Auf dem Dach der Euböa

Nach einer etwas unruhigen Nacht, die Musik in den Tavernen lief bis 1 Uhr früh, verlassen wir den Hafen von KÁRISTOS. Doch zuerst statten wir der ROTEN FESTUNG noch einen kurzen Besuch ab. Den Namen hat die venezianische Anlage dem Baumaterial, einem rotem Marmor, zu verdanken.

Dann laden noch einmal römische Steinbrüche und Drachenhäuser zu einer aussichtsreichen Wanderung ein. Hoch über STÍRA haben sich die Arbeiter wie Maulwürfe in die Hänge gewühlt. Der Pfad führt durch den Schutt der Steinbrüche, eine kleine Säule liegt am Weg, ein Steinklotz dient als Wegweiser. Hoch über mir meine ich eine Burg und ein Felsentor zu sehen. Da wird doch nicht der Weg hinauf führen, den ich mir ausgesucht habe? Doch nach einer guten Stunde stehe ich vor dem Tor des KASTROS ARMENON, einer alten Frankenfestung; es scheint mir wie eine Pforte des Himmel zu sein. Auf dem Felsplateau sind nur noch spärliche Reste der einstmals weiträumigen Anlage zu sehen. Ein Kirchlein, wie fast auf jedem griechischem Hügel, sucht Schutz unter einem Felsüberhang. Im Süden erhebt sich mächtig der OCHI. Ich kann kaum glauben, vor ein paar Tagen dort droben gewesen zu sein. Nun führt der Weg wieder steil hinunter, immer wieder vorbei an glatten Felsen. Manche Abbruchkanten sind stellenweise schräg, dem Verlauf der Gesteinsschichten folgend. Was muss das für Mühe gemacht haben um die Prunksucht der Römer zu befriedigen. Genügte nicht der Marmor aus dem heimischen Italien? Auch hier stehen drei der alten Drachenhäuser, in denen diesmal keine Drachen sondern vermutlich die Aufseher der Steinbrüche gewohnt haben.

Die nächsten Tag verbringen wir in der kleinen PARALIA ALMIRICHI. Wir haben 20 Grad plus und das glasklares Wasser lädt wieder zu einem kleinen Schwumm ein. Bis auf ein paar Taucher schaut an den beiden Tagen niemand vorbei.

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Am Morgen ist der Himmel strahlend blau. Doch dann zieht Saharasand von Süden herein und Wolken hüllen die Berge mit grauen Wolken ein und tauchen die Landschaft in ein diffuses Licht, es wird gar nicht so richtig hell. Wir fahren in die ein oder andere Bucht, in PANAGIA zum Lidl, der Einkaufswagen ist überraschender Weise voll, und landen nach guten 100 kurvigen Kilometern im Hafen von KÌMI. Der Fähre nach SKIÁTHOS wartet auf die Passagiere, ansonsten herrscht hier winterliche Ruhe.

Der Saharasand hat sich verzogen und die Landschaft erscheint in einem ganz anderen Licht. Heute zeigt uns EUBÖA sein alpines Gesicht. Auf kurvenreicher Straße arbeiten wir uns ins Zentrum vor. Nadelbäume säumen unseren Weg, wir fühlen uns wie in den Alpen. Dann erscheint der DÁFNI, mit 1743 m ein mächtiger Berg. Sein Haupt versteckt er in schnell ziehenden Wolken, seine Flanken sind von Schnee bedeckt. Wir erreichen fast 700 m und schauen auf den PARALIA CHILIADOÚ. Obwohl der Strand zum Greifen nahe ist, haben wir noch über 30 kurvenreiche Kilometer vor uns. Plötzliche bremst Peter, ein Feuersalamander verharrt in Kältestarre mitten auf der Fahrbahn. Vorsichtig bringen wir ihn in Sicherheit, dabei macht keinen Zucker.

Dann erreichen wir doch noch unser Tagesziel. Das Wasser ist hellblau, am Strand liegen viele bunte Steine und riesige Felsklötze. Am Abend ziehen von Westen Wolken über den Berg, der Saharasand wird doch nicht wieder zurück gekommen sein.

Bei schönstem Wetter fahren wir los. Und dann steht er mitten im Weg, der DÍRFYS, höchster Berg der Insel EUBÖA. Doch anders als beim OCHI, wo es fast von Meereshöhe aus ging, kann ich von 1100 m loslaufen. Dazu quälen wir unseren Dicken wieder die vielen Kehren hinauf und die letzten 2 Kilometer auch noch auf einer Piste, bis wir die Schutzhütte „Michaelis Nikolaou“ des griechischen Bergsteigervereins erreichen. Eigentlich schaut er von Weiten ganz gemütlich aus: ein runder Felskegel ragt aus dem Schutt empor, an den flachen Flanken ziehen sich mächtige Nadelbäume den Hang hinauf. Doch als ich vor dem Einstieg stehe, geht es 700 Höhenmeter nur steil hinauf, immer der Direttissima folgend. Gut zwei Stunden geht die Schinderei, aber ich lass mich von dem Berg doch nicht unterkriegen. Oben belohnt dann eine Rundumsicht über die Insel. Unter der mächtigen Inversion verschwinden die Hügelketten im Dunst, darüber strahlt der Himmel im leuchtende Blau. Der Rückweg dauert dann nur noch eine Stunde, doch jeder Schritt will in dem Schutt des steilen Hangs gut gesetzt sein.

Wir verlassen die Höhe und winden uns kurvenreich hinunter in die Ebene. Das Thermometer klettert unaufhaltsam auf 21 Grad, nach deutschem Maßstab wäre das ein Frühsommertag. Kurz vor KATO STENI biegen wir ab und fahren in die sanften Hügel. Bei der Kirche AGIA KIRIAKI finden wir einen idyllischen Ort. Ein Bach plätschert über mehrere kleine Wasserfälle, riesige knorrige Platanen krallen sich an das steile Ufer und kleine Kapellen laden zum Verweilen ein.

 

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