Griechenland unter Hitler Das Leben während der deutschen Besatzung 1941 – 1944

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Schon in den ehemals jugoslawischen Ländern wunderten wir uns über Kriegerdenkmäler, die meist an die Partisanen des Zweiten Weltkriegs erinnern. Die Aufständischen unter Titos Führung kämpften gegen die Deutsche Wehrmacht, die auf dem Weg nach Griechenland auch dieses Land besetzte. Was wollten die Deutschen in Griechenland?

Ursprünglich hatte der Feldzug nach Griechenland keine große strategische Bedeutung. Rumänien gestattete den Deutschen die Nutzung der Ölvorkommen. Mussolini befürchtete eine Vormachtstellung der Deutschen auf den Balkan und drohte 1940 von Albanien aus den Griechen. Er forderte die Abtretung der Stadt Ioánina und der Küste des Epirus für italienische Stützpunkte. Die Regierung antwortete mit einem Wort „ochi“ – nein. Seither ist der 28. Oktober Nationalfeiertag der Hellenen. Mussolini konnte sich das natürlich nicht gefallen lassen und griff mit 125 000 Soldaten an. Das Griechische Heer wehrte sich tapfer und warf die Angreifer zurück. Diese Niederlage einer Achsenmacht konnte nun Hitler seinerseits nicht auf sich sitzen lassen. Im letzten Blitzangriff des Weltkriegs marschierte die Wehrmacht in Griechenland ein. Italien und Deutschland teilten daraufhin Griechenland auf und beuteten es systematisch aus. Im Winter 1942/43 kam es zu einer Hungersnot, bei der 300 000 Menschen starben. Nachdem Italien kapitulierte, übernahmen die Deutschen die Besetzung ganz Griechenlands. Da Hitler nach der Niederlage in Afrika eine Invasion der Alliierten über den Balkan erwartete, wurden die Truppen weiter verstärkt. Als die Alliierten in Sizilien landeten, zogen 300 000 Soldaten nach Norden in die bedrohte Heimat.

Mark Mazower, Professor für Geschichte, beschreibt in seinem Werk einerseits die Handlungsweisen der deutschen Besatzer, deren systematischen Ausbeutung der Bevölkerung, die unvorstellbaren Greueltaten an den Zivilisten und die Deportation der Juden nach Auschwitz. Anderseits zeigt er auf, in welcher politischen Situation sich Griechenland vor dem Krieg befand, wie der griechische Widerstand entstand und operierte und wie es nach dem Abzug der Deutschen zum Bürgerkrieg zwischen den griechischen Interessengruppen kam. Unverständlich bleibt, dass die Kämpfer für die Freiheit ihres Landes später als „Kommunisten“ verfolgt, eingesperrt oder sogar hingerichtet wurden, die Kriegsverbrecher und Kollaborateure meist straffrei blieben oder sogar Verantwortung in ihren jeweiligen Ländern übernahmen.

Will man sich mit der Geschichte eines Landes wie Griechenland beschäftigen, gehört hierzu nicht nur die aus unser Sicht heroische Zeit des Altertums und der Klassik, der Entwicklung der Wissenschaft und vielerlei Künsten, der Demokratie und die immer noch eindrucksvollen und sehenswerten Ruinen der Denkmäler, an deren Spitz natürlich die Akropolis. Dazu gehört auch die Geschichte der Deutschen im Zweiten Weltkrieg, die nicht gerade rühmlich ist. Deshalb ist ein Geschenk, wenn die beiden Völker sich mittlerweile achten und vielleicht und schätzen, auch wenn die jüngste politische Vergangenheit die ein oder andere Wunde wieder aufgerissen hat. Trotzdem werden wir nicht mit Waffen auf einander losgehen.