Auf den schmalen Spuren der pílionischen Eisenbahn

In der Nacht hat es eine Zeitlang heftig geregnet und auf den Bergen sogar geschneit. Am Morgen kämpft die Sonne tapfer gegen den Dunstschleier an, meinen wir. Doch wieder ist die Luft staubig, erneut schwebt Saharasand aus dem Süden heran und legt die Landschaft in ein diffuses Licht. Das Meer und der trübe Himmel gehen ineinander über, das gegenüberliegende Festland ist nur zu erahnen. Die Athener sollen ihre Wohnung nicht verlassen oder einen Mundschutz tragen. Auch eine Art von Smogalarm, diesmal aber aus „natürlichem“ Grund.

Da die Straße nach AFISSOS eng, steil und zudem noch kurvig ist, nehmen wir lieber die selbe Strecke zurück zur Hauptstraße. Nach Norden fahrend erkunden wir ein paar schöne, für den PÍLION typische, Dörfer: MILIÉS, VÍSITSA und PINAKÁTES. Auf dem Marktplatz steht immer eine mächtige, weit ausladende Platane. Die trutzigen Steinhäuser sind mit schweren, graugrünen Schieferplatten gedeckt, ähnlich den Häusern im Altmühltal. Durch die alten Ortschaften führen die gepflasterten Eselspfade, viele Brunnen plätschern in den engen Gassen.

Schon 1903 schnaufte die erste Dampflok auf der 60 cm schmalen Spur von ANO LECHÒNIA nach MILIÉS. Sieben Bogenbrücken, zwei Tunnel und eine Eisenträgerbrücke waren für die kurvenreiche Strecke erforderlich, um auf 17 Kilometer Bahnstrecke etwa 300 Höhenmeter zu überwinden. Die Luftlinie beträgt gerade mal die Hälfte. So fährt der Zug jedes Tal und jeden Bergrücken in einen weiten Bogen kurvenreich aus. In der Nebensaison zuckelt der Zug, nun gezogen von einer Diesellok, die alte Dampflok ist kaputt, leider nur an einem Wochenende im Monat, das nächste Mal in zwei Wochen an den Osterfeiertagen. Der Wanderweg führt zwischen oder neben den Gleisen, obwohl manche Schilder vermutlich das Begehen der Brücken verbieten. Gut, dass ich sie nicht lesen kann. Manchmal teilen sich Eisenbahn und Autos auch die Strecke. Über dem GOLF VON PAGASSITIKÓS sind die Berge des Festlands wieder zu sehen, nachdem sie gestern der Saharasand verschluckt hatte. Olivenhaine, Macchia und viele Blumen säumen den Weg, Griechen sind unterwegs und sammeln Kräuter für einen Tee.

3 Gedanken zu “Auf den schmalen Spuren der pílionischen Eisenbahn

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