Entlang der albanischen Riviera

Vor uns liegt wie eine Mauer eine hohe Bergkette, die wir über den LLOGARA-PASS bezwingen. Hier wandern wir noch ein Stück durch einen Kiefernwald hinauf zum CAESAR-PASS. Vom Süden aus PALASË kommend, soll der geniale Feldherr sein Heer nach APOLLONIA geführt haben und seinen Gegner im Römischen Bürgerkrieg, den Konsul Pompeius, überrascht haben. Zurück schauend ist die LAGUNE VON ORIKUM zu sehen, in der dann Pompeius später etwas schlauer war und Caesars Flotte versenkte. Er selbst schildert das detailreich in seinem Buch „De bello civili“; und wie es einem Kaiser zusteht, natürlich in der dritten Person.

Auf der Südseite des Passes hüllen uns Wolken ein. Tief unter uns liegt die weite Bucht von PALASË, in der Caesar im Januar 48 v. Chr. in einer Nacht- und Nebelaktion 15 000 Soldaten und 600 Reiter von BRINDISI nach ALBANIEN brachte. Während wir bequem auf breiter Straße zum Meer hinunter fahren, überlegen wir, wie er es schaffte, seine Soldaten mit all dem notwendigen Kriegsgerät über die steilen Hänge zu führen. So in Gedanken erreichen wir selbst PALASË und finden einen wunderschönen Platz an einem jetzt einsamen Strand mit weißen Steinen und hellblauem Wasser. Wir richten uns ein, baden im überraschend „warmen“ Wasser, lesen und füttern eine Schar von Hunden mit unseren Essensresten. Petrus schenkt uns zudem stimmungsvolles Wolken- und Lichterspiel.

Wir verabschieden uns von den vierbeinigen Bewachern und fahren weiter der ALBANISCHEN RIVIERA entlang. Die mächtigen Berge sind nahe ans Meer gerückt. Die gut ausgebaute Straße führt uns hoch hinauf und dann wieder hinunter zu den blendend weißen Stränden mit dem leuchtend blauen Wasser. Bereits nach einigen Kilometern bleiben wir an der Bucht PORTO PALERMO hängen. Diese wurde wegen ihrer Tiefe seit der Antike von vielen Völkern als Schutzhafen genutzt. (Die Deutschen waren im 2. Weltkrieg natürlich auch hier.) Die Kommunisten errichteten mit Hilfe der UdSSR einen U-Boot-Hafen. Um die angreifenden US-Amerikaner zu überraschen, gruben  sie einen 700 m langen Tunnel durch den Berg zum offenen Meer hin. Nach dem Bruch mit der UdSSR, vier U-Boote blieben zurück, kamen die Chinesen als Verbündete in die Bucht, die bis 1997 militärisches Sperrgebiet war.

Aleks, der „Direktor“ der Festung, nimmt uns sofort in Beschlag und erzählt  einiges zur Festung und den „Kommunist“, wie er die Zeit unter Envar Hoxha nennt. Gemeinsam laufen wir zu der imposanten Anlage hinauf, die der osmanische Ali Pascha mit Hilfe der Franzosen im frühen 19. Jh. errichten lies. Eine Legende besagt, dass er die Ingenieure nach der Fertigstellung ermorden ließ. Der Pascha selbst war eine schillernde Figur, der mit äußerster Brutalität große Teile Albaniens und Griechenlands unter seine Herrschaft brachte. Als er nach Selbstständigkeit vom Osmanischen Reich strebte, verlor er auf Befehl des Sultans selbst seinen Kopf.

Wir machen einen kurzen Abstecher ins Landesinnere. Bei SARANDË verlassen wir die Küste und fahren dem Tal der BISTRICA entlang in die Berge. Nachdem es an der Küste bereits am frühen Morgen fast 20 Grad hatte, ist es hier mit 6 Grad  recht frisch. Dann biegt eine Schotterstraße ab, führt über einen Damm und bringt uns zur SYRIE I KALTER. Dies ist eine mächtige Quelle, ähnlich dem Blautopf in der Schwäbischen Alb. Wir kommen zu dem Phänomen, bevor die Sonne über die Berge spitzt Jetzt ist das mindestens aus 50 m Tiefe sprudelnde Wasser dunkelblau, mit dem Licht der Sonne verändern sich die Farben ständig.

Nachdem die Besucher immer zahlreicher werden und auch eine Hochzeitsgesellschaft mit vielen Autos uns entgegenkommt, heute ist Sonntag, fahren wir ein Stück zurück und finden kurz vor der Hauptstraße eine weite Wiese mit herbstlich bunten Bäumen, die an den Ahornboden im Karwendel erinnert. Trotz der Sonne liegt immer eine Frische in der Luft, als die Sonne schon um drei Uhr hinter den Bergen verschwindet wird es auch schon wieder kalt. Morgen fahren wir wieder zurück ans Meer.

5 Gedanken zu “Entlang der albanischen Riviera

  1. Wunderschön in Text und Bild! Man glaubt kaum, was es für schöne Ecken in Europa gibt.
    Viele (leider auch in unserem Bekanntenkreis) sehen den Hype von Urlaub als ‚ich lasse es mir gut gehen – Gefühl‘ in riesigen schwimmenden Hotels, die die Luft und die Meere mit verpesten und verdrecken.

    Habt weiterhin eine erlebnisreiche Fahrt und so traumhafte Ziele,
    Anna-Lena

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    • Danke Anna-Lena. Eigentlich sind wir froh, dass viele ihren Urlaub in den Bettenburgen oder riesigen Campingplätzen (im Sommer über 10 000 Camper. Wir „fliehen schon, wenn es mit uns mehr als zwei sind) verbringen, da bleibt mehr Platz für uns. Erschreckend, aber wohl ganz natürlich, ist, wenn die Highlights mittlerweile das ganze Jahr mit Touristen überschwemmt werden, dann liegen vor Dubrovnik schon mal 5 Kreuzfahrtschiffe im Oktober. Umso schöner ist es dann auf dem flachen oder bergigen Land; die Menschen freuen sich, in den Cafés sitzen Einheimische und wir fühlen uns an diesen weniger spektakulären, aber dennoch schönen Orten, viel wohler. Wir bleiben weiter auf unserer Entdeckungstour. Liebe Grüße nach Deutschland, mittlerweile aus Griechenland. Zeus hat uns gebührend mit Blitz und Donner begrüßt.

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  2. Hallo Ihr zwei, freue mich auf jeden altuellen Reisebericht. Weiter so mit euren tollen Bildern und informativen Berichten! Weiterhin eine schöne und erlebnisreiche Tour. Viel Glück ,…. Hermann Kinateder

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