Bischof das Kloster, das einzig alte in Albanien, vor der atheistischen Zerstörungswut. Er erklärte den jungen Kommunisten, sie würden nicht nur ein religiöses, sondern auch ein historisches Denkmal zerstören und behauptete, dass der Nationalheld Skanderbeg hier im Mai 1451 geheiratet hat. Dennoch nutzte das Militär das Kloster als Unterkunft. Nachdem es ein paar Jahre als Hotel diente, erhielt die Albanische Orthodoxe Kirche es im Jahre 1996 wieder zurück.

3 Gedanken zu “Auf den Spuren des Volkshelden Skanderbeg

  1. Ich verfolge eure Reise von Anfang an. Bin total begeistert – tolle Landschaften, gerade in Regionen, die für uns „30-Tage-Urlaub-Menschen“ nicht unbedingt ganz oben auf der „To-do-Liste“ stehen. Wünsche euch noch viele Eindrücke und „kumd gsund widder ham“.

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    • Danke Jürgen. Ja das stimmt, wenn man mehr Zeit hat, rücken manche Ziele näher. Albanien gefällt uns, bei allen Problemen, die das Land hatte und noch hat. Und es ist viel in Bewegung. Jetzt wollten wir noch ins Landesinnere fahren, aber es wird auch hier schon recht kalt, der erste Schnee liegt in den Bergen.

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