In der antiken Weltstadt Ephesus

Das Wetter schlägt um, der Himmel ist meist grau und wir haben die ersten Regentage auf unserer Reise. Der Natur tut es gut, hat es doch seit nunmehr fünf Monaten hier nicht mehr geregnet, in BURSA soll soll zur Freude der Schifahrer bereits Schnee liegen. Wir nutzen das triste Wetter und fahren viele Kilometer weit in den Süden. Ab und zu spitzt die Sonne durch die Wolken und es gelingen ein paar Wolken- und Wellenbilder.

Wir kommen nach EPHESUS, der ehemaligen Weltstadt und heute UNESCO-Weltkulturerbe. Sie wurde gegründet als Athen noch ein Provinznest war und Rom noch gar nicht existierte. Ionische Siedler wollten im 11 Jh. v. u .Z. eine neue Stadt gründen. Und wie man das früher so machte, wurde bei wichtigen Entscheidungen das Orakel von Delphi gefragt. So pilgerte der Führer Androklos zu den Priesterinnen, die ihm gegen eine Spende antworteten: „Ein Fisch und ein Keiler werden dir den Ort zeigen.“ Etwas verwirrt zogen die Siedler los. Als sie einen Fisch grillten, sprang dieser noch lebendig vom Rost und riss dabei glühende Kohlen mit. Darauf ging ein Busch in Flammen auf, ein Keiler stürzte hervor und kam am Kaystro-Fluss zum Stehen.

Wir brauchten kein Orakel und sind dennoch fast die ersten Besucher. Schon auf den ersten Metern überrascht uns die schiere Größe des Theaters, in dem 25 000 Menschen Platz fanden. Zum ehemaligen Hafen führt eine breite, 500 m lange Straße, für die es strenge Beleuchtungsregeln gab. An beiden Seiten standen Säulen und Verkaufsgeschäfte. Auch die anderen Straßen sind breit und prunkvoll, alle mit riesigen weißen Marmorplatten gepflastert. Neben dieser Monumentalität beeindrucken uns die vielen Details. Fast jeder Stein, und davon gibt es unwahrscheinlich viele, ist mit Ornamenten oder geometrischen Mustern verziert. An den antiken Ruinen, und davon haben wir in den letzten Jahren ja viele gesehen, fasziniert uns immer wieder der Sinn für das Schöne, das uns im Laufe der Zeit irgendwie verloren ging. Doch keine Geschichte erzählt von der Lebensweise der Bauern, Handwerker und Sklaven, ohne die diese eindrucksvollen Kunstwerke gar nicht geschaffen werden konnten.

Etwas abseits steht das Artemission, ein Tempel der Artemis. Antipatros notiert zu seiner Abhandlung über die sieben Weltwunder: „ Doch als ich dann endlich den Tempel der Artemis erblickte, der in die Wolken sich erhebt, verblasste das andere. Ich sagte: Hat Helios‘ Auge außer dem hohen Olymp je etwas gleiches gesehen?“ Heute steht von den 127 Säulen nur noch eine einzige. Sie erinnert uns an die einzelne Säule im Heratempel in Sizilien.

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Dann werden wir natürlich von einem städtischen „Aufseher“ zu einer staatlichen Teppichknüpfschule abgeschleppt. Eine Frau opfert für uns ihre Mittagspause und führt uns das mühsame Handwerk vor, vom Spinnen der feinen Seidenfäden aus den Kokos der Raupen bis hin zum Knoten der Teppiche. Wunderschöne Stücke hängen an den Wänden, an denen die Frauen viele Monate arbeiteten. Unweigerlich kommen wir in den eleganten Verkaufsraum. „Dieser Teppich kostet 14 000 €, doch jetzt in der Nebensaison nur noch 4 500 €.“ Wir bedanken uns herzlich für die wirklich interessante Führung, nein wir wollen auch keinen Schmuck sehen, und fahren zurück zu unserem Übernachtungsplatz an den Strand.

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