Am Strand, an dem Aléxis Zorbás tanzte

Der Frühling ist nun wirklich da, nicht überall, man muss in noch ein wenig suchen. So präsentiert sich der Himmel am Morgen im einheitlichen Grau. Vermutlich schiebt der Nordwind feuchte Luft über die fast 2500 m hohen Berge, die dort kondensiert und den Süden mit dunklen Wolken überzieht. So beschließen wir in den Norden der Insel zu fahren, in der Hoffnung auf etwas Sonne. Bei freundlicheren und stabileren Wetter wollen wir jedoch noch einmal hierher zurückkommen, auch damit Peter noch ein paar Schluchtwanderungen machen kann. In vielen Kurven schlängelt sich die breite Straße die steilen Abhänge hinauf. Immer fantastischer wird der Blick zurück auf die Ebene und hinüber zum PSILORÍTI-GEBIRGE. Die Sonne zwängt sich durch einen kleinen Wolkenspalt und wirft silberne Flecken auf das Meer. Ganz im Süden am Horizont schwebt die Insel GÁVDOS über dem Wasser.

Je höher wir kommen, desto näher rücken die Wolken, die schwer auf den Bergen aufliegen. Wir durchqueren die ASKÍFOU-HOCHEBENE auf 700 m NN, deren Olivenhaine und Weiden mit letzten Schneeresten bedeckt sind. Es sieht aus wie in einem alpinen Hochtal gegen Ende des Winters.

Dann geht es ebenso schnell wieder hinunter, erste blaue Flecken am Himmel geben uns Hoffnung auf etwas sonnigeres Wetter. Und wir haben Glück: die gewaltige Bergkette der LEFKÁ ÓRI erstrahlt über den dunkelgrünen Olivenhainen, mit dem gelb blühenden Klee, in der Sonne im frischen Weiß. Nach einer Runde durch die Dörfer der Halbinsel DRÁPANOS finden wir am Strand von KALÍVES einen Platz für den Rest des Tages. Hier wärmt uns die Sonne, die Wellen plätschern nur leicht an den Strand, doch für ein Bad ist es noch etwas zu kalt.

Wie erwartet, ist der heutige Tag grau. Der sonst so geschmähte Wind ist fast eingeschlafen und ohne ihren Antreiber können sich die trüben Wolken den ganzen Tag über am Himmel festsetzen.

Unsere Vorräte sind in den letzten Tagen merklich geschrumpft, schon lange war kein Lidl mehr in der Nähe. So suchen wir, obwohl es heute Sonntag ist, einen der Lidls in der Nähe von CHANIÁ auf. Und wieder haben wir Glück. Der Supermarkt hat heute geöffnet, wir müssen nur bis 11 Uhr warten. Dann wandern all die Sachen, die wir in griechischen Läden nicht bekommen in unseren Einkaufswagen: Schwarzwälder Schinken, Nürnberger Bratwürste, Ritter Sport Rum-Trauben-Nuss und noch so einiges mehr. Vollbepackt machen wir uns auf den Weg zur südlich der Stadt gelegenen AKROTÍRI-HALBINSEL. Die Straße führt weiter den Berg hinauf zu den Gräbern von Elefthérios und Sófoklis Venizélos. Der Vater setzte sich maßgeblich für die Vereinigung seiner Heimatinsel mit Griechenland ein, 1913 ging sein Traum in Erfüllung. Von 1910 bis 1920 und noch einmal von 1928 bis 1932, nach Exiljahren in Paris, war er Premierminister. Sein Sohn war nach dem Zweiten Weltkrieg griechischer Ministerpräsident. Eine schönere Grabstätte für einen der bedeutendsten griechischen Staatsmänner und seinen Sohn hätte man kaum finden können. Von der Parkanlage hat man einen herrlichen Blick auf die CHANIÁ seinem Hafen und die gegenüberliegende RODÓPOU-HALBINSEL.

Die weitere Straße führt durch Olivenhaine und eine etwas zersiedelte Landschaft zu zwei bedeutenden Klöstern: KLOSTER AGÍA TRIÁDA und KLOSTER GOUVERNÉTO. Wir schauen bei beiden kurz vorbei, heben uns die Besichtigung aber für morgen auf, in der Hoffnung, dass dann die Sonne den grauen Schleier vom Himmel vertrieben hat. Auf einer kleinen Anhöhe finden wir zwischen alten Olivenbäumen einen aussichtsreichen Platz. Die hohen Gipfel der WEISSEN BERGE verschwinden im Grau der Wolken, aber es ist warm und regnet nicht.

In der Nacht plätschert der Regen auf das Blech des Dicken, doch zur Mondfinsternis ist es sternenklar. Wir ziehen uns warm an und bestaunen das Schauspiel. Langsam schiebt sich der Schatten von links nach rechst über den Erdtrabanten, die linke Seite errötet langsam, während die rechte Seite noch von der Sonne angestrahlt wird. Leider lässt sich das mit dem Foto (zumindest von mir) nicht richtig einfangen. Doch als Sonne, Erde und Mond in einer Linie stehen, leuchtet der Blutmond rot auf. Der Himmel wird heller, die Sonne wirft ihr erstes Licht in den Tag und der Mond versteckt sich hinter einigen Schleierwolken.

Wie vorhergesagt und von uns erhofft, vertreibt die Sonne die morgendlichen Wolken und wir haben einen wunderbar warmen Frühlingstag. Peter macht sich auf den Weg zu einer kleinen Wanderung, Startpunkt ist das KLOSTER GOVERNÉTO. Der Blick durch das offene Tor der Klosters fällt auf die eigentümliche Kirchenfassade mit den Monstern und verzierten Säulen. Die hier nach strengen Regeln lebenden Mönche möchten keine Fotos vom Inneren ihrer Heimstätte, verständlich.

Über einen gepflasterten Weg geht es gemütlich weiter. Schon ist die ARKOUDIÓTISSA-HÖHLE, was BÄRENHÖHLE heißt, erreicht. In der Antike der Göttin Artemis geweiht, diente sie zur christlichen Zeit der Verehrung Marias. Sie soll einen aufdringlichen Bären, der den Einwohnern den Zugang zu einer Quelle verwehrte, zu Stein verwandelt haben. Nun ist er weiß angestrichen und lässt sich mit viel Fantasie als solchen erkennen.

Nach ein paar Minuten kommen die Ruinen des KLOSTERS KATHOLIKÓ in Sicht. Noch kurz davor liegt die Höhle des Eremiten Johannes, der hier starb, nachdem ein Bauer in für ein Tier gehalten und angeschossen hat. Die Ruinen des häufig von Osmanen überfallen Klosters, deswegen wurde es auch verlassen, schmiegen sich an einen überhängende Felsen. Eine breite Brücke überspannt die hier beginnende GOVERNÉTO-SCHLUCHT.

Über viele Steine führt der Pfad, gesäumt von bizarren Johannesbrotbäumen, hinunter an die Küste mit dem ehemaligen Hafen und alten Steinbrüchen. Erste Blüten recken schüchtern ihre Köpfe zwischen den Steinen in die Sonne.

Und schon geht es weiter zum KLOSTER AGÍA TRIÁDA. Aus drei Reisebussen strömen englische Touristen, so sparen wir zumindest den Eintritt, obwohl wir zahlen wollten. Eine imposante Treppe führt hinauf zum Eingang, die gemütlich aussehende Klosterkirche prägen viele runde Kuppeln. Die Anlage mit den vielen Pflanzen und versteckten Winkeln strahlt, trotz der für uns ungewohnt vielen Besucher, eine angenehme Ruhe aus.

Nun ist es aber wieder einmal genug mit Kultur und Steine. In STAVRÓS können wir direkt an der kreisrunden Lagune einparken. Hier ist es ruhig, nur ein paar Einheimische kommen zum Flanieren, Baden oder Angeln vorbei. Der Südwind ist uns heute gnädig, er weht am Boden nur schwach, während er in der Höhe Lentis produziert, bringt uns frühlingshafte 18 Grad C (im Dicken sogar 25 Grad C) und blauen, fast wolkenlosen Himmel. Die Wäsche ist wieder einmal fällig und einige Reparaturen am Dicken sind zu erledigen. Beide springen wir ins frische, glasklare Wasser und lassen von einer zeitweise warmen Stranddusche verwöhnen. Peter steigt zu einer kleinen Höhle auf, die am Hang des VARDÍES liegt. Hier wurde die berühmte Schlussszene des Films Aléxis Zorbás gedreht, bei der die Transportseilbahn, die Bäume vom Berg herunter bringe sollte, wie ein Kartenhaus zusammenfiel. Der Kommentar von Zorbás dazu: „He Boss, hast Du jemals erlebt, dass etwas so bildschön zusammenkracht.“

 

7 Gedanken zu “Am Strand, an dem Aléxis Zorbás tanzte

  1. Hey, ihr werdet mir immer sympathischer, Ritter Trauben Nuß 😋👍

    Unser Lidl hat hier Sonntags geschlossen, so konnten wir kein deutsches Naschwerk kaufen, die schlanke Linie freut sicht. 😊
    Gruß
    Dagmar&Jürgen

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.