Das Tor zum Hades

Eigentlich hatte der Wetterbericht für heute Sonne vorhergesagt und wir wollten zum ACHERON fahren. Aber wie so oft, hält sich Petrus nicht an die Modelle der Meteorologen und lässt es aus einem grauen Himmel in Strömen regnen. So geben wir unseren Plan fürs Erste auf, verlassen erst einmal KARAVOSTASI und fahren dem von bunten Bäumen flankierten Bach entlang zurück zur Hauptstraße. Vor einem kleinen Kloster können wir an einem neuen Brunnen unser Wasser auffüllen. Die Türen stehen offen, da spitzen wir kurz in das Innere der Kirche.

Kurz hinter AGIA erspähen wir, majestätisch auf einem Hügel thronend, eine weitere Burg des Ali Paschas (der als Räuberhauptmann seine Kameraden verriet, um sich beim Sultan einzuschmeicheln). Auf breiter Straße kommen wir trocken fast bis vor das Eingangstor. Selbst als Ruine sind die mächtigen Mauern und die Gewölbe noch beeindruckend. Die Wolken hüllen mittlerweile den Gipfel ein. Der Ferienort PARGA ist nur noch im Dunst zu erahnen.

Wir hatten die Hoffnung auf ein paar Sonnenstrahlen schon aufgegeben, doch mittlerweile zeigen sich helle Streifen am Horizont, die schnell größer werden. Petrus überrascht uns schon wieder einmal. Nur ein paar Kilometer hinter PARGA führt eine breite Straße inmitten der steilen Hänge hinunter zur Bucht AE GIANNAKES. Ein paar dicke Olivenbäume, ein kleiner Strand, blaues Wasser mit wenig Wellen, kein Mensch weit und breit; wir bleiben in dem kleinen Paradies spontan zwei Tage stehen. Nach dem Regen tut die warme Sonne gut, die Wassertemperatur ist immer noch erträglich und wir hüpfen ins Meer. Gegen Mitternacht schreckt uns Blaulicht auf (wie einst in Portugal). Aber die Polizei dreht nur eine Runde und lässt uns weiterschlafen.

Obwohl es immer noch oder schon wieder aus einem grauen Himmel regnet, wagen wir uns ein kleines Stück ins Landesinnere nach GLYKI zum ACHERON. Viele Helden des Altertums waren schon vor uns hier. Kirke schickte den Odysseus in das Reich des Hades und der Persephone (die konnte nicht mehr zurück, da sie Granatäpfel geklaut hatte), um die Seele des blinden Propheten Tiresias zu befragen, wie er denn endlich nach Hause käme. Als der den Beschluss vernahm, fing der Held gar nicht heldenhaft an zu weinen und zu jammern. Herkules´ letzte Aufgabe bestand darin, den fürchterlichen Höllenhund Kerberos aus den Hades heraufzubringen. Nebenbei befreite er noch einige befreundete Halbgötter. Ein wahrer Held. Ungeschickt stellte sich der Sänger Orpheus an, als er durch seinen Gesang die Götter erweichte und diese in erlaubten seine geliebte Eurydike aus dem Hades zu den Lebenden zu zurück zu holen. Auch dort in der Unterwelt sang er und das Herrscherpaar der Unterwelt hatte Mitleid mit ihm. Er durfte sich aber beim Verlassen nicht umdrehen. Was machte er? Er drehte sich um. Vorbei war es mit der Gnade und er verlor seine Geliebte das zweite Mal.

Schnell finden wir einen Wanderparkplatz, der Regen hat hat sich auch schon etwas beruhigt und Peter macht sich auf den Weg in die Schlucht des ACHERON. Nach ein paar Meter öffnet sich ein riesiger Tunnel. Nein, dies ist nicht der Eingang zum Hades. Dahinter führt ein kleiner Steig durch das enge Tal (Was soll der Tunnel?). Ein paar Treppen führen hinunter zum wild rauschenden und nach dem Regen braunen Wasser. Gegenüber ergießen sich glasklar und eiskalt (wie ich später auf der anderen Seite feststelle) viele Quellen in den braunen Mutterfluss. Heute führt die Fuhrt nicht hinüber und der Fährmann Charon ist auch nicht zu sehen. Gottseidank, ich will noch ein Weilchen leben und habe auch keine Münze unter der Zunge als Lohn für ihn dabei. Also wieder zurück und hinauf zum Weg. Ein Stück weiter geht es dann doch hinunter zu einer neuen Brücke über den gurgelnden Fluss. Hier gräbt er sich durch ein enges Felsenbett, überall sind kreisrunde Strudeltöpfe zu sehen. Den Rahmen für dieses Naturschauspiel geben die vielen mächtigen und knorrigen Bäume. Unsere endgültige Parkposition können wir direkt am ACHERON einnehmen. Die Sonne schenkt uns noch in paar wärmende Strahlen, bevor es in der Nacht wieder zu regnen beginnt.

Und zum Schluss noch ein paar Herbstbilder.

Ein Gedanke zu “Das Tor zum Hades

  1. Puuh, das war nun wirklich knapp, gut, dass euch Hades nicht entdeckt hat 😉 Wirklich schöne Bilder verbunden mit spannenden Hintergründen zu Geschichte, Sagen und Mythen der Antike. Liebe Grüße und noch viel Spaß bei Perseus, Odysseus & Co. ☺️🏛️🎭🔱🐂🏺

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