Antike Drehscheibe zwischen Europa und Asien

Wenn wir etwas früher gekommen wären, so vielleicht 2000 Jahre, könnten wir die nächsten Tage unserer Gesundheit widmen, wellnessen sagt man heute auch dazu. EPÍDAUROS ist das Heiligtum des Asklepios, dem Gott der Heilkunde. Nachdem man im Gästehaus sich sein Zimmer zeigen ließ, reinigte man sich in den Bädern und brachte Apollon, dem Vater des Heilers, ein Opfer dar. Dann legte man sich in die Schlafhalle, den Inkubator, und wartete, bis der Gott einen im Traum den Weg der Heilung aufzeigte. Die Therapie erfolgte dann mittels Hypnose, Heilbädern, sonstiger Entspannung oder auch bei Aufführungen im naheliegenden Theater, das bis in die heutigen Tage bestens erhalten ist. Als Dank für die Heilung war ein Honorar und ein Weihegeschenk durchaus erwünscht. So zu erheblichen Reichtum gelangt, plünderte der römische Sulla das Heiligtum und bezahlte damit seine Soldaten. Das Erkennungszeichen des in der Antike weit verbreiteten Asklepios-Kultes hat sich bis in die heutigen Tage erhalten: der Äskulapstab und die Schlange. Als Piktogramm auf grünem Grund signalisiert er zusammen mit einem Kreuz international „Ich bin ein Arzt“.

Wind und Regen trotzend, fahren wir hinauf zur monumentalen Burg AKROKORÍTH, die auf einem mächtigen über 500 m hohen Felsklotz thront. Die umliegenden Berge hüllen sich in graue Wolken, über dem Meer türmen sie sich in allerlei Blautönen übereinander. Am nächsten Morgen stürmt es unvermindert weiter, doch die Wolken reißen auf und geben den Blick auf die schneebedeckten Berge frei.

Wir warten schon auf die Altertumswärter, die pünktlich um acht Uhr kommen; so sind wir wieder einmal die ersten Besucher. AKROKORÍNTH ist durch drei Wälle mit mächtigen Zinnen, Türmen und Toren geschützt. Die Byzantiner erbauten die riesige Burg. Darauf folgten wie fast überall in Griechenland die Franken, vier Jahre herrschten die Johanniter, gefolgt von den Türken und Venezianern, bis schließlich die Griechen im Freiheitskampf die Burg einnahmen. Doch schon viel früher stand auf dem Gipfel ein Tempel der Aphrodite. Glaubt man den Geschichten, lebten hier 1000 Hierodulen, Tempel-Prostituierte, die der Göttin und den Männern dienten. Mit welcher Motivation die Männer wohl hierher kamen? Wahrscheinlich nur um die Huld der Liebesgöttin zu erfahren und auch ihren Segen mit nach Hause zu nehmen. Heute muss alleine der überwältigende Blick reichen.

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Der zunehmende Wind und die Kälte treiben uns hinunter ins alte KORÍNT. Wir bleiben über Mittag am Parkplatz und belassen es mit einen Blick auf die Säulen des Apollon-Tempels. Unvorstellbar, dass hier zur Blütezeit einmal 300 000 Menschen lebten.

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Der korinthische Isthmus reicht auf der einen Seite bis zum Meer von Kenchriae, auf der anderen bis zu dem bei Lechaion. Das macht das Land innerhalb zum Festland. Wer es aber unternahm, den Peloponnes zur Insel zu machen, hat das Durchgraben des Isthmus vorher eingestellt. Und wo sie anfingen zu graben, ist noch sichtbar; bis zum felsigen Teil sind sie gar nicht gekommen, und so ist das Land jetzt noch Festland, wie es von der Natur ist. Alexander aber, der Sohn des Philipp, der die Mimashalbinsel durchstechen wollte, gelang nur dies nicht; so schwer ist es für den Menschen, Götterwerk gewaltsam zu ändern.“ So der griechische Schriftsteller Pausanias im 2. Jh. n. Chr. 1893 war es dann aber doch so weit, dass der Durchstich gelang. Schon von weitem ist der Kanal als Kerbe im ÍSTMUS zu sehen. Wir stehen an dem bis zu 80 m tiefen Kanal und bestaunen die vorbei fahrenden Schiffe. Am nächsten Morgen warten wir am Korinthischen Golf, bis die Senkbrücke im 8 m tiefen Wasser verschwindet und den Weg für einen Schlepper mit Schiff freigibt.

Dann verlassen wir den PELOPONNES, der uns über zwei Monate jeden Tag mit seiner Schönheit überraschte.

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