Wander-und Strandtage

Der Windgott Boreas siegt über den Südwind und vertreibt den Sand und die tief hängenden Wolken vom Himmel. Nachdem der Nordwind in den nächsten Tagen stärker werden soll, verziehen wir uns lieber in den Windschatten der Berge und fahren an die Südküste ins verschlafene SOÚGIA. Die Kreter sagen uns, dass es hier im Winter auch immer ein paar Grad wärmer ist. Das liegt wohl am Föhneffekt, den wir gut von unseren Alpen kennen. Direkt an der Promenade finden wir einen windgeschützten Platz. Von hier sind die starken Windböen gut zu beobachten, wie sie die Wasserfontänen auf das offene Meer hinaus treiben.

Am nächsten Morgen weckt uns ein strahlend blauer Himmel mit ein paar malerischen Wolken über der Insel GÁVDOS. Ein dicker Bus kommt bereits um 7 Uhr und nimmt ein paar Rucksacktouristen und Schüler mit. Gegen 9 Uhr erreicht die Fähre von PALEOCHÓRA den kleinen Hafen und legt scheppernd an; sie fährt wahrscheinlich bis CHÓRA SFAKÍON weiter und nimmt zehn PKW und Kleinlaster mit auf die kurze Reise.

Peter macht sich auf den Weg zu einer grünen Oase am Meer. Gleich hinter dem Hafen führt ein uralter Pfad unter überhängenden Felsen durch eine felsige Geröllschlucht. Mächtige, vom Steinschlag und dem Wind arg geschundene Aleppokiefern stehen im Talgrund und behaupten sich seit hunderten von Jahren. Steil führt ein Saumpfad aus dem engen Tal hinauf zu einer kargen Hochfläche, auf der nur noch wenige Bäume zwischen den stacheligen Igelpolstern dem Wind trotzen. Schon bald liegt das weite grüne Rund der antiken Stadt LISSÓS unter mir. Ein befestigter Maultierpfad windet sich mit mehreren Serpentinen durch die steilen Felsen hinunter in die grüne Oase. Hier stehen die Ruinen einer antiken Siedlung, in der eine berühmte Heilquelle sprudelte und der Asklepios-Tempel, von dem noch das Mosaik gut erhalten ist, bestimmt Heilsuchende anzog. Die Reste eines kleinen Theaters liegen versteckt zwischen alten und knorrigen Olivenbäumen, einige tonnenartige Gewölbe halten die Archäologen für römische Grabstätten. Ich streune durch die alten Steinhaufen bis hinunter zum kleinen Kiesstrand. Überall suchen kleine Ziegenkitze, einige frisch geschlüpft, kläglich rufend ihre Mutter. Zur Mittagszeit wird es hier im windgeschützten Tal richtig warm und ich komme auf dem Rückweg zur Schlucht richtig ins Schwitzen. Ich folge der Schlucht noch ein Stück weiter hinauf und kehre über eine kleine Hochfläche, mit tollem Blick über die Südküste, nach SOÚGIA zurück. Am Ende de Wanderung lädt eine Kirche mit Aussicht zu einer letzten Rast ein.

Am nächsten Morgen färbt die aufgehende Sonne die dünne Wolkendecke blutrot. Das sind immer die Momente, die uns einfach begeistern. 

Nachdem die Versorgung hier im spärlich besiedelten Süden recht dürftig ist, fahren wir zum Wochenende zurück in den Norden. Auf dem Weg dorthin macht Peter noch einen genussreichen Spaziergang über alte Kalderimi. Startpunkt ist die Ortschaft AGÍA IRÍNI am oberen Zugang der gleichnamigem Schlucht. Gemächlich führt der Weg über den breiten und gepflasterten Weg hinauf zu einer kleinen Anhöhe, über der sich die weißen Flanken der LEFKÁ ÓRO auftürmen; der Berg könnte der 2080 m hohe GÍNGILOS sein. Weiter geht es durch die malerische FIGOU-SCHLUCHT, in der Reste von Häusern der Wachposten kretischer Widerstandskämpfer stehen. Der letzte Kilometer führt an dem munter plätschernden Bach der AGÍA IRÍNI entlang, zurück zum Ausgangspunkt.

Nach dem unsere Vorräte wieder aufgefüllt sind, finden wir uns wieder an der kleinen Halbinsel bei CHANIÁ ein. In der kleinen Kapelle findet eine Hochzeit statt, alle Parkplätze sind mit den Autos der Gäste belegt. Der Wind ist mittlerweile fast völlig eingeschlafen, die Wellen plätschern ganz sanft an die beiden Strände. Als es finster wird, sind wir wieder ganz alleine an dem schönen Ort. Am Sonntag finden sich bei gleich schönem und ruhigem Wetter wieder viele Badende, Hundeausführer und Spaziergänger ein.

Am Montag gilt unser erster Besuch dem Lidl, es gibt bayerische Spezialitäten: Weißwürste mit original Händlmaier-Senf und Leberkäs. Dann sind wir schon früh am Tag an der runden Bucht von STAVRÓS. Wir nutzen Sonne und Wind, um einige Sachen zu waschen. Ins Wasser gehen wir trotz einiger schwimmender Kreter nicht, es ist sogar dem Peter viel zu kalt. Im Windschatten vom Dicken lässt es sich bei moderatem Westwind gut aushalten. Über dem blauen Wasser der Lagune erheben sich mächtig die dick mit Schnee überzogenen Kolosse der LEFKÁ ÓRI.

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