Zurück in Europa und Griechenland

Tuffsteine stehen in der weiten Landschaft. Das alte Volk der Phryger höhlte sie aus, sie wohnten darin und bestatten ihre Toten in dem weichen Fels. Wir schauen uns die Kreuzkuppelkirche in AYAZINI an und fahren zur Übernachtung ins GÖYNÜŞ-TAL. Hier entdecken wir einen gestürzten Löwen, der einst ein Grab bewachte. Ein paar Meter weiter finden wir einen guten Platz. Die Jandarma kommt vorbei, prüft Peters Pass sowie den Einreisestempel und sagt den Standardspruch: „No problem.“

Die Nacht war bitterkalt. Die Frontscheiben des Dicken sind innen und außen, trotz laufender Heizung, dick zugefroren. Da wir ja eigentlich dem Winter in Deutschland entfliehen wollten und es in den nächsten Tagen genau so kalt bleiben wird, ändern wir unsere Pläne. Wir verzichten auf die Schwarzmeerküste und Istanbul und wollen direkt in den Süden Griechenlands fahren.

Am Morgen leuchten die Wolken in der aufgehenden Sonne blutrot, danach wird es die nächsten Tage fast ununterbrochen regnen. Die erste Strecke führt durch ein schönes Tal, dann prägen unendliche Felder die Landschaft. In ESKIŠEHIR kaufen wir das Nötigste für den Tag ein und fahren dann auf breiter und guter Straße flott weiter, lediglich in BURSA stoppen wir für die Mittagsrast. Am späten Nachmittag erreichen wir bei ÇARDAK das asiatische Ufer an den DARDANELLEN. Sofort können wir auf die Fähre fahren und in ein paar Minuten hat uns Europa wieder. In GELIBOLU stauen sich die Lastkraftwagen über viele hundert Meter, um nach Asien zu kommen. Wir suchen den uns schon bekannten Platz direkt an der Meerenge auf. Die Luft riecht nach Braunkohle und ist gelb gefärbt. Müde fallen wir, nach der für uns ungewöhnlich langen Fahrt, ins Bett. Ein paar Raki erleichtern das Einschlafen zusätzlich.

Auch am nächsten Morgen sehen wir die Sonne nur für ein paar Augenblicke als sie die dunklen Wolken kurz rot aufleuchten lässt. Dann fahren wir im Regen und streckenweise im dichten Nebel zügig weiter. In KEŞAN geben wir unsere letzten türkischen Lire aus und kommen schnell an die Grenze nach GRIECHENLAND. Auch bei der Ausreise aus der TÜRKEI müssen wir vier Posten passieren, alleine die Durchsuchung des Dicken bleibt uns diesmal erspart. Zur Einreise in die EU stauen sich die Lastkraftwagen. Ein paar Fahrer und junge Soldaten winken uns auf der nur zweispurigen Straße an der Schlange vorbei. Die Einreise nach GRIECHENLAND geht flott. Wir nutzen die kostenlose Autobahn und fahren unter grauen Wolken durch die flache und etwas eintönige Landschaft, Wolken quälen sich über die Berge. Wir umrunden ALEXANDROUPOLI und machen eine kurze Rast in MAKRI, in dessen Hafen wir bei der Herfahrt übernachteten. Dann zieht die Landschaft wieder schnell vorbei. Für die Nacht kommen wir nach KERAMOTI, wo wir am langen Strand mit Blick auf die Insel THASSOS einen ruhigen und schönen Platz finden.

Auf unseren flotten Fahrt in den Süden scheinen wir nur die Sonnenaufgänge so richtig wahrzunehmen. Die Nacht am Meer an dem weiten Strand war wieder kalt. Schon in der Morgendämmerung tuckern die Fähren zur Insel THASSOS. Mit dem ersten Licht fahren wir los, um uns an der Heizung des Dicken zu wärmen. Wir durchqueren KAVALA, bleiben diesmal an der Küste, schneiden die drei Finger der CHALKIDIKÍ ab und kommen an den lang gestreckten VÓLVI-SEE. Da wir hier keinen geeigneten Vesperplatz finden, fahren wir weiter bis auf einen Höhenzug vor THESSALONIKI. Zum Bleiben regt uns der schattige und wenig aussichtsreiche Platz nicht an. So umrunden wir die Großstadt und landen schließlich auf der anderen Seite der weiten Bucht an einem langen Strand bei ALYKI. Ruhig, unbeleuchtet, ohne Mücken und mit moderaten Wind verbringen wir die Nacht. Nur die Temperaturen bringen unsere Heizung wieder zum Laufen.

20181211 9-Pano

Wieder werden wir mit einem bunten Sonnenaufgang bei wolkenlosen Himmel wach. Nach den beiden Aufwärmkaffees fahren wir wieder los, diesmal wirklich nach Süden. Wir wählen die Bergroute und umrunden den majestätischen OLYMP, der sich mit einem glänzend weißen Haupt präsentiert. Zeus muss es dort oben bestimmt ganz arg frieren. Oder er ist schon wieder unterwegs und sucht sich zum Leidwesen seiner Frau ein junges und wunderschönes Mädchen. Wir genießen auf der Fahrt die Weitblicke in die winterliche Bergkette des PINDOS-GEBIRGES und durcheilen weite Flusstäler, in denen der Weizen bereits leuchtend Grün sprießt. Letztendlich erreichen wir hinter LAMIA die THERMOPHYLEN, den Engpass zwischen Meer und Gebirge, den Spartaner 480 v. u. Z. gegen die anrückenden Perser bis zum letzten Mann verteidigten. Heute ist die Gegend ruhiger und wir genießen ausgiebig das warme Wasser der Thermalquellen (Bilder folgen nach der Erholung).

4 Gedanken zu “Zurück in Europa und Griechenland

  1. Da habt ihr jetzt aber flott gemacht!! War der Süden (?) der Türkei tatsächlich so kalt?
    Dann wünsche ich euch mal endlich ein bissle mehr Wärme.
    Hier (Horb am Neckar) war es heute morgen eigentlich erst zum ersten Mal ‚minus‘.
    LG Uschi

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    • Nein, im Süden waren die Temperaturen in Ordnung. Aber nachdem wir nur selten schöne Plätze zum Stehen fanden, mit Ausnahme des Traumstrandes in Patara, wollten wir nicht weiter in den Osten fahren. Da die innere Türkei im Schnitt auf 1000 m NN liegt, waren die Minustemperaturen nicht wirklich überraschend. Jetzt sind wir jedenfalls auf dem Weg in wärmere griechische Gefilde. Viele Grüße

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  2. Hallo Susanne und Peter,

    schon seit längerem verfolge ich begeistert eure Reiseberichte. Sowohl Texte als auch Fotos finde ich sehr gelungen. Meine Frau und ich sind auch ab und zu mit dem Wohnmobil unterwegs. Z.Zt. sind wir jedoch zuhause. Wir möchten im Herbst nächsten Jahres Griechenland bereisen. Deshalb bin ich natürlich besonders gespannt auf die kommenden Beiträge von euch. Macht weiter so.

    Liebe Grüße aus dem Saarland

    KJ Thienes

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    • Guten Morgen Karl-Josef,
      Griechenland ist wirklich wunderbar für unsere Art zu Reisen. Im Herbst sind viele Wohnmobilisten schon wieder zu Hause und es gibt viele einsame und wunderschöne Plätze. Falls noch nicht gemacht, so blättere doch auf unseren Blog etwas zurück. Ab Dezember 2017 waren wir für 5 Monate in Griechenland und jetzt im September und Oktober auch für ein paar Wochen im Norden. Noch ein Tipp: angenehm ist die Fähre von Venedig nach Igoumenitsa und Patras. Camping on Board müsste möglich sein. Wenn Du weitere Infos möchtest, melde Dich doch einfach, auch über unsere E-Mail Adresse. Dann wünschen wir viel Vorfreude und senden Grüße aus dem kalten und regnerischen Griechenland.

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