BADEN UND WANDERN

Am frühen Sonntagmorgen fahren wir weiter nach CALVI. Ferdinand Gregorovius schreibt über diesen Ort von einer „fast märchenhaften Weltverlassenheit„. Davon ist heute nichts mehr zu spüren; der Tourismus hat CALVI fest in der Hand. So belassen wir es wieder einmal bei einer motorisierten Ortsdurchfahrt. Schon kurz hinter dem Ort wird es einsam, nur noch die Maccia überzieht die roten Berge. Ein paar Häuser und ein kleines Hotel stehen an der weiten Bucht von ARGENTELLA. Hier, wo einst Silber abgebaut wurde, wollten die Franzosen ein Testgelände für unterirdische Atombombenversuche einrichten. Dank des heftigen Widerstands der Bevölkerung scheiterte das Projekt. Die Straße ist nun schmal und die Löcher im Teer häufen sich (was gut für die Waschtrommel auf dem Heckträger ist). Gottseidank sind heute wenig Autos und Motorräder unterwegs. So können wir den ein oder anderen Blick in die Tiefe wagen.

Schon bald am Tag erreichen wir das malerische Tal des FANGO. Wir probieren den ein oder anderer Parkplatz aus und bleiben nach etwa fünf Kilometern an einem weitläufigem Picknick-Gelände stehen. Leider ist das Parken nur am Tag erlaubt. Dennoch genießen wir den Schatten der mächtigen Bäume und das frische glasklare Wasser. Am Talschluss thront die mächtige PAGLIA ORBA mit ihrem markanten Gipfel.

Am Nachmittag fahren wir das schöne Tal wieder zurück bis nach GALÉRIA an die Küste. Doch hier wollen sie 20,- € für eine staubigen Platz, sonst ist das Parken mit Wohnmobilen überall im Ort verboten. So fahren wir wieder ein Stück zurück und schwenken auf eine große Freifläche direkt am trockenen Bachbett des FANGO ein. Der Blick auf die Bergkette mit der PAGLIA ORBA ist grandios, anfänglich verstecken sich die vielen Gipfel noch hinter Wolken, im letzten Sonnenlicht strahlen die Felsen im zarten Rosa. Mit dem ersten Licht wachen wir auf und werden mit einem farbenprächtigen Sonnenaufgang belohnt. Die Bergkette um die PAGLIA ORBIA erscheint wie ein Scherenschnitt. Das gestern vom Peter als vermeintlichem Schneerest identifiziertes weißes Feld ist nun doch das Loch im Felsen.

Die Straße ist nun wieder breiter, der Mittelstreifen markiert nun wirklich zwei ausreichend befahrbare Streifen. Kurz vor dem COL DE LA CROIX parken wir auf dem Seitenstreifen, direkt auf der Passhöhe ist uns mittels Höhenbeschränkung das Parken verwehrt. Peter schnürt seine Wanderschuhe und macht sich auf den Weg zu einer kleinen Tour. Die ersten Meter führen über eine breite Piste, bevor der Pfad sich fast senkrecht den Berg hinauf windet. Der Südwind schafft wieder viel warme Luft heran, dementsprechend schnell ist das T-Shirt patschnass. Viele Steinmännchen markieren den aussichtsreichen Weg. Rechter Hand liegt die Bucht um das autofreie GIROLATA, das nur mit dem Boot oder zu Fuß erreichbar ist; linker Hand liegt der GOLF VON PORTO in der Morgensonne. Das Wasser in den vielen kleinen Buchten glitzert wie tausend Diamanten. Schwer schnaufend und aus allen Poren schwitzend erreiche ich die PUNTA CASTELLACCIU. Der Rundumblick entschädigt wieder einmal für die Mühen. Die Felsen leuchten im kräftigen; fast unwirklichem Rot, das Wasser ist tiefblau, der Ausblick in die Berge Korsikas mit der markanten PAGLIA ORBIA grandios. Den weiteren Weg zum nächsten Gipfel spare ich mir, obwohl ein französisches Paar mich dazu animieren will. So laufe ich genussreich denselben Weg zurück.

Für einen Übernachtungsplatz müssen wir nicht lange suchen. Durch ORSANI fahren wir auf guter Straße hinunter zur PLAGE DE GRADELLE. Unter einem ausladenden Baum finden wir einen schönen Schattenplatz mit Blick auf den Turm von PORTO und die markanten Berge der CALANCHE. Wir hängen noch eine erste Trommel Wäsche auf und stürzen uns dann ins klare und warme Wasser. Nach und nach kommen noch einige Wohnmobile, doch der Platz ist groß genug für uns alle.

Am nächsten Tag wandert Peter auf einem Pfad die Küste entlang. Die nächste Bucht, die PLAGE DE CASPIO ist auch mit dem Auto erreichbar, die nächste nur zu Fuß. Ein schmaler Kiesstreifen mit glasklarem warmem Wasser lädt zum Baden ein. Schnell ist der Schweiß der Wanderung abgewaschen. Zurück geht es sich gemütlicher, bis auf einen kleinen Umweg, weil ich eine Abzweigung übersehe und hinauf in die Berge laufe. Doch nach einigem Hin und Her ist der richtige Pfad gefunden.

Ein Gedanke zu “BADEN UND WANDERN

  1. Bei diesen Bildern werde ich schon etwas neidisch, hat und doch der Herbst mit vielen Wolken und Regen fest im Griff. Aber wir haben nach Regen gerufen und nun müssen wir ihn hinnehmen …
    Habt eine gute Zeit! Liebe Grüße 🙂 .

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