In der Piratenbucht

Schon gestern bei der Fahrt zum Strand von FALÁSSARNA hat das linke Vorderrad rhythmisch geklaggert, aber es war kein Stein im Reifen zu finden. Am Morgen auf der Einkaufsfahrt nach KÍSSAMOS ist das Geräusch immer noch da. Bei einem Stopp sehen wir, dass wieder ein Nagel im Reifen steckt; mittlerweile der dritte in KRETA. Das kann doch kein Zufall sein und so sinnen wir fantasiereich über Verschwörungstheorien nach. Doch auch heute finden wir gleich eine Werkstatt, der Reifen ist schnell repariert und wir können beruhigt einkaufen.

Unser heutiges Ziel ist der nordwestliche Zipfel KRETAS, die lang gestreckte und karge HALBINSEL GRAMVOÚSA. Um den Parkplatz zu erreichen, müssen wir ein 8 km lange Piste meistern. Sie ist zwar ausreichend breit und nicht allzu steil, aber es schüttelt uns doch gehörig durch. Ein einziger Leihwagen steht dort, während der Saison sollen es tausende sein. Wir laufen die paar Meter hinunter zum paradiesischen Strand von BÁLOS. In vielen Blau- und Türkistönen leuchtet das flache Wasser der fast kreisrunden Lagune. Auf einer der vorgelagerten Inseln bauten die Venezianer eine Festung, die sie schließlich den Osmanen überlassen mussten. Diese nutzten die Insel kaum, sodass sich kretische Aufständische hier verschanzen konnten. Zeitweise sollen dort 3000 Menschen gelebt haben. Abgeschnitten vom übrigen KRETA überfielen sie über Jahrhunderte hinweg vorbeifahrende Schiffe, um ihren Lebensunterhalt zu sichern. Ganz nebenbei sollen sie einen großen Reichtum angehäuft haben, den sie in den Höhlen versteckten. Deshalb nennt man BÁLOS auch die Piratenbucht. Erst die britisch-französische Flotte machte dem Treiben ein Ende. Überstürzt flohen die Piraten und mussten dabei ihre Beute zurücklassen. Die Schätze sollen heute noch in den Höhlen versteckt liegen.

Um vielleicht die ein oder andere goldene Münze zu finden, springen wir über die spitzen Felsen des „Pfannenstiels“, die leider von viel Teer überzogen ist, hinüber zum KAP TIGÁNI. Unter dem kleinen Hügel breitet sich die malerische Bucht aus, gut sind die beiden GRAMVOÚSA-INSELN zu sehen, die eine heißt „Die Zahme“, die andere „Die Wilde.“ Langsam setzt sich die Sonne durch, es wird warm und ein Pool mit vielleicht 18 Grad C warmen Wasser lädt zum Schwimmen ein. Die Nackenhaare ziehen sich nicht zusammen und wir planschen gute zehn Minuten im blauen und sagenhaft klaren Wasser.

Am nächsten Morgen besuchen uns zutrauliche Ziegen, die sogar Orangenschalen fressen.

Nachdem für Nachmittag Regen angesagt ist, macht sich Peter schon frühzeitig auf den Weg zum KAP VÓUXA, der Nordspitze der Halbinsel und KRETAS. Auf dem Rückweg überzieht sich der Himmel bereits mit Schleierwolken, die immer dichter werden. Am Abend legt der Wind zu und es regnet zeitweise heftig, bei Blitz und Donner. Wir verziehen uns in den Windschatten eines Kiosks.

Am nächsten Tag ist der Südwind fast eingeschlafen und wir stehen im diffusen Nebel, das Wasser unter uns ist nur zu erahnen. So holpern wir die Piste, die stellenweise einem Bach oder See ähnelt, langsam zurück und warten den Regen, der viel Sand mit sich bringt, im Hafen von KÍSSAMOS ab. Immer wieder spitzt die Sonne durch die Wolken und schafft eine fast gespenstische Stimmung. Zum Wochenende hin soll fast den ganzen Tag die Sonne scheinen, 

6 Gedanken zu “In der Piratenbucht

  1. Da sind wir aber beruhigt das auch andere die Reifenflickwerkstätten das Überleben sichern. 😆
    Wenn dort noch sooviele Schätze versteckt sind, sollten wir doch nach Kreta kommen, einen kl Schatz ansammeln für die nächsten Reparaturen und Tavernen besuche. 🍷

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    • Danke für die Information, wer immer Sie auch sind. Die Temperaturangabe ist zugegeben rein subjektiv. In Chaniá hatte das Wasser laut den Kretern 14 Grad C. Um nicht als Weichei dazustehen, bin ich rein und gleich wieder raus. In Stavrós in der seichten Bucht gingen einige Schwimmzüge, aber die Nackenhaare stellten sich auf, es waren gefühlte 16 Grad C. In der Piratenbucht war ich 10 Minuten im knietiefen Wasser, ohne aufgestellte Nackenhaare und es war richtig angenehm (wobei manche ja erste ab 25 Grad C ins Wasser gehen). Also sind das für mich gefühlte 18 Grad. Schön, dass Sie unsere Berichte so aufmerksam lesen.

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