Karibik auf Kreta

Am Silvestermorgen weckt uns Petrus mit einem fulminanten Sonnenaufgang.

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Doch es heißt ja: „Morgenrot, schlecht Wetterbot‘.“ Zwar überzieht nur eine dünne graue Wolkenschicht den Himmel, durchsetzt mit kleinen blauen Flecken, doch gegen Abend schickt uns der Wettergott zum Jahresausklang heftigen Regen. Aber es bleibt genug Zeit für Peters Wanderung. Nachdem wir in ZAKRÓS in einem kleinen Lebensmittelladen das Nötigste für den Jahreswechsel einkauften, die Verkäuferin wünscht uns ein freundliches „A Happy New Year“, fahren wir hinunter nach KATO ZÁKROS ans Meer. Die Wanderung führt vorbei an den Ausgrabungen eines minoischen Palastes, es sind nur ein paar verwirrende Mauerreste zu sehen, und weiter hinauf auf eine kleine, äußerst karge Hochfläche. Die weißen Häuser von ZÁKROS leuchten inmitten dunkelgrüner Olivenhaine. Ein alter Maultierpfad schlängelt sich hinunter in die XEROPOTAMOS-SCHLUCHT, die dann fast unmerklich in das TAL DER TOTEN übergeht. Hier bestatteten in den vielen Höhlen die Minoer ihre Toten. Für den Jahreswechsel fahren wir zurück zum Strand von XERÓKAMPOS.

Natürlich sind wir vor dem Jahreswechsel wieder eingeschlafen. Doch pünktlich weckt uns ein Trommelwirbel, der Wind wirft dicke Regentropfen auf unseren Dicken und Zeus schleudert seine Blitze mit Donnergewalt in unsere Nähe. Am Morgen ist der Himmel wie sauber gewaschen, ein paar letzte Gewitterwolken lösen sich in den ersten Sonnenstrahlen im leuchtenden Blau auf.

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Nach den beiden gemütlichen Tagen in XERÓKAMPOS zieht es uns wieder ein Stück weiter. Wir durchqueren das noch verschlafene ZÁKROS und kommen nach PALÉKASTRO. Hier finden wir gleich am Strand einen Parkplatz für Susanne, während Peter seinen ersten Gipfel im neuen Jahr erklimmt. Der 255 m hohe PÉTSOFAS mit seiner tollen Aussicht bietet sich hier an. Der Weg beginnt in einem Olivenhain, in dem der Klee wie überall bereits im hellsten Grün leuchtet. Gemächlich zieht sich der Weg den Hügel hinauf, auf dem ein minoisches Gipfelheiligtum stand. Von diesem ist nichts mehr zu sehen, einzig viele Tonscherben, vielleicht Reste von Votivfiguren, sind zu entdecken. Prächtig ist der Rundumblick über die karge Landschaft und die weißen Häuser von PALÉKASTRO. Susanne wird unterdessen von einer Schar italienischer Motorradfahrer umringt. „Auguri, auguri“, schallt es ganz ungewohnt zu uns herüber. Die für einen Italiener wohl unverzichtbare Panettone gehört zum kurzen Picknick.

Nur ein paar Kilometer weiter finden wir bei der historischen Stadt ÍTANOS einen kleinen kuscheligen Strand mit Palmen und Tamarisken, ein erstes Gefühl von Karibik kommt auf. Ein paar Säulen einer frühchristlichen Basilika und Mauerreste der alten Stadt liegen versteckt zwischen den igeligen Büschen.

Das Wetter am Morgen ist besser als der Wetterbericht es voraussagte. Es ist gut, wenn von der 80 %-en Regenwahrscheinlichkeit die restlichen 20 % eintreffen.Wir fahren nur ein kurzes Stück in die Nachbarbucht, in ein kleines Naturwunder. Inmitten der steinigen und kargen Landschaft liegt der PALMENSTRAND VON VÁI. Der Sage nach landeten hier im Jahre 824 blutrünstige Sarazenen, verbrannten ihre Schiffe und so gab es kein Zurück mehr. Müde und hungrig verspeisten die arabischen Piraten ihre mitgebrachten Datteln und warfen die Kerne hinter sich. Nur kann diese Legende nicht ganz stimmen, die kretischen Palmen sind zwar auch Dattelpalmen, deren Früchte sind aber nicht genießbar. Wir haben noch ein paar türkische Datteln, mal schauen …

Gerade als wir ankommen, schiebt der Wind die Wolken für ein paar Stunden auf die Seite und macht der Sonne Platz, der Strand, das Wasser, die bunten Steine der Steilküste beginnen zu leuchten. Ganz alleine genießen wir diesen traumhaften Platz, so wird es wohl in der Südsee sein (vielleicht nur ein paar Grad wärmer).

Peter spaziert zu einer kleinen Bucht mit einem hohen Dünenstrand, der PSILOS AMMOS In allerlei Sprachen wird das textilfreie Baden erlaubt, doch heute lässt sich kein sonnenhungriger Badender nieder.

Zwei knorrige und verwachsene Bäume stehen inmitten der kargen Hänge und trotzen der Hitze, Trockenheit und dem fast ständigen Wind.

Dann fahren wir bis ans östliche Ende der Insel, die letzten Meter versperrt eine Militärkontrolle den weiteren Weg, am letzten Hügel steht eine Radaranlage. Nun tritt wohl die höhere Regenwahrscheinlichkeit doch noch ein, von Nordwesten schieben sich dunkelschwarze Wolken heran, die am Abend Wind und Regen mit sich bringen.

8 Gedanken zu “Karibik auf Kreta

  1. Liebe Susanne, lieber Peter,

    Herzliche Gratulation zu den traumhaft schönen Fotos!! Hoffentlich könnt ihr den Osten Kretas bei gutem Wetter geniessen.
    Wir sassen letztes Jahr einen Sturm auf dem Campingplatz von Koutsounari aus. Dort hat uns sehr gut gefallen, wie überhaupt auf Kreta. Griechenland ist ein empfehlenswertes Winterquartier, oder?
    Liebe Grüsse aus dem verschneiten Domleschg (Graubünden, Schweiz) nach Kreta

    Annette und Beat

    Gefällt 1 Person

    • Naja, das Wetter ist recht wechselhaft und regnerisch. Wir schauen etwas neidisch nach Südspanien. Andererseits haben die tollen Wetterstimmungen auch ihren Reiz, die Landschaft ist abwechslungsreich und wunderschön und da wir ja keinen Rückreisetermin haben, können wir ja bis zum nächsten Sonnenschein warten.
      Liebe Grüße in die winterliche Schweiz aus dem zeitweise frühlingshaften Kreta.

      Susanne und Peter

      Gefällt 1 Person

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