Die Genusstour

Millionen Sterne blinken in der Nacht. Am Morgen leuchtet der Dunst im Tal im Licht der aufgehenden Sonne. Gemütlich mache ich mich fertig, wird es doch heute eher eine kurze Tour. Am sprudelnden Bach fülle ich meine zwei Flaschen mit eiskaltem Wasser auf. Dann nehme ich doch glatt den „falschen“ Weg über die CIMA FRUGNONI. Doch der Steig durch die taufrischen Wiesen ist gemütlich. Oben am Grat angelangt ist auch dieser wieder mit Schützengräben durchzogen. Es ist nun 100 Jahre her, als die Soldaten hier sich auf Sichtweite gegenüber lagen. Was waren das damals nur für Politiker, die ihre jungen Männer sinnlos in diesen Krieg schickten und die jungen Frauen, alleine mit dem Hof und den Kindern, sorgend zurückließ.

Vom OBSTANSER SATTEL ist die Hütte und der See ein letztes Mal zu sehen, beide liegen schon in der Sonne. Gestern beeindruckte mich der mit einem großen Kreuz geschmückte Berg hoch über der Hütte. Heute mühe ich mich über große Blöcke hinauf zur PFANNSPITZE und stehe selbst am Gipfel. Überwältigend ist wieder der Rundumblick in alle Himmelsrichtungen. Die nächtliche Feuchte kondensiert in der warmen Sonne und die ersten thermischen Wolken kriechen die steilen Hänge empor. Es schaut noch nicht gewittrig aus. Auf der anderen Bergseite, ich habe eine Überschreitung gemacht, schlängelt sich der Weg durch mannshohe Felsblöcke hinunter auf einen Wiesengrat. Unterhalb der beiden schroffen KINIGAT-GIPFEL wandere ich nun fast leichten Schrittes über die steilen Geröllfelder. Vom FILMMOORSATTEL tut sich der Blick in das weite FILMMOOR mit seinen vielen kleinen Hütten auf. Kaum eine halbe Stunde später sitze ich auf einer schattigen Bank vor der gemütlichen STANDSCHÜTZENHÜTTE. Es ist die jüngste Hütte am Karnischen Weg. Sie hat keinen Kühlraum und der Wirt und seine Helfer tragen täglich die Speisen und Getränke auf Kraxen vom Tal herauf. Schnell steht ein frisches Bier aus dem als Kühlschrank genutzten Brunnen vor mir. Die freundliche junge Bedienung empfiehlt eine Rindersulze mit Zwiebeln, Kürbiskernöl und Kapern, ein wahrer Genuss. Als Nachspeise gibt es einen selbstgebackenen Schokoladenkuchen mit einer großen Tasse vorzüglichen Kaffees. Die jungen Leute verstehen ihre Gäste zu verwöhnen. In der Küche steht ein junger Venezianer am Herd, dessen Sprachkenntnisse den vielen italienischen Wanderern zu Gute kommen, am Waschbecken spült ein junger Augsburger.

So verwöhnt und gestärkt fällt mir der Rest der heutigen Etappe leicht. Durch Wiesenhänge, in denen das Wollgras weiß leuchtet, geht es steil hinunter zum OBEREN STUCKENSEE. Das Bad im gar nicht so kaltem Wasser tut richtig gut, der Schweiß kann endlich abgewaschen werden. Am Rand blüht wilder Schnittlauch, im flachen Wasser wärmen sich unzählige Kaulquappen auf, Murmeltiere huschen zwischen den Steinen umher, ein Gleischirmflieger schwebt über den schroffen Gipfeln im späten Aufwind. Den Rest des Nachmittags liege ich einfach in der Blumenwiese.

20180804 15

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