Tanz auf dem Vulkan

Nach den vielen warmen Sonnentagen bringt uns der Südwind wieder einmal einen Regentag. So bleiben wir einen weiteren Tag an unserem beschaulichen Platz in GALATÁS gegenüber dem Inselstädtchen POROS. Wir nutzen den grauen Tag für einen Dorfbummel und kaufen in den Läden ein. Der Bäcker hat, wie fast in jedem griechischen Ort, frisches knuspriges Weißbrot. Beim Metzger kaufen wir Fleisch für Gulasch und Sauerbraten. Im Dorfladen, über dem wie überall „Super Market“ steht, können wir dem dortigen Metzger in Fränkisch erklären, dass wir dünne Scheiben von dem großen Stück Fleisch wollen. Mit frisch gewetztem Messer schneidet er uns vier Scheiben für Rouladen zurecht, jede wiegt ein halbes Pfund. Susanne freut sich über ihren Kochnachmittag, Peter über das Ergebnis.

Über Nacht hat der Westwind über den Regen bringenden Südwind gesiegt. Rosarote Wolken wecken uns, über Tag verschwinden auch die restlichen Wolken. Wir fahren nach TRIZÍNA, dem antiken TROIZEN. An einer Straßenkreuzung, umgeben von allerlei Schildern, liegt etwas achtlos ein sagenumwobener Stein. König Aigeus aus Athen war kinderlos und fürchtet sich vor den fünfzig Söhnen seines Bruders. So beschloss er, sich, ohne das Wissen seiner Gemahlin, noch einmal zu vermählen. Die Auserwählte, die Tochter des Königs von Troizen, gebar ihm auch tatsächlich einen Sohn, den künftigen Helden Theseus. Der Vater legte Schwert und Schuhe unter den Stein, der Sohn sollte sie als Erkennungszeichen mit nach Athen bringen. Im zarten Alter von zwölf Jahren wuchte er den Stein beiseite und schlüpfte in die alten Schuhe des Vaters. Auf dem Weg zu ihm säuberte er die Straßen von allerlei Räubern und Mördern, er wollte es seinem verehrten Helden Herakles gleichtun (der in später aus dem Hades befreite). Nach allerlei Heldentaten und Frauenrauben, das war damals wohl ein beliebter Zeitvertreib der Helden, manche Stadt wurde daraufhin in Schutt und Asche gelegt, war er dennoch ein guter und vorausschauender König. Er gilt als der Begründer der Freiheit und Bürgerverfassung und somit als Erfinder der Demokratie.

Von der alten Stadt stehen noch ein paar Ruinen inmitten von Blumenwiesen. Nicht weit entfernt überspannt die Teufelsbrücke, ein natürlicher Felsbogen, eine tiefe Schlucht. Herrliche Gumpen laden zum Baden ein, wäre es wärmer; uralte knorrige Platanen säumen den klaren Bach.

Entlang des Meeres kommen wir zu der schmalen Landbrücke, welche die Halbinsel MÉTHANA vom Festland trennt. Die vulkanischen Berge sind über 700 m hoch und gehören geologisch zu den SARONISCHEN INSELN. Über 25 Vulkane haben die Insel geprägt, doch viele sind bereits mit Bäumen völlig bedeckt und kaum mehr als solche zu erkennen. Einen kann man jedoch besteigen. Wir erreichen die Ansiedlung KAIMÉNI CHÓRA, die förmlich in einen Lavastrom gebaut wurde. Ein paar Kilometer weiter beginnt der kurze Aufstieg zum VULCANO, dessen letzter Ausbruch allerdings bereits 2000 Jahre zurück liegt. Durch mächtige Lavabrocken führt der Weg hinauf zum Gipfel. Bäume und einige frühe Blumen trotzen hier der Kargheit. Oben angelangt geht der Blick über das riesige rote Lavafeld, das sich in den blauen Golf ergießt.

Wieder an unserem Strand bei METAMORFOSI angelangt, fliegt ein Schwarm Vögel auf uns zu. Erst meinen wir, es wären wegen der Flugformation Gänse. Beim Näherkommen erkennen wir einen Schwarm Kormorane.

Es wird wieder einmal Zeit, die Wanderschuh zu schnüren. Nachdem wir uns in TRIZÍNA beim kleinen Bäcker mit Brot versorgt haben, wandert Peter über eine breite Piste, die wir locker mit dem Dicken befahren könnten, in einigen Schleifen auf über 500 m NN. Der Blick über METHANA und POROS wird immer aussichtsreicher, im Dunst ist sogar PIRÄUS zu erahnen.

Und immer wieder faszinieren die Pflanzen am Wegesrand.

2 Gedanken zu “Tanz auf dem Vulkan

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