Immer noch in Chaniá

Ungewohnt für uns, stehen wir nun schon fast eine Woche an dem Strand bei CHANIÁ. Mittlerweile kennen wir die Schwimmer, die jeden Tag zur gleichen Zeit an den Strand kommen. Theódoros will uns animieren, bei 14 Grad C Wasser- und 11 Grad C Außentemperatur auch schwimmen zu gehen. Freundlich lehnen wir sein Angebot ab, da schon ein kleiner Spaziergang im seichten Wasser uns vor Kälte die Nackenhaare aufstellt. Er berichtet vom letzten Winter, in dem es nicht geregnet hat und die Berge schneefrei blieben. Ein Problem für die Touristen im Sommer, zeitweise hatten sie nur für eine Stunde am Tag Wasser. In diesem Jahr ist es anders, alle Wasserspeicher sind bereits voll. Ein anderer Schwimmer bietet uns freundlich seine Dusche zu Hause an, aber wir haben ja alles selbst dabei.

Zwischendurch verlassen wir unseren kuscheligen Platz und unternehmen kleine Ausflüge. In MÁLEME besuchen wir den deutschen Soldatenfriedhof; 4465 Soldaten sind hier begraben. Diese Ebene war es auch, in der die Fallschirmspringer abgesetzt wurden, um den nahen Militärflugplatz zu erobern. Einer der prominentesten Soldaten war der Boxer Max Schmeling. Nach einem ersten Sieg über den „Neger“ Joe Louis noch von Adolf Hitler persönlich beglückwünscht, verliert er zwei Jahre später nach dem verlorenen Weltmeisterschaftskampf alle Privilegien und als durchtrainierter Sportler kommt er zu den Fallschirmspringern. Den Absprung überlebt er schwer verletzt.

Anschließend fahren wir bis an den Fuß der HALBINSEL RODÓPOU. Im Hafen von KOLIMBÁRI, in der Nähe des KLOSTERS GONIÁ, machen wir eine kurze Mittagsrast, bevor es wieder zurück an unseren Strand geht.

Anderntags ist es fast windstill, blauer Himmel leuchtet über den Schneebergen und zeitweise klettert das Thermometer über den Tag hinweg auf fast 20 Grad C, kaum zu glauben. So brechen wir zu einer kleinen Runde in die Berge auf. Kaum ein paar Kilometer hinter der geschäftigen Stadt ist es wieder ruhiger. Weit verstreut liegen die weißen Häuser einiger Dörfer in den grünen Olivenhainen. Die gute und ausreichend breite Straße bringt uns hinauf in die Vorberge der LEFKÁ ÓRI. In den Dörfern ist nicht viel los, die wenigen und schönen Tavernen sind natürlich mangels Touristen alle geschlossen. Der ersten Mandelbäume blühen und die Bienen sind schon fleißig am sammeln. Die Ebene ist ausgefüllt mit einer Million Orangenbäumen, über deren dunkelgrünen Krone mit den leuchtenden reifen Früchten erheben sich die tief verschneiten Berge. Große bunte Kirchen überragen die Häuser der kleinen Ortschaften. Inmitten eines Orangenhains steht völlig einsam ein altes Kirchlein, das mit über 800 000 €, davon 80 % aus EU-Mitteln, aufwendig restauriert ist.

Nach einer Woche brechen wir wieder auf und verlassen unsere malerische Bucht. Wir begrüßen die morgendliche Schwimmgruppe, die Damen baden heute auf der anderen Seite, und fahren dann durch enge Schluchten und über die Berge in den Süden nach PALEOCHÓRA. Nach einigem Suchen kommen wir beim venezianischen Kastell, es stehen nur noch die Grundmauern, auf ein aussichtsreiches Plateau mit herrlichen Blick auf die Ortschaft, das Meer und die schneebedeckten Berge. Der Himmel trübt sich zusehends mit Saharastaub ein und der Südwind legt wieder zu. Schnell finden wir in der Ortschaft an der Promenade hinter mächtigen Tamarisken einen windgeschützten Platz. Es hat ja auch sein Gutes, im Winter unterwegs zu sein. Viele Menschen grüßen uns freundlich, auch die Polizei, und wir können überall ungestört stehen bleiben.

4 Gedanken zu “Immer noch in Chaniá

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