Eine Traumbucht für uns ganz alleine

Eine Geschichte zum LEFKÀDISCHEN FELSEN gilt es noch nachzutragen: In der Antike diente die Klippe als Opferstelle. Der Sprung in die Tiefe galt als Gottesurteil. Den Verbrechern band man Vogelfedern um und wer den Sturz überlebte, dem waren die Götter gnädig und der Verurteilte frei. Auch manche Priester des Apollon, hier stand ja sein Tempel, setzten ihr Leben aufs Spiel. Aber auch unglücklich Verliebte sprangen hier in die Tiefe, wie die ruhmvolle Lyrikerin Sappho. Sie schrieb gefühlvolle und erotische Liebesgedichte. Als ihre eigene Liebe durch ihren Auserwählten Phaon, der mit göttlicher Schönheit ausgestattet war, nicht erwidert wurde, sprang sie 570 v. Chr. in den Tod. Was muss das für ein Mann gewesen sein, der so eine Frau verschmähte. Oder aus Sicht der Frau: „So schön kann doch kein Mann sein.“

20171129 25-Pano

Das Wetter ist wie vorhergesagt abwechselnd wolkig und sonnig. Wir ziehen ein paar Kilometer weiter. Die Fahrt geht durch Olivenhaine, Netze zur Ernte sind überall ausgelegt, am Rand stehen Erdbeerbäume mit reifen Früchten und die Heide steht in voller Blüte.

Eine kurvenreiche Straße führt hinunter zum PORTO KATSIKI. Wenn wir es nicht mit eigenen Augen sehen könnten, wir würden es nicht glauben. Es ist einer der schönsten Strände die wir bisher sahen. Unter überhängenden Felsen leuchten weiße Kieselsteine, an die das hell- bis türkisblaue Wasser in kleinen Wellen plätschert. Trotz des frischen Windes können wir nicht widerstehen und hüpfen ins Meer. Unbeschreiblich, und wir sind ganz alleine. Die großen Parkplätze lassen vermuten, welcher Trubel hier im Sommer herrscht. Wir nutzen einen Wasserhahn und unsere frisch erworbene Tonne zum Wäsche waschen. Peter betätigt sich als Trommelrüttler. Die erste Portion wird im starken Wind und der Sonne sogar trocken, auch wenn das ein oder andere Teil aus den Büschen gerettet werden muss. Am Abend, es ist schon finster, beginnt wieder einmal der Regen.

In der Nacht haben wir hinter einem kleinen Haus Zuflucht vor dem auffrischenden Südwind gesucht. Als wir im ersten Licht aufwachen ist bereits 17 Grad warm, später steigt das Thermometer auf 22 Grad. Der Himmel zeigt sich im dunklen Grau, das Meer ist aufgewühlt und der Strand von den hohen Wellen fast überspült. Gut, dass wir gestern in dem fantastischen Wasser noch schwimmen waren. Wir hätten etwas versäumt.

Wir kurven die breite Straße wieder hinauf, lassen die ein oder andere Bucht aus und sparen sie für einen nächsten Besuch früher im Jahr auf. In KALAMITISI probieren wir dann doch die Abfahrt. Viele Kurven ziehen sich, mit Steinen übersät, hinunter. Die bunten Blätter und die frei wachsenden Zypressen (ganz anders in der Toskana, wo sie in Reih und Glied stehen müssen) geben einen tollen Kontrast zum blauen Wasser und dem grauen Himmel. Die Bucht ist kilometerlang, kein weiterer Besucher ist hier, sonst gibt es nur ein paar verlassene Imbisshütten. Wieder ein traumhafter Ort zum Verweilen. Doch der Südwind hebt uns fast von den Beinen, unser Kopf fühlt sich wie beim bekannten bayerischen Föhn an. In KATHISMA finden wir einen etwas ruhigeren Platz am Strand, der zwar etwas zugebaut und verschandelt ist, doch breit genug, damit uns die Wellen nicht erreichen. Gegen Abend suchen wir den Windschatten einer Taverne auf. Die Wellen schlagen weiter mit Macht und Getöse auf den Strand, ans Baden denkt nicht einmal der Peter.

Obwohl der Himmel schwarzgrau ist, leuchtet das Wasser am nächsten Morgen immer noch in unterschiedlichen Blautönen. Da für die nächsten Tage weiterhin Regen und viel Wind vorhergesagt ist, ziehen wir wieder ein Stück weiter.

Die Straße führt durch ein fruchtbares Land. Kleine Felder, dazwischen Olivenhaine, prägen die Landschaft. Wir durchqueren einen recht großen verlassenen Ort und fragen uns nach dem Grund der Flucht der Einwohner. War es eines der vielen Erdbeben? Wie wir es im Süden Siziliens gesehen haben?

Dann erreichen wir MITIKAS, an dessen Strand sich Peter vor 29 Jahren mit Freunden traf. Da wir zu unterschiedlichen Zeiten von zu Hause los fuhren, mussten wir uns irgendwie verständigen. Es gab zu dieser Zeit keine Handys (unvorstellbar). Also wie macht man das? Ich rufe um 11:55 Uhr einen Freund in Nürnberg an und gebe unsere Position durch. Mein mich suchender Freund machte fünf Minuten später einen Vorschlag für einen Treffpunkt und weitere fünf Minuten später wusste ich nach einem weiteren Telefonat den Ort. Wir schmunzeln heute noch darüber. Nachdem in MIDIKAS der schmale Strand von hohen Wellen überspült ist und uns der Südwind die Gischt um die Ohren weht, ziehen wir ein Stück weiter. Kurz von ATAKOS führt eine breite Teerstraße zu einer schönen Bucht mit einzelnen mächtigen Bäumen, bei Sonne ein bestimmt idyllischer Badeplatz.

10 Gedanken zu “Eine Traumbucht für uns ganz alleine

  1. Hallo es zwoa,
    wegen dem Reisefieber des wos Ihr erzeugt`s , kann und derf i mir leider eure Büdl nimma so oft anschaun . ( dua`s oba trotzdem !! )
    Wenn des so weida geht, muaß i mei Arbeit bereits 3 Jahre früher wie geplant verloss`n,
    um den Spuren von Susanne und Peter zu folgen.
    Jedenfalls, wieder einmal tollste Fotos und Berichte von euch ! Weiter so, …

    Wünsch eich nu a wunderschöne, warme und regenarme Adventszeit in Griechenland.

    Vue Griaß, aus Niederbayern
    Hermann Kinateder

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  2. Hallo Susanne, hallo Peter,

    wir wünschen Euch einen schönen 1. Advent!

    Bei der Recherche zu unserer ersten Überwinterung in Griechenland sind wir auf Eure Seite gestoßen und verfolgen diese interessiert. Da wir erst spät in Deutschland starten konnten, hat uns unser Weg quer durch den Balkan geführt und nicht, wie geplant, die Route zu nehmen, welche Ihr abgefahren seid. Nun sind wir Euch seit einiger Zeit etwas voraus und lesen auf Eurer Seite von unseren vergangenen Aufenthalten.

    Der zerstörte Ort, den Ihr in Eurem Blog erwähnt, ist wahrscheinlich Palia Plagia. Dieser wurde von einen Erbeben, wie ihr vermutet habt, zerstört und die Bewohner siedelten sich in dem neuen Plagia an. Wir machten im Ort kurz Station, um Wasser nachzutanken und stellten fest, dass es im Ort noch ein paar sehr freundliche Einwohner gibt.

    Viele Grüße von den Globetrottel
    Dagmar & Jürgen

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