Eine Woche auf dem Karnischen Höhenweg – Wie war es und was bleibt?

Die letzten beiden Jahre, in Korsika auf dem GR 20 und im Allgäu, war ich mit Freunden unterwegs. Diesmal ziehe ich also alleine los. Wie wird es werden? Was traue ich mir zu und was auch nicht? Was macht die Einsamkeit mit mir, da ich ja auch im Zelt und nicht in der Hütte schlafe?

Es war dauernd heiß und auch die Nacht brachte nicht wirklich ein Abkühlung, obwohl ich fast immer über 2 000 m war. Meist schien die Sonne bis Mittag von einem blauen Himmel und in der Höhe spendete kein Baum Schatten. Gegen Mittag zogen oft dicke Wolken auf, ein paar Tropfen fielen, ein großes Unwetter mit Starkregen und Blitz und Donner, blieb mir erspart.

Der Weg ist fantastisch angelegt und führt meist dem Grat entlang. Vor der Königsetappe hat ich etwas Bammel, nicht vor der Länge, ich konnte ja immer mein Zelt aufstellen, sondern vor der im Wanderführer beschrieben „schwierigsten“ Stelle. Aber die war dann letztendlich wenig dramatisch oder gar gefährlich.

Die Hütten haben mich überrascht. Ich bin meist zur Mittagszeit dort angekommen, gerade recht zu einer langen Pause. Viele junge Menschen arbeiten in ihren Ferien mit großem Eifer und ausgesuchter Freundlichkeit hier oben in der Einsamkeit. Auf der Speisekarte sind viele einheimische Produkte zu finden, alles wird frisch zubereitet (die Zeit der Erbstwurstsuppe aus der Tüte scheint vorbei zu sein). Das Essen schmeckt (meist) gut und ist für den erforderlichen Aufwand preiswert. So mancher Hüttenübernachter beneidete mich um die Ruhe im Zelt. Aber meinen Rucksack mit Zelt, Schlafsack und Matte und drei Liter Wasser wollte keiner tragen.

Ich weiß, ich bin unbelehrbar, oft an die „alten“ Zeiten zu erinnern. Helmut Schmidt nannte es einmal, „das Geschichsbewußtsein zu erhalten“. Die ganzen 90 km hinweg begleiteten mich die Reste des Ersten Weltkrieges: Schützengräbern (in denen nun die schönsten Blumen blühen), Stacheldraht, Kavernen im Fels, Baracken, Gräber, Drahtseile. Vor 100 Jahren ließen hier tausende junger Männer aus Italien, Österreich und Ungarn ihr Leben. Und die Grenze ist heute so, wie sie vor dem Krieg war (zumindest hier). Heute sitze ich alleine auf einen der vielen Grenzsteine, linke Pobacke in Österreich, die rechte in Italien; und ich habe unzählige Male die Grenze überschritten ohne es überhaupt zu bemerken. Ich finde es gut, dass heute der Krieg kein allseits akzeptiertes Instrument der staatlichen Politik ist. Friedensweg ist ein guter Name.

Und wie geht es mir? Ich habe das Alleinsein genossen. Oft hatte ich das Gefühl im Umkreis von vielen Kilometern der einzige Mensch zu sein. Für den Weg habe ich mir viel Zeit genommen, habe viele Pausen zum Schauen und Staunen, und natürlich zur Erholung, gemacht. Hab den Wolken zugeschaut und gehofft, dass die Gewitter mich verschonen. Die Gedanken sind gekommen und gegangen – manchmal war der Kopf auch ganz leer. Nachts wachte ein grandioser Sternenhimmel über mich.

Ein Gedanke zu “Eine Woche auf dem Karnischen Höhenweg – Wie war es und was bleibt?

  1. Wow Peter, ganz alleine warst du nicht. Ich habe dich des öfteren wehmütig begleitet und um dieses sicher tolles Erlebnis auch etwas beneidet. Danke für den eindrucksvollen Bericht und gutes Ankommen zuhause.

    Uschi und ich starten morgen auf dem Frankenweg, den wir 4 Tage lang laufen möchten. Sicher nicht mit deiner Tour vergleichbar. Aber wir freuen uns trotzdem schon.

    Liebe Grüße Jürgen

    Gefällt 1 Person

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