Herbstliche Farbenpracht

Der Vorteil des späten Sonnenaufgangs: wir erleben ihn. Staunend sehen wir dem Farbenspiel zu. Obwohl wir auf fast 2000 m übernachtet haben, ist es am Morgen gar nicht so kalt. Was haben wir für ein Glück mit dem herbstlichen Wetter. Wir sind genau zur richtigen Zeit hier unterwegs.

Dann zieht es uns auch schon wieder weiter. In ŽABLJAK kaufen wir in einem gut sortierten Supermarkt das Nötigste ein, quälen den PC mit einem furchtbar langsamen Internet und können doch unseren Lieben zu Hause Bescheid geben. (Die Bilder vom letzten Beitrag sind mittlerweile auch zu sehen, dank WiFi im Kosovo, dazu später.)

Wir fahren noch ein Stück der weiten Hochfläche entlang, bevor wir zur zweit längsten Schlucht der Welt und der längsten Europas kommen. Die TARA hat sich auf viele Kilometer in die Landschaft gegraben. Bei BUDEČEVICA überspannt eine elegante Brücke den tiefen Graben. Flussabwärts geht es nur mit dem Schlauchboot weiter, wir nehmen die breite Straße flussaufwärts. Laubbäume in ihrem herbstlichen Kleid und bizarre Nadelbäume wachsen an den steilen Hängen entlang des Naturschauspiels. Gemütlich schleichen wir die wenig befahrene Straße bis MOJKOVAC. Hier weitet sich das Tal und wir finden fast unmittelbar an der TARA einen aussichtsreichen Platz.

Schon kurz nach 8 Uhr sind wir am BIOGADSKO JEZERO, im gleichnamigen Nationalpark. Bereits 1872 stellt Fürst Nikola das BJELASICA-GEBIRGE unter seinen persönlichen Schutz. Es ist dadurch, nach dem Yellowstone-Nationalpark, das zweit älteste Naturschutzgebiet der Welt. Nachdem wir fünf tschechischen Mädels einen Kaffee gekocht haben macht Peter sich auf den Weg. Das Laub der Bäume glüht in den herbstlichen Farben, Peters Waden beim fast senkrechten Aufstieg über die kahlen Kuppen. Nach gut drei Stunden ist der 2033 m hohe RAZVRŜE erreicht, der Rundumblick zu den kosovarischen, albanischen und montenegrinischen Bergen einfach fantastisch. Sogar der runde Gipfel des BOBOTOV KUK, Vorgestern noch das Ziel, ist gut zu sehen. Auf dem Rückweg taucht der Weg wieder in den farbenprächtigen Laubwald ein. Manch einen der Giganten hat der Sturm oder das Alter gefällt. Dabei haben sie eine Bresche geschlagen, die Licht schafft und neues Leben ermöglicht. Ein leichter Wind lässt die bunten Blätter fallen, bald wird die bunte Pracht verschwunden sein. Was haben wir für ein Wetterglück, Peters Namenspatron sei Dank.

Montenegro, das Land der schwarzen Berge

Nach dem 13. Grenzübertritt erreichen wir den siebten Staat auf unserer Reise durch den Balkan: MONTENEGRO, das Land der schwarzen Berge. Die montenegrinischen Grenzer stören wir beim Frühstück. Mürrisch nehmen sie unsere Papiere entgegen und stempeln die Pässe ab. Auf die Frage, ob wir uns bei der Polizei melden müssen, zucken sie nur die Schultern.

Unser erstes Ziel ist die BUCHT VON KOTOR. Die BOKA, wie sie von den Einheimischen liebevoll genannt wird, zieht sich zwischen himmelhohen Bergen 30 Kilometer in das Land hinein. Flüsse haben in langer Zeit die tiefen Täler gegraben, die dann das Meer für sich vereinnahmt und die fjordähnliche Landschaft geschaffen hat. Dieses einzigartige Naturschauspiel lockt natürlich zu jeder Jahreszeit eine Menge Touristen an. So fahren wir der meist dicht bebauten Küste entlang und streifen einige Ortschaften wie HERCEG NOVI, RISAN und das bekannte KOTOR. Überall ist es eng und die Parkplätze meist belegt. Ab MUO wird die Straße einspurig und das touristische Treiben lässt sichtbar nach. In der alten Seefahrerstadt PRČANJ finden wir direkt am Meer einen aussichtsreichen Platz. Kinder toben um unser Auto herum, die Männer sitzen im Café, die Frauen treffen sich beim kleinen Lebensmittelladen. Wir schlendern durch den langgezogenen Ort und entdecken eine prunkvolle Kirche mit Friedhof sowie viele herrschaftliche Häuser. Manche sind stilvoll restauriert, andere warten noch auf zahlungskräftige Käufer. Der Ort war einst eine bedeutende Seefahrerbastion und zu ihrer Blütezeit bekannt für ihren zuverlässigen Postdienst. Hier lagen über dreißig Schiffe und hundert Kapitäne hatten Arbeit. Diese ließen sich die luxuriösen Häuser bauen.

Heute sind wir schon in der ersten Dämmerung wach und fahren bereits mit dem ersten Licht los. Die beiden Kircheninseln liegen noch im blauen Morgenlicht, davor eine kleine Kapelle an der Meerenge VERIGE. Dann schraubt sich unser Dicker brav in 25 engen Serpentinen die senkrechte Wand zum LOVČEN hoch. So früh am Morgen kommen uns gottseidank nur wenige Autos entgegen. Der Blick auf die BUCHT VON KOTOR belohnt die Anspannung. Tief unter uns liegt der malerische Meereseinschnitt, winzig wirkt das riesige Kreuzfahrtschiff.

Danach bleibt die Straße schmal, doch nun führt sie nur noch mäßig steigend durch herbstlichen Wald hinauf zum Wahrzeichen MONTENEGROS, den LOVČEN. Den 1660 m hohen JEZERSKI VRH, einer der beiden mächtigen Gipfel des Bergstocks, krönt zudem das Mausoleum von Petar II. Petrovič Njegoŝ. Der Schriftsteller, Denker, Philosoph, Bischof und auch Staatsoberhaupt wählte schon zu Lebzeiten diesen Berg zu seiner letzten Ruhestätte. Nach einigem Hin und Her bekam der 1851 gestorbene bedeutende Sohn Montenegros 1974 dieses pompöse Bauwerk für seine sterblichen Überreste gestiftet. Proteste wegen der immensen Kosten blieben nicht aus. Alleine die Njegoŝ-Skulptur wiegt 28 Tonnen und musste wie das gesamte andere Baumaterial mit den Hubschrauber befördert werden. Unbestritten hat er eine prächtige Aussicht auf sein Land. Von hier oben wird klar, das die Schwarzen Berge dem Land seinen Namen gaben. Über den Dunst ragen die über 2500 m hohen Gipfel in den Himmel, einige sind schon mit Schnee bedeckt. Im Norden ist der SKUTARISEE zu erahnen.

Schon wieder sind wir vor Sonnenaufgang wach, die Tage werden merklich kürzer und wollen genutzt werden. Es ist frisch geworden im Tal der CRNOJEVIČA, am Morgen belohnt der Fluss uns mit aufsteigenden Nebelschwaden. Nach der Besichtigung des noch verschlafenen Dörfchens mit der alten Brücke, fahren wir auf gut ausgebauter Straße die herbstlichen Hänge hinauf. Verwunschen liegt das Flusstal unter uns.

PODGORICA, früher TITOGRAD, liegt auch noch im sonntäglichen Morgenschlaf. Im 2. Weltkrieg zerstörten siebzig Luftangriffe die Stadt vollständig. Heute will sie sich modern präsentieren. Die 2005 eingeweihte Schrägseilbrücke MOST MILENIJUM überspannt elegant den Fluss MORAČA. Das älteste erhaltene Bauwerk ist die Kirche SVETI ĐORĐE, erbaut im 12. Jh. mit Hilfe riesiger Steine von antiken Bauten. Zur Sonntagsmesse ist das Gotteshaus bis auf den letzten Platz gefüllt.

An der Mündung der ZERTA in die MORAČA ließen sich erst die Illyrer nieder, dann übernahmen die Römer die Stadt DIOCLEA. Das weitläufige Ruinenfeld vermittelt noch immer einen Eindruck der einstigen Größe. Dann folgen wir dem weiten Tal der ZETA nach Norden. Eine kleine orthodoxe Kirche liegt am Wegesrand, das Kloster OSTROG klebt wie ein Schwalbennest in einer Felsnische. Ein paar Kilometer hinter NIKŜIĆ finden wir auf einer Wiese neben einem namenlosen Bach wieder einmal ein kleines Paradies für die Nacht.

Es ist wieder einmal Zeit für eine Wanderung. Durch eine bezaubernde herbstliche Landschaft fahren wir hinauf zum Schiort ŽABLJAK, im 2. Weltkrieg hart umkämpft und fast völlig zerstört; heute strahlt er vergangenen sozialistischen Charme aus. Kurz hinter der höchst gelegenen Stadt Montenegros beginnt der Nationalpark des DURMITOR-GEBIRGES, seit 1980 UNESCO-Weltnaturerbe. Peter schnürt seine Wanderschuhe und macht sich auf den Weg zu zweien der vielen Gletscherseen. Im CRNO JEZERO, dem SCHWARZEN SEE, spiegeln sich die bunten Laubbäume und die mächtigen, bereits mit Schnee bedeckten, Berge. Durch finsteren und kühlen Nadelwald, streckenweise durch Schneereste, wandere ich einem kleinen Bach entlang hinauf zum ZMINJE JEZERO. Erst bin ich etwas enttäuscht, grünes trübes Wasser liegt inmitten einer Senke. Doch am anderen Seeende tut sich ein wunderbares Panorama auf: im wellenlosen Wasser spiegeln sich wieder die dunklen Nadel- und farbigen Laubbäume vor den hohen Berge. Nach einem weiteren Kilometer erreiche ich eine verlassene Alm CREPULJ POLJANA, die wunderbar in der Sonne liegt. Hier stärke ich mich mit einem kühlen Bier und Susannes Vesper und genieße die herbstliche Wärme. Erst als die Sonne hinter den Bergen verschwindet wandere ich genussvoll den selben Weg zurück.

Noch ein Wandertag. Heute soll es der höchste Gipfel MONTENEGROS sein, stolze 2523 m ragt er in den Himmel. Wir fahren nur ein paar Kilometer auf enger aber guter Straße hinauf auf über 1900 m Höhe zum SEDLO PASS. Schon der Ausblick von hier oben ist grandios. Zu Susannes Beruhigung sind schon einige Wanderer unterwegs. Peter macht sich schon früh auf den Weg, wieder gut versorgt mit Vesper und einer Dose Bier. Der Wanderweg startet gemütlich über einen Wiesenhang, bevor die erste Scharte mit etwas Klettern zu bezwingen ist. Dann führt der Steig hügelauf und hügelab, manchmal über kleine Schneefelder, durch herbstlich gelbes Gras. Rechter Hand erheben sich steile Felszacken, die Wände vom Gletscher glatt geschliffen. Gegenüber haben sich die Gesteinsschichten wie Wellen verformt. Dann steht er vor mir, der runde Felsklotz des BOBOTOV KUK. Noch einmal geht es durch riesige Felsen hinunter zu einem kleinen Gletschersee, bevor der letzte steile Aufstieg beginnt. Auf einem letzten Sattel ist dann Schluss für mich, der weitere Weg ist mit Eis und Schnee bedeckt. So genieße ich 50 m unter dem Gipfel die fantastische Aussicht in die herbstliche Bergwelt.

Dubrovnik, die Perle der Adria

Heute gehen wir wieder einmal eine Stadt besichtigen: DUBROVNIK, die „Perle der Adria“, wie sie auch genannt wird. Deshalb ist sie auch bereits seit 1979 UNESCO-Weltkulturerbe. Dies hielt die serbische Armee jedoch nicht ab, die Stadt zu belagern. In 1991 verbrachten die Einwohner drei Monate ohne Wasser und Strom in den Kellern. Fast alle Dächer und die Brunnen wurden zerstört. Doch davon ist heute nichts mehr zu sehen und DUBROVNIK ist wieder eines der beliebtesten Urlaubsziele.

Schon bei der Anfahrt staunen wir über die mächtige Stadtmauer, die bis zu 6 m dick und 25 m hoch ist. Etwas außerhalb und gut 200 m über der Stadt finden wir einen kostenlosen Parkplatz (im Zentrum sind alle belegt und kosten bis zu 10,- € die Stunde) mit fantastischem Ausblick auf die Insel LOKRUM und die Altstadt. Von hier erobern wir die Stadt mit dem Rad. Nach der leichten Parkplatzsuche machen wir uns zu Fuß auf den weiteren Weg. Staunend laufen wir der riesigen Stadtmauer mit dem tiefen Graben entlang (fast so imposant wie unser Nürnberg). Wir kommen durch das PILA-TOR in die Altstadt und stehen gleich vor dem sechseckigen GROSSEN ONOFRIO-BRUNNEN, zu dem eine zwölf Kilometer lange Wasserleitung führte. Die Prachtstraße PLACA, einst ein Meeresarm, nun zugeschüttet, teilt die Stadt in zwei Hälften. Links und rechts führen enge und steile Gassen die Hügel hinauf. Je mehr Treppen wir erklimmen, desto einfacher sind die Häuser. Die Bewohner kommen vom Einkauf, sitzen Zeitung lesend vor dem Café oder hängen ihre Wäsche über der Straße zum Trocknen auf. Wir schlendern gemütlich durch die Gassen, bewundern Kirchen, Fresken, Brunnen und entdecken so manchen stillen Ort. Gegen Mittag wird es wieder recht warm und voll in der Stadt. Nun gilt es die 200 Höhenmeter mit dem Rad zu erklimmen. Schwitzend und schnaufend oben angekommen umlagern unseren Dicken Heerscharen italienischer und japanischer Touristen. Wir befürchten schon, sie steigen ihm aufs Dach, um einen besseren Fotostandpunkt zu haben.

In den nächsten Tagen verlassen wir KROATIEN und die EU und fahren nach MONTENEGRO, ALBANIEN und MAZEDONIEN. Da dies keine EU-Länder sind, werden die Blogbeiträge demnächst etwas zeitverzögert kommen; aber sie kommen, spätestens wenn wir GRIECHENLAND erreichen.

Ruhige Tage auf der Halbinsel Peljeŝac

Nach den vielen Kilometern in BOSNIEN UND HERZEGOWINA lassen wir es auf der Halbinsel PELJEŜAC gemütlich angehen. Zwischen hohen Karstbergen eingezwängt liegen geschützt große Rebfelder, die schon ihr herbstliches Kleid angezogen haben. Unzählige Winzer bieten in einfachen oder ganz schicken Läden ihre Köstlichkeiten an. In einem bekommen wir nur Flaschenwein, ein kleiner Familienbetrieb verkauft uns für 25 Kn den Liter einen guten offenen Roten. Dann erklimmen wir einen Pass und sehen auf der Meerseite viele kleine und große Inseln, in deren Mitte das mittelalterliche Städtchen KORČULA auf der gleichnamigen Insel in der Sonne leuchtet. Marco Polo soll im Jahre 1254 hier geboren worden sein. Nun führt uns die enge Straße meist unmittelbar am hellblauen Wasser weiter an die Nordspitze bis LOVIŜTE. Vorbei an vielen kleinen Autocamps finden wir ganz am Ende der Straße einen Platz für unsere Siesta und ein erfrischendes Bad. Für die Nacht suchen wir den Pass mit Blick auf KORČULA auf. Später erhellt der Mond die Szenerie, am Morgen lässt die Sonne die Inselwelt im warmen Licht erglühen. Den Besuch der beliebten Nachbarinsel verkneifen wir uns, als wir bereits am frühen Morgen die Massen sehen, welche das Schiff für die Überfahrt stürmen. So fahren wir noch ein Stück weiter zum Fährhafen TRPANJ, dessen Eingang eine Marienstatue bewacht. Hier ist es überraschend ruhig und der Parkplatz neben einem schönen Kiesstrand zudem kostenlos, was in KROATIEN eine Seltenheit ist. Nach drei geruhsamen Tagen verlassen wir die Halbinsel und finden schon nach ein paar Kilometern in der kleinen Bucht VELIKI ŽALI einen einsamen weißen Traumstrand mit hellblauen klaren Wasser

.

Eine schnelle Runde durch Bosnien und Herzegowina

Nach einer ersten kurzen Runde fahren wir nun zum zweiten Mal hinein nach BOSNIEN UND HERZEGOWINA. Dieser Staat ist immer noch zweigeteilt und setzt sich aus zwei Entitäten zusammen: der bosnisch-kroatischen Föderation Bosnien und Herzegowina und der Republika Srpska (Serbische Republik), deren Regierungsformen sich stark unterscheiden. Hier wütete der Krieg zwischen den einzelnen Bevölkerungsgruppen, uns sind die Meldungen über die „ethnischen“ Säuberungen noch gut in Erinnerung. Obwohl nun in einem Staat lebend, fühlen sich auch heute noch die Serben und Kroaten ihren Mutterstaaten stark verbunden. Wir fragen uns, was diesen Staat zusammenhält.

Die Grenzkontrollen sind schnell absolviert, wir müssen uns auch nicht bei der Polizei melden, wie es in der Information des Auswärtigen Amtes heißt. Unser erster Halt gilt MEĐUGORJE. Die Stadt ist bei den Pilgern sehr beliebt, obwohl der Vatikan die Wallfahrtsstätte bis heute nicht anerkannt hat. Unweit des Ortes erhebt sich der 520 m hohe Kreuzberg, zu dem ein Kreuzweg mit den üblichen zwölf Stationen hinaufführt. Am Fuße des Berges herrscht ein Stimmengewirr, wobei das Italienische deutlich dominiert. Viele Pilger allen Alters machen sich betend und schwitzend auf den steinernen und beschwerlichen Weg, manche sogar barfuß, hinauf zu dem riesigen weißen Kreuz.

Es ist noch nicht Mittag, da sind wir schon in MOSTAR, das durch seine ALTE BRÜCKE in aller Welt bekannt ist. Sie ist das Wahrzeichen der Stadt und ein Meisterwerk der osmanischen Baukunst. Am 24. November 1557 wurde der Grundstein gelegt, neun Jahre später war sie vollendet. Der Baumeister Hajrudin soll vorher schon sein Grab ausgehoben haben, da er fürchtete, die Brücke könnte einstürzen und er dadurch seinen Kopf verlieren. Diese Strafe drohte ihm der Bauherr Sultan Süleyman. Die Brücke stürzte erst 427 Jahre später, am 9. November 1993, in den Fluss NERETVA, den sie elegant überspannte. Dazu war der stundenlange Beschuss durch kroatische Panzer notwendig. Mit Hilfe der UNESCO, der Weltbank und der Türkei wurde die Brücke wieder neu  gebaut und am 23. Juli 2004 eröffnet. Mit dabei war der Bosnienbeauftragte der Bundesrepublik, Hans Koschnick, der viel zur Wiedervereinigung der durch den Krieg geteilten Stadt beigetragen hatte. Ganz ist diese Trennung aber auch heute noch nicht überwunden: an dem einen Ufer stehen unzählige Moscheen, auf dem anderen die Kirchen.

Unser heutiges Tagesziel ist der auf fast 1 200 m Höhe liegende BLIDINJE SEE. Erst ist die Straße breit und gut und führt durch größere und kleine Orte. Dann stehen nur noch vereinzelt Häuser in der Landschaft und die Straße wird enger, bis der Teer in Schotter übergeht. Bergauf und bergab führt die steinige Piste über viele Kilometer und verlangt unserem Dicken so allerhand ab. Am Horizont schieben sich im Dunst die Bergketten übereinander. Nachdem wir eine letzte Hochebene durchfahren, auf der einsam einzelne Kühe stehen, und einen letzten Pass überquert haben, stehen wir einsam am höchst gelegenen See Bosniens.

Um der Kälte zu entfliehen, es hat am Morgen gerade einmal 5 Grad, sind wir schon wieder früh unterwegs. Auf einer Hochebene leuchtet gelbes Gras, vereinzelt stehen Nadelbäume in der weiten Fläche. Nicht weit von der Straße entfernt entdecken wir weiße mittelalterliche Grabsteine. Diese Stećci sind mit allerlei Ornamenten geschmückt, das schönste zeigt ein geflügeltes Pferd mit einer Schlange.

Auf einem Stück Schotterstraße, oh Schreck, windet sich die Straße hinab in ein Tal. An den Hängen leuchten die herbstlichen Laubbäume in der frühen Sonne.

Den ersten Halt machen wir in JABLANICA. Hier lieferten sich deutsche und italienische Einheiten mit den Partisanen Titos eine Schlacht. Trotz Unterlegenheit gelang es den jugoslawischen Truppen mit ihren Verletzen und vielen Zivilisten über die NERETVA zu entkommen. Sie sprengten dabei die Eisenbahnbrücke. Eine Nachbildung, für einen erfolgreichen amerikanischen Film (mit Starbesetzung) gebaut, liegt in den Fluten des Flusses, davor steht ein etwas in die Jahre gekommener Zug der Partisanen. Susanne entdeckt einige Stände mit der einheimischen Spezialität Burek. Wir stoppen und gönnen uns genussreich die Köstlichkeit, gefüllt mit Käse Spinat und Hackfleisch. Die Wirtin des Kiosks war während des Krieges fünf Jahre in Stuttgart und spricht gut deutsch.

Früh am Morgen besuchen wir einen weiteren Schauplatz des 2. Weltkrieges. Bei TJENTISTE, im tiefen Tal der SUTJESKA, standen sich in der einsamen Bergwelt 127 000 Soldaten der Achsenmächte und 18 000 Partisanen gegenüber. Trotz der hohen Überlegenheit der italienischen und deutschen Armee, die nach Griechenland unterwegs waren und zwischendurchTito ausschalten wollten, gelang es den Partisanen nach einem Monat schwerer Gefechte im letzten Moment zu entkommen. Danach unterstützten sie die Alliierten. 7 000 Soldaten ließen ihr Leben, an die 3301 Partisanen erinnert ein monumentales Denkmal.

Wir folgen weiter der tiefen Schlucht der SUTJESKA mit den bunten Hängen und erreichen nach langer Fahrt das Kloster ŽITOMISLIĆI. Es wurde 1566 noch unter osmanischer Herrschaft erbaut. Im 2. Weltkrieg plünderten kroatische Ustaŝa-Truppen das Kloster und töteten 550 Serben. Wieder aufgebaut zerstörten Truppen des Kroatischen Verteidigungsrates das Kloster im Juli 1992 erneut. Am 16. April 2005 konnte das wieder hergestellte Kloster mit all seiner bildlichen Pracht vom serbisch-orthodoxen Patriarchen erneut geweiht werden.

Nur ein paar Kilometer weiter erwartet uns ein UNESCO-Weltkulturerbe, das pittoreske Dorf POĈITELJ. Eine kleine Bucht der NERETVA nutzend, stehen viele renovierte Häuser in den steilen Kalksteinfelsen. Eine Moschee aus dem 16. Jh. dominiert das Stadtbild, zwei Burgen bewachten den Ort. Vom Bergfried, der über eine schauerlich steile Treppen bestiegen werden kann, ist der Blick auf die Ortschaft wunderbar.

Schneller als geplant verlassen wir BOSNIEN UND HERZEGOWINA wieder. Viel Landschaft gab es auf den 600 km der Rundreise zu sehen: tiefe Schluchten, steile Berge, weite Hochflächen und herbstlich bunter Laubwald, einmalige Bauwerke und Ortschaften und leider viel Müll entlang der Straße. Auch deshalb fanden wir keine wirklich einladenden Übernachtungsplätze. Dann trübte sich auch noch der Himmel ein und ließ es heftig regnen. Jetzt freuen wir uns auf ein paar ruhige und hoffentlich sonnige Tage an einem einsamen kroatischen Strand. Wir gehen auf die Suche nach einem geeigneten Platz.

 

Ohne Halt der Makarska-Riviera entlang

Die alte Seeräuberstadt OMIŜ liegt eingezwängt zwischen mächtigen Felsen am Fluss CETINA. Wir verlassen das Meer und folgen dem gemächlich dahinfließenden Wasser einige Kilometer flussauf ins Landesinnere. Bald finden wir mehrere schöne Plätze direkt am Fluss. Untertags kommen nur ein paar Paddler vorbei, die ihre Schlauchboote ins Wasser lassen. Wir genießen die Ruhe der Einsamkeit, jedoch nicht das kalte Wasser. Am nächsten Morgen liegen bei 7 Grad Nebelschwaden über dem Fluss.

So entfliehen wir der morgendlichen Kälte im Tal und suchen unseren gestrigen Traumstrand kurz hinter OMIŜ auf. Peter lädt den Roller ab, der nach einigen Fehlversuchen auch startet, und fährt ein paar Kilometer zurück und hinauf zum Weiler ČEĆUCI. Von hier geht es zu Fuß wieder einmal steil bergauf. Einige Hausruinen stehen am Weg, ein paar knorrige Eichen trotzen dem trockenen Klima. Der Weg ist steinig, oft geht es über die verwitterten weißen Felsen des Karstes, aber völlig überraschend meist im Schatten von Bäumen und Sträuchern. Völlig verschwitzt erreiche ich den 863 Meter hohen Gipfel KÜLA des Gebirgsstocks OMIŜKA DINARA, den ein einfaches Kreuz ziert. Tief unten liegt die Seeräuberstadt OMIŜ, gegenüber erstreckt sich die Insel BRAČ, im Nordwesten leuchten die Hochhäuser von SPLIT im Dunst. Über dem Gebirgszug MOSTOR, den wir vor zwei Tagen besuchten, bauen sich graue Wolken auf. Im Südosten ist MAKARSKA mit dem mächtigen BIOKOVO zu sehen, eines unserer nächsten Ziele.

Die Berge des mächtigen Gebirgszuges BIOKOVO rücken immer weiter ans Meer. Die Straße entlang der MAKARSKA-RIVIERA führt aussichtsreich durch die steilen Hänge in den Süden. Zwar gibt es viele Rastplätze entlang der viel befahrenen Straße, doch direkt am Wasser, anspruchsvoll wie wir sind, finden wir schwer einen Platz. Nach einigen erfolglosen Versuchen kommen wir am einladenden Strand von ŽIVOGOŠĆE BLATO für Mittag zum Stehen. Das Wasser ist blau und glasklar und hat noch gute 20 Grad, einige Bäumen spenden wohltuenden Schatten.

Dann ziehen wir weiter der imposanten Küste entlang, doch erst am Ende des BIOKOVO stellen wir uns hinter den paar Häusern von PERAČKO BLATO an den kleinen See PODGORO. In der Dämmerung treiben uns Heerscharen von kleinen Plagegeistern in die schützenden vier Wände unseres Dicken. Wenn ihr genau hinschaut, seht ihr unzählige der blutrünstigen Tiere am oberen Rand des letzten Bildes.

In den nächsten Tagen machen wir einen Abstecher nach BOSNIEN UND HERZEGOWINA. Nachdem dies kein EU-Mitglied ist, wird unser Blog für diese Zeit schweigen. Der Bericht kommt natürlich, wenn wir wieder zurück in KRAOTIEN sind. Bis dann.

Touristischer Trubel und erwanderte Einsamkeit

Wieder wachen wir unter einem blauen Himmel auf und steigen früh von unserem Aussichtsbalkon herunter. Vorsichtig nähern wir uns dem ausufernden SPLIT. Doch zuerst besuchen wir die Vorgängerin der Stadt, das antike SALONA, einst die Hauptstadt der römischen Provinz Dalmatien und Geburtsstadt des Kaisers Diokletian. Zu Zeiten Kaiser Augustus lebten hier 60 000 Menschen. Das Amphitheater hatte für 17 000 Besucher Platz. Im frühen Christentum war die Stadt ein wichtiges Zentrum des römischen Glaubens. Viele Märtyrer fanden hier ihre letzte Ruhestätte. Vielzählig sind deren Särge, von denen einige Fresken gut erhalten sind.

Dann wagen wir uns in das Verkehrsgewühl von SPLIT, das ein Gürtel hässlicher Hochhäuser umgibt. Kaiser Diokletian, nebenan geboren, lies in nur 10 Jahren im 3. Jh. einen 30 000 qm großen Palast für sich errichten. Als Awaren und Slawen SALONA im 7. Jh. zerstörten, flüchteten die Einwohner in den Palast, suchten Schutz hinter den dicken Mauern und bauten ihn für ihre Bedürfnisse um. Das Mausoleum des Kaisers etwa nutzen sie als Kathedrale, wie profan. So fand in dem bescheidenem Einfamilienhaus eine ganze Stadt Platz. Heute ist die Sehenswürdigkeit UNESCO-Weltkulturerbe und als Freilichtmuseum von der Touristenschar vereinnahmt.

Nach der touristischen Geschäftigkeit sehnen wir uns nach der Einsamkeit der Natur. Über stellenweise enge Straßen kurven wir durch verbrannte Landschaft hinauf auf 600 m zur Ortschaft GORNJE SITNO. Die Tour beginnt gemächlich auf einem Schotterweg. Das ausufernde SPLIT an der malerischen Bucht ist gut zu sehen, die Inseln BRAČ und HVAR tauchen aus dem Dunst auf. Der Weg führt in einen Wald, in dem die Hütte DOM UMBERTO GIROMETTA etwas versteckt liegt. Nach einer malerischen grünen Hochfläche führt der Steig fast in direkter Linie durch ein Felsen- und Sträuchergewirr (dank hervorragender Markierung ist ein Verlaufen fast unmöglich) hinauf zum Höhenzug des Gebirgsmassivs MOSOR. Die Sonne brennt unbarmherzig von einem blauen Himmel, eine leichte Brise aus West verschafft etwas Linderung. Nach mühevollen und schweißtreibenden 700 m Aufstieg ist der Kamm und nach ein paar Metern der Gipfel des 1325 m hohen VICKOV STUP mit der rot leuchtenden Schutzhütte erreicht. Auf stark verwitterten Karst mit metertiefen Spalten gelingt sogar eine Gipfelüberschreitung. Nun geht es wieder in der Direttissima durch die Felsen, stellenweise mit Seil gesichert, hinunter zum grünen Tal. Auf der Hütte haben sich mittlerweile viele Wanderer eingefunden. Nach etwa fünf Stunden ist unser Dicker erreicht, der in der prallen Sonne heftig schwitzt. Wieder zurück am Meer zerstören wir auf der Suche nach einen Badeplatz bei einem Wendemanöver den rechten hinteren Blinker des Rollerträgers, den wir aber wieder mit Sekundenkleber zusammen flicken können. Etwas genervt finden wir in DUGI RAT eine freie Fläche an einem wunderbaren Kiesstrand mit blauem Wasser. Der Schreck ist bei einem Bad und einem Glas Wein bald vergessen.

Flusslandschaft und mittelalterliche Stadt

Die Wolken haben dem blauen Himmel wieder Platz gemacht. Wir nutzen das sonnige Wetter und drehen eine Runde entlang der KRKA. Die Straße führt meist über eine riesige Hochfläche, am Horizont von hohen felsigen Bergen begrenzt, über die sich Wolkenbänder schieben. Völlig alleine steht ein doppelter weißer Torbogen inmitten des frischen Grün (es hat nach drei Monaten vor zwei Wochen das erste Mal geregnet, dann aber sintflutartig mit vielen Überschwemmungen). Es ist der imposante Rest des römischen Legionslagers BURNUM, erbaut unter Tiberius und erweitert durch Claudius. Im wieder können wir in die einmal enge, dann wieder weiter werdende Schlucht blicken, einige der Wasserfälle erspähen wir. Zufällig entdecken wir abseits der Touristenwege zwei Burgen: links der KRKA stehen die Ruinen von NEĊVEN GRAD, gegenüber auf der anderen Flussseite ĊUĊEVO GRAD. Erbaut haben sie zwei rivalisierende Familien, wahrscheinlich um Zölle zu kassieren. 1422 eroberten Türken die Burgen, die sie bis 1688 besetzt hielten. Dann genießen wir noch den Blick auf die Klosterinsel VISOVAC, die malerisch inmitten des gleichnamigen See liegt. Gleich in deren Nähe finden wir auf der gegenüberliegenden Flussseite einen idyllischen Bade- und Übernachtungsplatz mit angenehm frischen Wasser.

Dann hangeln wir uns weiter der Küste entlang. Tiefblau leuchtet das klare Wasser. Doch dorthin zu kommen ist fast unmöglich: entweder versperren scharfe Felsen den Zugang oder zahlreichen Campingplätze und die in die Landschaft wuchernden Ferienhäuser. Im etwas abseits gelegenen VINIŜČE finden wir direkt am Wasser einen ruhigen Badeplatz für die Nacht. Zudem ist der kleine Ort nahe an unserem morgigen Ziel TROGIR. Wie bei jeder Stadtbesichtigung, sind wir schon früh unterwegs. Doch die Stadtoberen wollen 35 KN, das sind gut 5,- €, für die Stunde an Parkgebühren. Da fahren wir weiter zum Lidl, kaufen ein und parken unseren Dicken für die Zeit des Stadtbummels und fahren mit dem Fahrrad ins Zentrum. Griechen aus Siracusa (liegt auf Sizilien und besuchten wir auf der letzten Tour) gründeten die Stadt im 3. Jh. v. Chr. Heute präsentiert sie sich noch fast unversehrt in ihrer mittelalterlichen Gestalt und ist deshalb auch UNESCO Weltkulturerbe. Leider sind alle lauschigen Ecken mit Sonnenschirmen und Stühlen zugestellt. Nur einige enge Gassen mit den blanken Pflastersteinen haben ihre Ursprünglichkeit erhalten. Etwas beschaulicher, es sind schon wieder viele Touristengruppen unterwegs, geht es auf dem Markt zu. An den kleinen Ständen treffen sich die Einheimischen und tauschen wohl Neuigkeiten aus.

Wir entfliehen dem Trubel und fahren hinauf zu einem kleinen Pass in 500 m Höhe. Peter macht noch eine kleine Wanderung entlang des Gebirgszugs KOZJAK zum 632 m hohen BIRANJ mit einer kleinen Kapelle zu Ehren des Heiligen Ivan. Fantastisch ist der Blick von TROGIR im Norden bis SPLIT im Süden. Einige Farbtupfer leuchten im herbstlichen Kleid der Sträucher.

Rund um Šibenik

Nachdem wir von ZADAR der Küste entlang geschlichen sind, finden wir gegenüber von ŠIBENIK einen wunderschönen und ruhigen Platz für die Nacht. Zwei Fischerboote liegen hier und ein paar Angler kommen vorbei und versuchen ihr Glück, lediglich mit einer Angelschnur ausgerüstet. Leider verwehren wieder viele Seeigel im kiesigen Strand ein Bad im Meer.

Am nächsten Tag machen wir uns bei Zeiten auf den Weg in die mittelalterliche Stadt, die gute 2 000 Jahre als ist. Nach wechselnden Herrschaften übernahm Venedig das Zepter im 16. Jh., baute die Stadt aus und errichtete vier Burgen zur Abwehr der Türken, deren Belagerung dann auch erfolglos war. Unser Stadtrundgang beginnt beim ältesten Bollwerk, der frisch restaurierten Festung SV. MIHOVIL. Sie thront über dem alten Teil der Stadt. Von hier führen viele Treppen steil hinunter zum SV. JAKOV DOM, seit 2000 UNESCO Weltkulturerbe. Ein echtes Meisterwerk ist das Dach, das aus riesigen Steinplatten besteht und ohne Stützen auskommt. Prächtig das Löwenportal mit Adam und Eva an der Seite. 74 Porträts der damaligen Bürger, einige mit recht grantigen Gesichtern, blicken auf den Domplatz herunter. Ebenso wie das Dach der Kirche, wurde auch das gegenüberliegende Rathaus im Jugoslawienkrieg von den Serben zerstört. Nun strahlt der Platz wieder in neuer alter Pracht.

An dem engen Kanal, der ŠIBENIK mit dem Meer verbindet, wacht die Festung SV. NIKOLA. Die mächtige Anlage ist leider nur von der Seeseite zugänglich, so muss ein Blick von außen genügen. Ivan, ein kroatischer Rentner und ehemaliger Busfahrer, begleitet mich und erklärt mir auf gutem Deutsch einige der Gebäude. So befindet sich neben der mittelalterlichen Festung, die ehemals ebenso der Türkenabwehr diente und in den 90er Jahren von Serben besetzt wurde, im 2. Weltkrieg eine Stellung der Italiener. Wir spazieren wieder ein paar Kilometer in Richtung ŠIBENIK zurück, dort stehen riesige Lagerhallen im Wald, umgeben von Blitzableitern, die ein Munitionsdepot der jugoslawische Marine waren. Die Mannschaftsgebäude stehen noch und sogar ein Basketballbrett modert vor sich hin. Ivan erzählt mir von seinem Vater, der in Hitlers Armee diente und danach sechs Jahre in Titos Gefängnis war; von Jugoslawien, in dem die Serben die Macht an sich gerissen hatten und alle wichtigen Stellen besetzten. Der Unmut darüber war schließlich ein Auslöser des Krieges. Heute ist jedes Land des ehemaligen Jugoslawiens zu klein, um den anderen schaden zu können. So machen die Serben auch wieder Urlaub in Kroatien, und sind zumindest geduldet. Von zwei neu angelegten Aussichtspunkten lassen wir unsere Blicke über die grandiose Inselwelt und die alte Stadt schweifen, froh, hier in Frieden stehen zu können.

Stadtbummel in Zadar

Gegen Morgen pfeift unser Dicker aus allen Fenstern, der Wind hat gedreht und stürmt aus Osten heran. Dicke Wolken fallen wie ein Vorhang von den Bergen. So sind wir schon früh in NIN unterwegs, einer 2 500 Jahren alten Stadt. Sehenswert ist die altkroatische Kirche SVETI KRIŽ aus dem 9. Jh. Sie ist die kleinste Kathedrale des Christentums und steht inmitten alter Fundamente eines römischen Tempels. Von der Pfarrkirche SV. ANZELMO grüßen die Stadtheiligen Anselmus und Ambrosius. Vor der Kirche steht der streitbare Bischof Gregorius, der sich für die Unabhängig Kroatiens schon im 11. Jh. einsetzte.

Der Ostwind treibt uns vor die Tore ZADARS. Nicht weit von der Altstadt finden wir einen ausreichend großen Parkplatz für unseren Dicken. Auch ZADAR ist eine über 2 000 Jahre alte Stadt, Griechen gründeten es im 4. Jh. v. Chr., später kamen die Römer. In jüngster Zeit musste die Stadt und deren Bewohner arg leiden. Im 2. Weltkrieg zerstörten deutsche Bomben die Altstadt, im jugoslawischen Krieg beschossen Serben die Stadt drei Jahre lang. Heute sieht man wie in fast allen Städten Bausünden, doch keine Ruinen mehr. Die unzähligen Kirchen sind wieder aufgebaut und neue Sehenswürdigkeiten, wie die Meeresorgel, die von den Wellen angetrieben wird, und der Sonnengruß entstanden. Am besten gefällt uns wieder einmal der Markt mit seinen vielen kleinen Ständen voller heimischer Produkte. Wir erstehen Olivenöl in der Plastikflasche und geräucherten Schafskäse. Susanne erspäht grüne Mandarinen, sie liebt deren sauren Geschmack.

Wir verlassen die Hauptstraße mit den vielen touristischen Einrichtungen und umrunden den VRANSKO JEZERO. Es ist der größte See Kroatiens und wegen seinem Fischreichtum bei den Anglern beliebt. Kleine Felder und einzelne Häuser säumen die Straße. Wir erklimmen auf einer schmalen aber guten Straße den Aussichtspunkt KAMENJAK. Peter kämpft sich durch die Sträucher und balanciert über die spitzen Steine des Karsts zu einem kleinen Hügel. Der Ausblick über die 89 Inseln (ich habe sie nicht gezählt) der KORNATEN ist fantastisch.