IM LAND DER KATHARER

Die Katharer waren Anhänger der bekanntesten und radikalsten, antiklerikalen Strömung des mittelalterlichen Christentums. Eines ihren Zentren lag in Okzitanien, wo sie auf steilen Bergkuppen in schier uneinnehmbaren Festungen ihre Stützpunkte und Fluchtorte hatten. Für die Kirche stellten die Katharer eine gefährliche und völlig neue Bedrohung dar, da der Versuch unternommen wurde, eine Gegenkirche zu etablieren. Viele kriegerische und kirchliche Versuche scheiterten, die Bewegung zu stoppen. So rief Papst Innozenz III. den Albigenzerkreuzzug aus. Die vollständige Vernichtung der Katharer übernahm danach die neu geschaffene Inquisition.

Wir beginnen unsere Entdeckungsreise in Quérigut. Von hier führen alte Wege durch den Donezan, einer kleinen Bergregion, die sich als Kleinkanada bezeichnet, zum Château d’Usson. Hier fanden sechs Katharer am 15. März 1244 eine allerletzte Zuflucht. Der letzte Burgherr landete nach einem Inquisitionsprozess in Perpignan auf dem Scheiterhaufen.

Auf der 1200 Meter hohen Bergkuppe Pog stand die Burg Montségur (sicherer Berg), die wohl bekannteste Festung der Katharer. Königliche Soldaten und erzbischöfliche Kreuzritter belagerten 1243 die Burg. Nach zehn Monaten gaben die Belagerten auf. Nach einer Waffenruhe von 15 Tagen mußten die Katharer wählen: entweder ihrem Glauben abschwören oder auf den Scheiterhaufen gehen. Am 16. März 1244 starben 220 Katharer in den Flammen. Damit endete der Krieg gegen die Albigenser, wie diese Gläubigen auch genannt wurden.

Keine Katharerfestung, aber ebenso im Albigenserkreuzzug zerstört, ist die Burg Roquefixade. Ein aussichtsreicher Wanderweg führt über den Grat, an dessen einen Ende die Ruinen stehen. Am Horizont erhebt sich der Pog mit der Burg Montségur.

Ein paar Impressionen am Rande.

Die Besitzer der Burg Puivert sympathisierten mit den Katharern, deswegen sie als Häretiker galten. Nach nur dreitägiger Belagerung kapitulierte die Besatzung. Nach der Zerstörung wurde sie im 14. Jahrhundert komplett neu errichtet. Roman Polański drehte hier mit Johnny Depp einen Film.

Die größte Festung der Katharer war die Burg Peyrepertuse. Auf drei Ebenen erstreckt sie sich auf 300 Meter Länge wie ein riesiges Schiff auf einem schmalen Felskamm. Von unten ist sie schwer zu erkennen, Burg und Felsen haben dieselbe Farbe. Der Burgherr schwor dem Anführer des Kreuzzuges den Treueid, so blieb die Burg unbehelligt. Da er aber später Widerstand leistete, ging der Besitz auf den französischen König über.

Dann bremst ein Sturm mit Böen über 100 km/h unsere weitere Entdeckungsfahrt. Windgeschützt hoffen wir auf ruhigeres und auch wieder wärmeres Wetter.

3 Gedanken zu “IM LAND DER KATHARER

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