Wald- und Wiesenweg

Die Nacht war wieder ruhig, das Gewitter hat sich in die südlichen Berge verzogen und kehrte nicht mehr zurück. Heute am Morgen ist es etwas diesiger als in den letzten Tagen und laut Wettervorhersage soll es ab Mittag wieder einmal regnen.

Nun liegen sie vor mir, die schwierigsten Stellen des Karnischen Höhenwegs. Doch der Wanderführer hat den kurzen Aufstieg zur Kammhöhe unterhalb des HOCHSPITZ etwas dramatisiert. Der Steig ist trocken und mit fixen Stahlsteilen gut gesichert, alleine der Schweiß rinnt mir bereits in der frühen Stunde schon wieder in Strömen herunter. Trotzdem tut es gut, oben auf dem Sattel eine erste Rast zu machen und die grandiose Landschaft rundherum zu genießen. Der weitere Weg über die Wiesenhänge zum LUGGAUER TÖRL ist leicht und gemütlich und führt das letzte Stück leicht fallend über alte, gut erhaltene Militärwege. Die ersten Wanderer kommen mir vom HOCHWEISSSTEINHAUS entgegen, meinem Ziel für die Mittagspause. Im morgendlichen Dunst ist die Hütte bereits auf der gegenüberliegenden Talseite zu erahnen. Der obere Weg ist noch gesperrt, auf einem Altschneerest ist die Gefahr derzeit zu groß einzubrechen. Nun heißt es viele Höhenmeter ins FROHNTAL abzusteigen. Es ist schon wieder heiß, die Oberschenkel brennen und meine drei Liter Wasser sind auch schon getrunken. Da plätschert ein kleiner Bach unverhofft durch das Grün, das frische Wasser tut gut. Im Talboden grasen Pferde und Kühe. Das letzte Stück hinauf zum HOCHWEISSSTEINHAUS ist steil und mühsam. Endlich da. Wieder bedienen freundliche junge Menschen auf der Hütte. Was für ein Unterschied zu den früheren Jahren, als der grantige Hüttenwirt einen schon mal die Schuhe hinterher warf. Das erste Bier steht schnell auf dem Tisch, dann gibt es Gemüsesuppe und Leberkäse mit Kartoffeln. Vielleicht noch einen Nachtisch? Es ist ein wunderbarer Apfelstrudel. Immer mehr Übernachtungsgäste kommen, es wird Zeit wieder aufzubrechen. Gleich hinter der Hütte schlängelt sich eine kohlrabenschwarze fingerdicke Schlange durch die Gräser. Angriffslustig attackiert sie den Wanderstock (die Bilder sind leider unscharf). Gemütlich führt der Steig hinauf zum ÖFNER JOCH. Wieder tut sich ein anderer neuer Blick auf: ein langes Tal, ausgefüllt mit einem märchenhaften Lärchenwald. Doch es sind noch viele Höhenmeter hinunter ins VAL FLEONS, aber ich habe ja genügend Energie getankt. Kaum komme ich im Wald an, bellen Hunde, Glöckchen bimmeln und ein Mann gibt lautstark Anweisungen. Ein italienischer Hirte mit seinen zwei Hunden treibt 800 Schafe hinauf zur Alpe. Leider habe ich keine Zigaretten für ihn dabei. Nun fast immer auf gleicher Höhe bleibend erreiche ich meinen heutigen Übernachtungsplatz: die verfallen CESERA SISSANIS DI SOTTO. Vor dem imposanten Haus stelle ich das Zelt auf, von den umliegenden Ställen stehen nur noch die Mauern, die Dächer sind zusammengefallen. Nebenan spritzt ein Wasserhahn. Herrlich, der Schweiß kann mit dem frischen Wasser abgewaschen werden. So schläft es sich gleich viel besser. Kaum bin ich im Zelt, fallen die ersten Regentropfen. So bleibt es auch die Nacht über angenehm kühl.

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