Das antike Albanien

Man muss ja nach Albanien fahren, um seine Tochter und ihren Partner zu treffen, oder die Tochter den Vater. Jedenfalls freuen wir uns über die gemeinsamen Tage weit von zu Hause entfernt. Nach dem die Anreise der beiden etwas chaotisch verlief, schaffen wir es dennoch, uns schon am ersten Tag in APOLLONIA zu treffen. Wir schlendern gemütlich durch die übersichtlichen Ausgrabungen und bleiben stundenlang im gemütlichen und aussichtsreichen Restaurant sitzen. Ein junger Mann bedient uns, der mit seinem Job die Schule seiner beiden Geschwister finanziert.

Zum Ort: Griechen gründeten 585 v. Chr. die Stadt, günstig gelegen am Fluss VJOSA und in der fruchtbaren MYZEQE-EBENE. Bis zu 60 000 Einwohner sollen hier gelebt haben, der Hafen hatte Platz für 120 Schiffe. Lange konnte die griechische Metropole ihre Unabhängigkeit bewahren und fiel dann doch 229 v. Chr. unter die römische Herrschaft, Cäsar nahm es im römischen Bürgerkrieg ein. Nach schweren Erdbeben und der Versumpfung der Gegend wurde die Stadt ab dem 6. Jh. aufgegeben, zerstört wurde sie nie. Im 14. Jh. entstand das eindrucksvolle Kloster SHËN MËRISË mit seiner eigenwilligen Architektur und den dämonenhaften Figuren an den Kapitellen.

In der Nacht und am Morgen liegt ein Geruch in der Luft, wie in Ingolstadt in der Nähe der Raffinerie. Als wir dem Navi folgen und uns in den Bergen verfahren (es bewahrheitet sich wieder einmal, dass Umwege die Ortskenntnis erhöhen), sehen wir den Grund dafür. Über dem Tal hängen graue Dunstschleier und die Luft ist gesättigt mit öligem Geruch. Seit der Antike wird hier erst Bitumen abgebaut und in der Neuzeit Erdöl- und Erdgas gefördert. Überall stehen marode Fördertürme aus der kommunistischen Zeit, manche davon sind sogar noch in Betrieb.

Dann sind wir heilfroh, dass unser heutiges Tagesziel in guter Luft liegt. Die alte illyrischen Siedlung BYLLIS liegt aussichtsreich über dem Tal der VJOSA in grandioser Lage. Neben der strategischen Bedeutung wussten sie damals, die schönsten Lagen für ihre Siedlungen auszusuchen. BYLLIS entstand ab dem 4 Jh. v. Chr. und hatte bis zu 20 000 Einwohner. Als Cäsar APOLLONIA im römischen Bürgerkrieg einnahm, lief die Stadt zu ihm über und musste für die Versorgung des Heeres aufkommen. Die Rest der mächtigen Stadtmauer, obwohl schon als Steinbruch für die umliegenden Dörfer verwendet, zeugt heute noch von der einstigen Macht und Größe. Erstaunlich ist immer wieder, dass die Römer nicht nur einfach eine Stadt bauten, sonder diese auch mit Theatern, Thermen und Kirchen ausstatteten. Dies auch mit viel Liebe zum Detail, wie einige Trümmerreste zeigen. Und wie anmutig sind die Ruinen im Vergleich zu unseren heutigen Industriebrachen.

Nach einer kalten Nacht fahren wir durch das Tal VJOSA an die LAGUNE NARTA. Hier steht ein Kloster aus dem 13. Jh. malerisch auf einer kleinen Insel. Über einen neuen, 300 m langen Steg erreichen wir diese kleine Sehenswürdigkeit inmitten der fischreichen Lagune. Nichts erinnert mehr daran, dass zu kommunistischer Zeit hier politische Häftlinge interniert waren.

Dann treffen wir eine nicht ganz leichte Entscheidung über unsere weitere Reise. Es ist November und in den Bergen, wie schon letzte Nacht, recht kalt geworden. Den Ausflug zum OHRID– und PRESPASEE, beide inmitten hoher Berge und auf über 800 m gelegen, verschieben wir auf eine andere Reise und bleiben lieber in Küstennähe und wärmeren Gefilden. Wir müssen, oder besser dürfen, zu einer früheren Jahreszeit wiederkommen.

2 Gedanken zu “Das antike Albanien

  1. Spektakuläre Fotos … vor allem von gefallen mir unter den Mauerskulpturen die Letzte. Zunge raus … könnte auch schön längst zu meinem Motto geworden sein ;-D

    Also, wen nihr mal ein Buch schreiben wollt … ich bin bereit 😉
    LG Francis

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