Auf der Insel Euböa

Schon seit Tagen plätschern nur kleine Wellen an den Strand, wie zu Hause am fränkischen Brombachsee. Da morgen der Wind auffrischen soll, nutzen wir die Flaute, um mit der Fähre möglichst ruhig und ohne Seekrankheit auf die Insel EUBÖA überzusetzen. Für etwas über 30,- € kommen wir von AGIA MARINA nach NEA STYRA auf die zweitgrößte Insel Griechenlands.

Ringsherum sind die Berge in Wolken gehüllt, blaugrau ist anfangs die dominierende Farbe, nur über uns stiehlt sich die Sonne ab und zu durch die Wolken. Am nächsten Tag weckt uns der auffrischende Wind und die Regentropfen, die auf unseren Dicken trommeln. Doch mittags, oh Wunder, reißt die Wolkendecke auf und wir haben einen wunderbaren sonnigen Nachmittag am Strand von KÀRISTOS. Es reicht sogar für in kurzes Bad im wieder ruhigen aber natürlich immer noch frischen Meer. Abends verwöhnt uns die untergehende Sonne mit einem Farbenspiel. Für einen kurzen Augenblick lugt sie noch einmal unter den Wolken hervor.

Heute weckt uns nicht der Wind, sondern die Sonne. Jetzt wird es bereits um 7 Uhr hell und der Tag hat schon fast elf Stunden. Während es zu Hause bitter kalt ist und es in Rom sogar sieben Zentimeter geschneit hat, freuen wir uns über frühlingshafte Temperaturen.

Nachdem wir in KÀRISTOS wieder einmal ein wunderbares Brot einkauften, wollen wir das schöne Wetter nutzen und ein Stück in die Berge fahren. Unerwartet führt die EU-finanzierte breite Straße fast bis zum Südende der Insel. Zur Mittagszeit machen wir einen Abstecher an den einsamen Strand von POTAMI. Wir stehen vor einer, natürlich geschlossenen, Taverne. Am weiten Rund des Strandes steht einsam ein Hotel, das auch schon bessere Tage gesehen hat. Gegenüber im Dunst liegt die Insel ÁNDROS, dazwischen ziehen viele Schiffe übers Meer. Hoch über uns dreht eine riesige Schar Möwen im strammen Westwind auf. Die Landschaft ist recht karg, dennoch plätschern unzählige Bäche von den Bergen und in den Wiesen leuchten die ersten Farbtupfer. Bei AMYGDALIA endet die Prachtstraße und geht unvermittelt in eine schlechte Schotterpiste über. Schade, da müssen wir auf der selben Route wieder über 60 Kilometer zurückfahren.

Während zu Hause Väterchen Frost das Wetter fest im Griff hat, ist es bei uns in der Sonne fast schon sommerlich warm. Nach der gestrigen langen Fahrt ist uns heute nach etwas Ruhe. So bleiben wir frech im Hafen unter einem Halteverbots-Schild stehen. Nachdem die Polizei einige Male vorbei fährt, scheint das in Ordnung zu sein. Wir holen uns wieder ein Brot vom Bäcker, die Verkäuferin kennt uns schon, und quälen das offene Netz der gegenüberliegenden Taverne.

Aber auch die angenehmen Atmosphäre des Hafenstädtchens gefällt uns gut. Aus deren bewegter Geschichte gibt es eine Anekdote zu erzählen. Nach der Befreiung der Stadt von den Türken im Jahre 1833 besuchte Otto I. die Ortschaft. Die Bevölkerung empfing den jungen Monarchen mit Begeisterung, der darauf hin den bekannten Architekten Bierbach mit der Stadtplanung beauftragte. Angetan von dieser Ehre wurde die Stadt in OTTONOPOLIS umbenannt. Doch als die Griechen den König 1862 vertrieben, änderte man schnell den Namen wieder in KÁRISTOS. Geblieben ist die schachbrettartige Anlage der Straßen, das Rathaus, welches über einer breiten Schneise förmlich über der Stadt thront und ein paar Häuser, die jedoch leider etwas herunter gekommen sind.

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